Hilpoltstein: Ansturm auf Hilpoltsteiner Kultfilme
Die vier Bergsteiger aus dem Film "Der Berg ruft - oder die Erstbesteigung des Schlossbug" füllen am Samstag das Hofmeierhaus. Der Ansturm auf die Kultstreifen der "Gesellschaft zur Verblüffung Hilpoltsteins" lässt wohl einen Wiederholungstermin folgen. - Foto: Tschapka
Hilpoltstein

Wie bereits berichtet hatte sich in Hilpoltstein eine Gruppe von Freunden in den späten 1970er- und frühen 1980er-Jahren aus Jux und Dollerei am Filmemachen versucht. In Zeiten, in denen an die heutigen Mobiltelefone mit Videofunktion noch nicht einmal zu denken war, gehörte schon viel Enthusiasmus dazu, solche Filme im Super-8-Format zu drehen, zu schneiden und auch noch mit dem einen oder anderen "Special Effect" zu versehen. Die Hilpoltsteiner Filmemacher ließen sich von diesem Aufwand aber nicht abschrecken, sondern filmten waghalsige Stunts auf dem Bahndamm und auf dem Stadtweiher ebenso wie gefährliche Flusspferde, die im Gänsbach ihr Unwesen treiben, oder eine eigentlich harmlos ansteigende Wiese, die sich in einen nahezu unbezwingbaren Steilhang verwandelt.

Das alles ist zu sehen im ersten Film des Abends "Der Berg ruft - oder die Erstbesteigung des Schlossbug". Das Gelächter ist groß im Publikum, als sich die vier Bergsteiger zu psychedelischen Pink-Floyd-Klängen an diesem vermeintlichen Steilhang abmühen, der aber nur deshalb so steil ist, weil Kameramann Ludwig Hess seine Kamera schief hielt. "Was habt ihr denn, wart ihr alle noch nie am Schlossbuck", versucht GzVH-Mitglied Gerhard Koller die knapp vierzig Jahre alte Illusion aufrecht zu erhalten. Koller gehört nicht nur zu den vier Bergsteigern aus dem Film, sondern kommentiert am Samstagabend im Hofmeierhaus auch so manche Filmszene überaus passend.

Im zweiten, nur geringfügig jüngeren Film mit dem Titel "Hilpoltstein, Herz Europas - Pulsschlag der Welt", ist er ebenfalls dabei. In diesem Streifen bleibt eine Familie (Koller spielt dabei die Mutter) Anfang der 1980er-Jahre auf dem Weg in den Sommerurlaub aufgrund eines Motorschadens ausgerechnet in Hilpoltstein liegen. Die Szene, in der die grüne Ente der Familie mitten in der Autobahnausfahrt ihren Geist aufgibt, würde man sich heute wohl auch nicht mehr so zu drehen trauen.

Das Publikum, das überwiegend, aber nicht ausschließlich aus älteren Hilpoltsteiner Semestern besteht, bekommt in diesem Werk jede Menge Ansichten der Burgstadt zu sehen, die sich im Lauf der Zeit doch stark verändert haben. Die Umgebung im Film erinnert auch stark an eine Folge der Kinderserie "Das Feuerrote Spielmobil", die bis 1981 ausgestrahlt wurde. Die besagte Familie bestand auch in dem Hilpoltsteiner Kultstreifen aus mehreren gut gelaunten Kindern. Nur das Gefährt der Familie war grün und nicht rot - und die Handlung nicht immer ganz jugendfrei. Wenn sich etwa der Papa die nackten Surferinnen im Neckermann-Katalog ansieht oder sich das altehrwürdige Brunnenmännla am Rathaus dank eines weiteren "Special Effects" als "Manneken Pis" versucht.

Überaus sehenswert sind auch die "Werbeblöcke", in denen die Fotos von alten Hilpoltsteiner Geschäften nostalgische Erinnerungen weckten. Die "Gesellschaft zur Verblüffung Hilpoltsteins" produzierte sogar eine Reihe eigener Werbefilme in bester "Sketch Up"-Tradition und warb dabei unter anderem für die Zahncreme "Faul-A-Med", für multifunktionales "Rasier-Jogurt" oder für "zahnschonende" Kaugummis, weil diese so groß sind, dass sie nicht in den Mund passen.

Einziger Wermutstropfen des überaus gelungenen Kinoabends: Nicht alle, die gekommen waren, fanden einen Platz im Hofmeierhaus. Manch einer stellte sich daraufhin draußen im Regen unter einen Schirm und versuchte, das Geschehen auf der Leinwand durch das Fenster zu verfolgen. Doch es gibt Hoffnung für alle, die keinen Platz mehr bekamen. Denn laut Koller soll es einen weiteren Filmabend geben. Ein Termin steht zwar noch nicht fest, aber da die empfindlichen Zelluloidfilme vor ein paar Jahren digitalisiert worden sind, werden diese unschätzbaren Hilpoltsteiner Zeitdokumente der Nachwelt wohl lange erhalten bleiben.