Heideck: Das Geburtshaus des Metropolitan-Domkapitulars
Ein Glasbildnis von Anton Joseph Anton Schmid ist in der Sakristei der Heidecker Frauenkirche zu finden. ‹ŒFoto/Repro: Peschke
Heideck

Das aus baulicher Sicht unspektakuläre Nagelschmiedhaus steht in der Unteren Weinstraße 2. Es trug einst die Hausnummer 25 und ist vor allem deshalb so bedeutend, weil es das Geburtshaus des Metropolitan-Domkapitulars Prof. Dr. Dr. Joseph Anton Schmid ist, der dort am 19. März 1827 als Sohn des Büttners Franz Schmid und seiner Frau Maria geboren wurde.

Er wuchs dort in dürftigen Verhältnissen auf und es war für die Eltern schwierig, dem Wunsch des Sohnes, Pfarrer zu werden, zu entsprechen. Man versuchte es und mit zehn Jahren besuchte er mit großem Erfolg das bischöfliche Seminar in Eichstätt, das er mit Auszeichnung bestand. Es schloss sich ein Theologiestudium an, das er mit glänzenden Examina abschloss. 1851 wurde er zum Priester geweiht und feierte seine Primiz in der Heidecker Stadtpfarrkirche.

Nach Kaplansjahren in Kipfenberg und der Domkirche zu Eichstätt wurde er als Professor an das Lyzeum Eichstätt berufen. Um sich für das Lehrfach weiterzubilden studierte und promovierte er in Wien und wurde dort an der theologischen Fakultät Privatdozent und außerordentlicher Professor. 1859 kehrte er auf Wunsch des bayerischen Königs Maximilian II. nach Bayern zurück und wurde zum Stadtpfarrer von Schrobenhausen bestellt.

1865 wurde er Domkapitular in Eichstätt, 1866 auch von Bamberg. Am dortigen Lyzeum dozierte er Dogmatik. Dort verfasste er ein größeres theologisches Schriftwerk über das Buch der Weisheit und den Kanon der Heiligen Schrift, worauf ihm die Universität Würzburg seinen zweiten Doktortitel verlieh. Ab 1863 war Dr. Dr. Schmid Mitglied der Bayerischen Kammer, des Zollparlaments sowie des I. und II. Reichstages.

Bei den Budgetberatungen in der Bayerischen Kammer war er Referent für den Kultusetat. Sein größtes Bestreben war es, das Niveau aller Lehranstalten Bayerns, von der Universität herab bis zu den kleinsten Dorfschulen, zu verbessern und zu heben. Zu seinem Andenken und in Anerkennung seiner außerordentlichen Leistungen und Verdienste um die Bildungsanstalten Bayerns haben ihm die Lehrer nach seinem Tod in der Sakristei der Heidecker Frauenkirche ein Glasfenster gestiftet, das noch heute an diese bedeutende Heidecker Persönlichkeit erinnert.

Das von Glaskünstler Bock erstellte Glasfenster mit einem Bild von Dr. Dr. Schmid lag eine Zeit lang auf dem Dachboden der Kappel. Das teilweise beschädigte Kunstwerk wurde, so Restaurator Markus Hohmann, von der renommierten Glaskünstlerin Martha Hör aus Nürnberg wieder instandgesetzt und in der Amtszeit von Stadtpfarrer Tobias Göttle am alten Platz in der Sakristei der Frauenkirche eingesetzt.

Trotz seiner Leistungen auf vielen Gebieten blieb Schmid immer bescheiden und lehnte sogar die im angetragene erzbischöfliche Würde für München und Freising ab. Er starb am 9. März 1881 im Alter von 54 Jahren in München und liegt dort begraben.

