Hilpoltstein: "Ich bin Überzeugungstäter"
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Hilpoltstein

Hilpoltstein (HK) "Alex ist möglich." Das ist der Slogan auf den Wahlplakaten des jungen Sozialdemokraten. Dort posiert der Strafverteidiger aus Lauf mit einem "Berlin"-Schild als Anhalter. Mitnehmen würde man den freundlichen Mann im Anzug ohne Bedenken. Aber Horlamus will in den Bundestag. Dazu müsste Horlamus entweder das Direktmandat gegen die wesentlich bekanntere CSU-Bundestagsabgeordnete Marlene Mortler gewinnen oder die SPD müsste in Bayern über 30 Prozent kommen.

"Sehr ambitioniert", räumt Horlamus ein, "aber wir geben nicht kampflos auf". Geärgert hat ihn die Überschrift einer Lokalzeitung, die nach seiner Nominierung für die SPD-Landesliste auf Platz 36 titelte: "Horlamus chancenlos." Natürlich sei das Ziel hochgesteckt, gibt er schmunzelnd zu. Doch auch wenn es diesmal nicht klappt, dann will er sich wenigstens eine "gute Ausgangsposition" für 2021 schaffen - "auch parteiintern".

Nach dem Ausscheiden von Verena Wohlleben im Jahr 2005 habe die SPD keinen Kandidaten aus dem Wahlkreis Roth-Nürnberger Land mehr in den Bundestag gebracht. Der letzte Landtagsabgeordnete war bis 2008 der Hilpoltsteiner Peter Hufe. Horlamus will das ändern. So schnell wie möglich. "Ich bin ein Überzeugungstäter", sagt er von sich selbst. Und er plappere nicht immer nach, was seine Partei sage. "Ich rede gern Klartext", sagt Horlamus. Die Leute suchen nach Menschen, die Kante zeigen, nicht nach glatten Typen. "Vom Aussehen her bin ich auch eher einer von den Glatten, da kann ich nicht aus meiner Haut", sagt der 33-Jährige. Inhaltlich sieht das anders aus. Egal, wie die Wahl ausgehe, eine Große Koalition schließt Horlamus kategorisch aus: "Auf keinen Fall GroKo. Das muss in der Demokratie die Ausnahme bleiben." Das stärke nur die Ränder, wie man am Aufstieg der AfD sehe. Bei der weiteren Koalition zwischen CDU/CSU und SPD bestehe die Gefahr, "dass sich die AfD im Parlament etabliert". Das will Horlamus unbedingt verhindern, auch wenn er die AfD-Wähler nicht verteufelt. "Da gibt es auch frühere SPD-Wähler darunter. Die müssen wir zurückgewinnen, indem wir auf ihre Bedürfnisse eingehen, nicht durch Populismus."

In die SPD ist Alexander Horlamus schon mit 14 eingetreten. "Weil mich der Wahlkampf von Gerhard Schröder gegen Helmut Kohl fasziniert hat." Damals habe er Aufbruchstimmung gespürt. Endlich etwas Neues, Schröder mit frischem Wind und auch mal einem lockeren Spruch gegen den bleiernen Kanzler Kohl. Horlamus engagierte sich bei den Jusos, rückte in den Laufer Ortsvorstand auf, wurde Juso-Vorsitzender, seit fast zehn Jahren ist er Stadtrat und Kreisrat. In beiden Gremien ist er inzwischen SPD-Fraktionsvorsitzender.

"Diese Ämter würde ich auch für den Fall, dass mich der Bürger nach Berlin schicken würde, nicht aufgeben", sagt Horlamus. Denn nur in der Kommunalpolitik habe man so intensiven Kontakt mit den Leuten. Die Abgeordneten in Berlin lebten dagegen oft in einer Blase - quer durch alle Parteien. "Ich will der Alex sein und nicht der Abgeordnete Horlamus." Die "Sozis" hätten manchmal die Tendenz, große und wichtige Themen im Hinterzimmer zu besprechen, anstatt sich anzuhören, was die Menschen wollen. "Manchmal ist es wichtiger man geht auf's Burgfest und redet mit den Leuten", sagt Horlamus. Im August war er auf dem Burgfest. Aus dem Riesenrad hat er einen Blick auf die "sehr schöne Stadt" geworfen, seiner Frau hat er ein Einhorn gekauft, geredet hat er im Bierzelt dann aber doch nur mit einigen Gemeinderäten.

Die Themen, die die Menschen bewegten, seien bezahlbarer Wohnraum, günstiges Bauland, kostenlose Kita- und Kindergartenplätze, die Furcht vor der Rente mit 70. Themen, die angepackt werden müssten. Doch Kanzlerin Angela Merkel verwalte nur, statt zu gestalten. "Die Probleme werden ausgesessen", kritisiert Horlamus. Dabei müsse die soziale Gerechtigkeit dringend wieder hergestellt werden, sagt Horlamus und wirkt, als würde er ein flammendes Plädoyer vor Gericht halten: Mindestlohn, Missbrauch von Leiharbeit und Werkverträgen, Einbußen bei der Rente.

In diesem Punkt unterscheidet er sich von seinem einstigen Vorbild Schröder und dessen Agenda 2010. "Es war ja nicht alles schlecht", sagt Horlamus, "aber viele Menschen sind dabei hinten runtergefallen". Zu sehr wirtschaftsorientiert sei die Reform gewesen. Auch der Basta-Stil des Altkanzlers, sei nicht das, was er sich unter Demokratie vorstelle. Trotzdem übt Schröder noch eine gewisse Faszination auf ihn aus. Ende Juni auf dem Parteitag in Dortmund habe er ein Selfie mit Schröder machen wollen, erzählt er. "Warum", wollte Schröder sofort wissen. "Weil ich damals wegen Dir in die SPD eingetreten bin." Schröder schlagfertig: "Ach du warst das."