Heideck: "Sammeln, bewahren und erforschen"
Über die Festschrift "Das Heidecker Heimatmuseum 30 Jahre nach seiner Gründung" freuen sich Heinrich Ring, Thomas Schindler, Oliver Frank, Xenia Riemann, Ottmar Brunner und Frieder Aichele (von links). - Foto: Unterburger
Heideck

Im Erdgeschoss des Heidecker Rathauses ist seit 30 Jahren das Heimatmuseum, genauer gesagt die Heimatkundliche Sammlung, untergebracht. Hier schuf der Verein mit zahlreichen Dauerleihgaben ein südfränkisches Volkskundemuseum, das originale Lebenszeugnisse unserer Vorfahren vom späten Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert präsentiert. Dominierend ist die Hafnerkeramik mit bemalten Bierkrügen und Kannen. "Die Heimatkundliche Sammlung ist in den 30 Jahren von einem kleinen zu einem stattlichen Museum gediehen", sagte Ottmar Brunner, der Vorsitzende des Vereins Heimatkundliche Sammlung Heideck.

Brunner lobte die Autoren und Mitarbeitern der Publikation Thomas Schindler, Xenia Riemann, Frieder Aichele, Heinrich Ring und Oliver Frank. Er hob den unermüdlichen und jahrzehntelangen Einsatz des Gründungsmitglieds Heinrich Ring für die Heimatkundliche Sammlung Heideck hervor und lobte Monika Kauderer und Eva Schultheiß für ihre ehrenamtliche Arbeit.

"Das Büchlein enthält den Wortlaut zweier Vorträge, die im letzten Jahr gehalten wurden", berichtete Brunner. Thomas Schindler, der Volkskundler und Referent für Volkskunde am Bayerischen Nationalmuseum München, ist mit dem Beitrag "Umbruchzeiten: Historische Objekte erzählen Kulturgeschichte" vertreten.

In einem Statement zu seinem Beitrag wies Schindler darauf hin, dass ein Museum immer auch ein sozialer Raum sei. "Ein Museum funktioniert als Konsensraum aller Beteiligten", sagte er. Die Festschrift sei kein Resümee der Museumsarbeit, sie wolle vielmehr die Menschen anregen, Objekte kennenzulernen, die über die Vergangenheit erzählen.

Xenia Riemann, Kunsthistorikerin und Konservatorin an der Neuen Sammlung in der Pinakothek der Moderne in München, referiert über "Historische Gläser aus zeitgenössischer Sicht: Der Designkontext zur Heimatkundlichen Sammlung in Heideck".

Außerdem enthält die Festschrift einen Bericht des Kunst- und Antiquitätenhändlers Frieder Aichele aus Stuttgart. Sein Beitrag heißt: "In 30 Jahren von London nach Heideck: Die Odyssee eines alten Treuchtlinger Bierkrugs".

Aichele hob hervor, dass die in Heideck gesammelte und ausgestellte Keramik selten sei. "Ich habe nie mehr etwas Vergleichbares gefunden", sagte er. Händler wie er seien immer auch Sammler und Jäger. "Beim Verfassen meines Beitrags bin ich ins Grübeln gekommen", bekannte er. "Sammler, die es früher einmal gab, sind inzwischen verstorben, neue Sammler wachsen kaum mehr heran." Auch bei den Museen gebe es Veränderungen, so Aichele weiter. Oft würden frei werdende Stellen in Museen nicht mehr besetzt. "Das klassische Bildungsbürgertum löst sich auf", bedauerte Aichele.

Als fragwürdige Themen, die in letzter Zeit von deutschen Museen aufbereitet wurden, nannte Aichele die interaktive Mitmachausstellung "Die Piraten - Herrscher der Weltmeere" in Stuttgart, die Ausstellung "Cowboys und Indianer" von 2016 sowie die aktuelle Ausstellung "Imagine John Lennon" in Heidelberg. Solche Ausstellungen schielten lediglich nach hohen Besucherzahlen, hätten aber mit regionalen Gegebenheiten nichts zu tun.

"Welche Kraftanstrengung müsste ein Heimatmuseum angesichts hoher Besucherzahlen aufnehmen", fragte Aichele. "So wie sich das Museum in Heideck präsentiert, gefällt mir das." Die Heidecker Dauerausstellung Keramik sei sehr beeindruckend, betonte er. Er hoffe, dass diese Ausstellung weiterentwickelt werden könne. "Sammeln, bewahren und erforschen - genau das geschieht hier", machte er den Mitarbeitern der Heimatkundlichen Sammlung Heideck ein großes Kompliment.