Den Namen "Nagelschmiedhaus" erhielt das Gebäude allerdings erst, als der am 31. Mai 1847 geborene Andreas Meier dort eine Nagelschmiede gründete. Als Beweis dafür gibt es eine sogenannte Aufnahms-Urkunde der Königlich Bayerischen Brandversicherungskammer vom 14. Dezember 1886, mit der die Nagelschmiede mit Eintausend Mark versichert wurde. Der Jahresbeitrag betrug damals 1 Mark und 30 Pfennige. In der Nagelschmiede wurden Kantnägel, Rundnägel und Hufnägel gefertigt. Eine Teilnehmerin erzählte, dass einst ein Liedla vom Nagelschmied gesungen wurde. Dies hieß: "Route Hollerbeern und blaue Veicherli, i bin vo Heideck und ker dem Nagelschmie."

Aus der Ehe mit seiner Frau Walburga Bauer gingen die Kinder August und Franziska Meier hervor. Franziska heiratete den Heidecker Ignatz Dotzer. Aus dieser Ehe stammen die in Heideck bekannten August "Gustl" Dotzer und dessen Schwester Amalie, verheiratete Lenz. Erstaunlich ist, dass Gustl Dotzer, der wie sein Vater selbst kein Nagelschmied war, sondern als Former bei der Firma Wenker arbeitete, in Heideck bis zu seinem Tod 2013 den Spitznamen der "Nagerla" führte.

Es gibt nur ein einziges Bild von Gustl Dotzers Mutter Franziska, die im Eingang des Nagelschmiedhauses steht. Deren Enkelkinder Karl-Heinz und Arthur Dotzer können sich noch gut an ihre Oma Franziska erinnern. Ebenso an die alte Nagelschmiede, die sich einst hinter dem schon 1965 abgerissenen Stadel befand. Beide Enkel wissen aus Erzählungen ihres Vaters Gustl, dass die Nagelschmiede früher ein "gemütliches Eck" war, wo sich die Nachbarn nach der Arbeit trafen, einen Umtrunk pflegten und sich Geschichten aus alter Zeit erzählten. Das Anwesen wurde inzwischen von Anette Korth erworben.

Richard Böhm erwähnte abschließend, dass Prof. Dr. Dr. Schmid zusammen mit Prof. Dr. Georg Wohlmuth aus Schloßberg (1865 bis 1952), dem sogenannten "heimlichen König von Bayern", zu den herausragenden Persönlichkeiten Heidecks gehören.

Er erinnerte daran, dass Wohlmuth als Hochschullehrer, Dompropst und Landtagsabgeordneter das kirchliche und politische Leben seiner Zeit geprägt hat. Er habe die meiste Zeit seines Lebens und Wirkens in Eichstätt verbracht. Dort verlebte er seine Studienjahre am Gymnasium und der Hochschule und wurde 1890 zum Priester geweiht. Nach einem weiterführenden Studium in Rom kehrte er nach Eichstätt zurück, wirkte als Professor der Philosophie an der Bischöflichen Hochschule, wurde Mitglied des Domkapitels, Dompropst und Apostolischer Pronator.

Mehr als zwei Jahrzehnte hat sich Georg Wohlmuth im politischen Leben engagiert. So vertrat er ab 1912 den Stimmkreis Eichstätt-Hilpoltstein als Abgeordneter im Bayerischen Landtag. Als Kultusreferent des Landtags war er am Zustandekommen des Bayerischen Konkordats maßgeblich beteiligt. 1924 wurde er Fraktionsvorsitzender der Bayerischen Volkspartei.

Angesprochen wurde an dem Nachmittag auch das Eisenamtshaus in der Brauhausgasse. Es ist ein ehemaliges Wohnstallhaus, das gegen Ende des 18. Jahrhunderts in barocken Formen in Sandstein mit Walmdach errichtet wurde. Das Gebäude diente als Polizeistation mit Arrestzellen für straffällig gewordene Menschen und als Ausnüchterungszelle. Ein Heidecker konnte sich noch an Erzählungen seiner Oma erinnern, dass die Fenster des Eisenamtshauses um 1880 noch vergittert waren.

Das nächste Erzählcafé findet am Donnerstag, 13. April, ab 14.30 Uhr im Rathaus statt. Dabei geht es um das Thema "Maler und Künstler".