Hilpoltstein: Helferin für die Helfer
Dorothea Pille aus Hilpoltstein kümmert sich jetzt im ganzen Landkreis als Ansprechpartnerin von ehrenamtlichen Helfern im Asylbereich um deren Fragen und Anliegen. - Foto: Meyer
Hilpoltstein

Als im Herbst 2015 vermehrt Asylbewerber nach Hilpoltstein kamen, gehörte Dorothea Pille zu denjenigen, die ihre Hilfe anboten. Sie und ihr Mann kümmerten sich um eine irakische Familie mit zwei Kindern. "Das war richtig freundschaftlich." Bei den Treffen des städtischen Helferkreises sei sie allerdings "irritiert" gewesen, dass keiner die Verantwortung übernahm, es keine Moderation gab, ja, dass es richtiggehend "chaotisch" zuging. "Es fehlte total der Überblick: Wie läuft ein Asylverfahren, wie komme ich an wichtige Informationen, wer sind die hauptamtlichen Ansprechpartner"

Dorothea Pille und ihr Mann übernahmen schnell die Rolle der Moderatoren bei den Helferkreistreffen. Als der Landkreis zur Unterstützung der Helferkreise zusätzliche nebenamtliche Stellen schuf, wurde Dorothea Pille aus dem Kreis der ehrenamtlichen Helfer als Koordinatorin für Hilpoltstein vorgeschlagen. Sie machte ihre Sache so gut, dass sie inzwischen vom Landratsamt als Ansprechpartnerin für die Helferkreise aus dem gesamten Landkreis engagiert wurde. "Füreinander, der Kontaktstelle für bürgerschaftliches Engagement, war es sehr wichtig, dass die künftige Koordinatorin aus den Helferkreisen kommt", sagt sie.

Die studierte Agraringenieurin versteht sich auf Netzwerken und Vermitteln. In den vergangenen Jahren war sie als Beraterin tätig und begleitete den Generationenwechsel auf landwirtschaftlichen Betrieben bei der inner- und außerfamiliären Hofübergabe. "Meine Rolle als Koordinatorin ist ähnlich", erklärt Pille. "Ich muss den Überblick haben, eine neutrale Gesprächsposition einnehmen und auf die Interessen der verschiedenen Akteure achten."

Über ihren offiziellen Job hinaus engagiert sie sich immer noch ehrenamtlich für Asylbewerber. Sie weiß deshalb genau, dass helfen nicht immer nur Freude macht, sondern mitunter mit Problemen behaftet sein kann. Deshalb steht sie allen Helfern, ob organisiert oder allein auf weiter Flur, als Ansprechpartnerin zur Verfügung. "Sobald es Fragen gibt, können sie an mich gestellt werden. Wir recherchieren und geben Antworten."

Und Fragen gibt es viele, gerade jetzt, wo viele Asylbewerber anerkannt werden. "Wie finde ich einen Job? Wie finde ich eine Wohnung? Bezahlt das Jobcenter die Miete" Ehrenamtliche Asylhelfer gelten als wichtige Stütze, wenn es darum geht, Flüchtlinge zu integrieren und ihnen die wichtigsten Schritte in den deutschen Alltag zu erleichtern. Wer sich kaum auf Deutsch verständigen kann, hat auch kaum die Chance auf einen Mietvertrag. "Die anerkannten Asylbewerber sind auf die Helfer angewiesen. Sie sind die Türöffner, sprechen mit Vermietern, sind bei den Besichtigungen dabei", erklärt Dorothea Pille. "Das ist total viel Arbeit." Andere Helfer wiederum helfen bei der Jobsuche. Wenn die Einheimischen mit vielfältigen Kontakten in die Arbeitswelt ein gutes Wort für ihre Schützlinge einlegen, kann das Wunder bewirken.

Um wiederkehrende Schwierigkeiten oder Fragen leichter aus dem Weg zu räumen, erstellt das Landratsamt derzeit einen Leitfaden, der solche Fragen bündelt und beantwortet. "Aber ich stehe natürlich trotzdem als Ansprechpartnerin zur Verfügung", betont Dorothea Pille.

Zu regelmäßigen Treffen mit den Kümmerern der Helferkreise, die auf 450-Euro-Basis beschäftigt sind, lädt Dorothea Pille zudem Experten ein - vom Jobcenter, von Trägern für Sprachkurse, vom Sozialamt oder vom Amt für Ausländerwesen. "Die Experten begrüßen das und sind bereit zum regelmäßigen Austausch", sagt Pille. Und die über den ganzen Landkreis verteilten Helferkreissprecher könnten das Wissen an die Basis weitergeben. "Das spart sehr viel Zeit."

Zudem hat Dorothea Pille eine vierteljährliche Supervision durch einen Psychotherapeuten für die Helfer etabliert. Denn die gingen mit ihrer Hilfsbereitschaft oft über ihre Grenzen, hat sie festgestellt. "Es gibt immer mehr, die sagen, es wird ihnen zu viel." Es müsse deshalb klar sein, dass die Asylbewerber mehr und mehr befähigt werden, ihre Probleme selbst zu lösen. Man müsse schließlich nicht selbst Taxi spielen, sondern könne auch den Weg zum Bus erklären. Ziel sei es, Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten und sich als Helfer wieder überflüssig zu machen.

Aber man dürfe nicht vergessen, dass Flüchtlinge oft mit traumatisierenden Erfahrungen nach Deutschland kämen. "Wenn man sich diese schlimmen Geschichten anhört", weiß Pille, "kann man an den selben Symptomen leiden wie diejenigen, die die traumatischen Erfahrungen gemacht haben."

In den Supervisionsrunden können sich die Helfer untereinander über ihre persönlichen Erfahrungen austauschen. "Die Vernetzung der Helferkreise untereinander halte ich für sehr wichtig", betont Pille. Drei bis vier Mal im Jahr gebe es daher auch ein Treffen derer, die ehrenamtlich Deutsch unterrichten. "Hier erfahre ich auch: Was machen die anderen? Welche Lehrmaterialien verwenden sie", erklärt Dorothea Pille.

Ihre Halbtagsstelle fördert das bayerische Sozialministerium. Allerdings nur bis Ende des Jahres. "Danach muss der Landkreis entscheiden, wie er das weiterführen will", sagt Pille.