Bernd Fabritius trägt sich vor seinem Referat zum Thema Flucht und Migration ins Goldene Buch der Stadt Roth ein.
Schmitt
Roth

Der promovierte Jurist kam auf Einladung der CSU-Bundestagsabgeordneten Marlene Mortler in die Kreisstadt. Fabritius sitzt seit 2013 für die CSU im bundesdeutschen Parlament. Er selbst ist Spätaussiedler. Im rumänischen Siebenbürgen geboren kam er als 19-jähriger mit seinen Eltern nach Deutschland.

Fabritius betonte zunächst das schwere Trauma einer Flucht oder Vertreibung der Betroffenen. „Es ist auch für die heutigen Flüchtlinge stets ein dramatischer Bruch der Biografie“, sagte er. Deshalb sei der BdV einer der ersten gewesen, der zur Empathie für die Geflüchteten aufgerufen habe. Zugleich machte er aber eine klare Unterscheidung zwischen Menschen, die wegen Krieg oder individueller Verfolgung nach Deutschland kommen, und solchen, die aufgrund einer frei getroffenen Entscheidung einwandern wollten. „Für die einen müssen wir Asyl und Genfer Konvention offenhalten, bei den anderen ist die Berufung auf diese Notrettungswege nicht legitim“, stellte Fabritius fest.

Für viele Bürgerkriegsflüchtlinge sah Fabritius Deutschland indes als echtes Ziel ihrer Flucht: „Denn sicher wären sie auch in den Lagern in der Türkei“, so der Abgeordnete. „Viele aber wollen konkret nach Deutschland oder Norwegen und sich hier ein neues, anderes Leben aufbauen.“ Fabritius trat währenddessen für andere Perspektiven ein. „Ich würde mir auch von den Flüchtlingen des 21. Jahrhunderts wünschen, dass sie ein Bekenntnis zu ihrer Heimat ablegen und den Wunsch auf Rückkehr entwickeln“, sagte der CSU-Politiker. Schließlich hätten noch im Jahr 1955 laut einer Untersuchung 55 Prozent der Heimatvertriebenen in Deutschland auf eine Rückkehr in ihre ehemaligen Wohngebiete gehofft.

Bernd Fabritius betonte auch die Unterschiede zwischen den deutschen Vertriebenen und den Bürgerkriegsflüchtlingen aus dem nahen Osten. „Die Vertriebenen waren Binnenflüchtlinge mit selber Sprache, gleicher Religion und Gleichwertigkeit der beruflichen Lebensläufe“, erklärte der Vertriebenenchef. „Menschen aus Syrien kommen hingegen in eine echte Fremde.“ Die Menschen hier seien ihnen ebenso fremd wie das Umfeld. „Und die deutsche Bevölkerung besteht zu Recht darauf, dass das Umfeld unverändert bleibt“, sprach sich Fabritius für eine gewisse Anpassungsleistung der Bürgerkriegsflüchtlinge aus.

Zudem war Fabritius der Auffassung, „dass die Lösung der gesamten Probleme dieser Welt nicht in der Migration liegen kann“. Er trat für eine nachhaltige Bekämpfung der Fluchtursachen in den Herkunftsländern ein und forderte Investitionen dort. „Jeder Euro wirkt vor Ort 150 Mal besser als hier“, rechnete er vor. Gleichzeitig gestand er den Flüchtlingen aber auch einen Anspruch auf Bildung und Ausbildung in Deutschland zu. „Diese Integration sollten wir als vorweggenommene Leistungen zur Hilfe für den Aufbau ihrer Heimat sehen“, erklärte der Verbandschef.

Vor seinem Referat war Bernd Fabritius vom Rother Bürgermeister Ralph Edelhäußer (CSU), seinem Stellvertreter Heinz Bieberle (CSU) sowie einer Delegation der Sudetendeutschen Landsmannschaft im Schoß Ratibor empfangen worden. Mit Bezirkssprecher Eberhard Heiser aus Forchheim und Manfred Baumgartl aus Schwabach waren auch Vertreter der Sudetendeutschen aus der Region zu Gast. Nach einer kurzen Schlossführung trug sich Bernd Fabritius ins Goldene Buch der Stadt ein. Sowohl Edelhäußer als auch Fabritius betonten dabei das Engagement der Sudetendeutschen im Landkreis Roth und hoben den Kreisvorsitzenden Dieter Heller samt Gattin Hannelore aus Roth hervor. „Ihr seid ein echtes Traumpaar“, sagte Fabritius.

Landtagsabgeordnete Volker Bauer wies auf die Zeitzeugengespräche hin, die in acht Gemeinden stattfinden. Der Auftakt ist am 24. Juli in Wernsberg weiter geht es am 26. Juli in Schwanstetten.