Großhöbing: Gratulanten stehen Schlange
In die Schar der Gratulanten reiht sich auch Ludwig Walter ein, der Ortssprecher von Verena Schmids Heimatdorf. Die doppelte Titelträgerin bei den Europameisterschaften habe dem Ort unerwartete Popularität verschafft, sagt er. - Foto: Luff
Großhöbing

Die schlug sich prompt schon im Auto die Hände vors Gesicht, als Jubel aufbrandete und alle Leute lautstark applaudierten; beim Aussteigen flossen erste Freudentränen.

Ein wenig geahnt habe sie schon, dass Freunde und Bekannte auf sie warten würden, gestand Verena Schmid hernach freudestrahlend, "aber nicht, dass es so groß wird". Ein wenig Zeit hatte sie den vielen Leuten zumindest gegeben, dass sich die Nachricht von ihrem doppelten Erfolg verbreiten konnte. Denn ursprünglich um 16.30 Uhr in Großhöbing angekündigt, verzögerte sich der Aufenthalt am Münchener Flughafen um fast eine Stunde. Die Pistole eines Mannschaftskollegen habe einen kleinen Irrweg genommen, weshalb man am Zoll aufgehalten worden sei, verriet Rainer Bauer, Assistenztrainer des Deutschen Schützenbundes, der die 18-Jährige aus der Landeshauptstadt chauffiert hatte. Ein Glas Sekt durfte er sich selbstverständlich auch genehmigen, Manfred Biedermann reichte nicht nur ihm eines.

Der Schützenmeister des SV Höbing war sichtlich stolz auf Verena Schmid, die mittlerweile zwar in den Rundenwettkämpfen nicht mehr für ihren Heimatverein an den Start geht, sondern in der 1. Bundesliga - "ist ja klar", so Biedermann -, doch der SV Höbing sei einfach ihr Verein. Hier hält sie mit 400 Ringen mittlerweile alleine den Vereinsrekord, hier hat sie ihre ersten deutschen Meisterschaften eingefahren. Seit 1999, als Katrin Meier - heute verheiratete Beck - die erste deutsche Meisterin des Vereins war, hat der Schützenverein schon einige Titel auf bayerischer und nationaler Ebene gesammelt, mit verschiedenen Schützen. Der zweifache EM-Titel ist jetzt aber der größte Erfolg in der Vereinsgeschichte. Und ein großer Blumenstrauß aus den Händen des Schützenmeisters der mehr als verdiente Lohn für Verena Schmid. Der doppelte Titel bei den Junioren wurde ausgelassen gefeiert. Jeder der wohl mehr als 70 Gäste wollte Verena mindestens die Hand schütteln, viele umarmten und herzten sie. "Toll gemacht!" Oder: "Sauber geschossen!" So lauteten die Kommentare, als die junge Schützin die Gratulationscour absolvierte. Selbst ihre Eltern mussten sich erst einmal in die Schlange einreihen, ehe sie die Tochter in die Arme schließen konnten. "Ich sag's euch, es ist so geil", nahm Verena die vielen Glückwünsche und Fragen, wie sie sich fühle, entgegen. Vor allem der Titel im Mixed - der zum ersten Mal gleichrangig zwischen all den anderen Disziplinen rangierte - habe sie umgehauen. Denn als sie und ihr Partner David Koenders im Vorwettkampf zunächst alles andere als Spitzenergebnisse erzielt hatten, habe sie schon gedacht: "Das war's, wir haben es verkackt, wir können heimfahren." Denkste. Platz fünf im Vorwettkampf reichte für die Qualifikation für die nächste Runde. Und Runde für Runde wurde das Duo besser.

Zwei Goldmedaillen baumelten beim Empfang in der Heimat um ihren Hals - die munter bestaunt und angefasst wurden. "Verena, du machst uns sprachlos", sagte der Großhöbinger Ortssprecher Max Dorner. Was sie geleistet habe, sei "klasse, einfach sagenhaft". Ludwig Walter, der Ortssprecher von Schutzendorf, Verena Schmids Heimatort, sprach sogar davon, dass diese in eingeweihten Kreisen eine echte Marke sei. Noch vor Kurzem habe niemand gewusst, woher er stamme, wenn er beispielsweise in Ingolstadt "Schutzendorf" gesagt habe. Mittlerweile erhalte er die Gegenfrage: "Da, wo Verena Schmid herkommt"

Nur die frischgebackene Doppel-Europameisterin kann mit dem Ruhm offenbar noch nicht ganz so viel anfangen. Als die Umstehenden skandierten, sie solle eine Rede halten, fragte sie überrascht und mit großen Augen: "Iiiiich" Ließ sich dann aber doch noch zu einem Satz hinreißen: "Es ist cool, dass ihr gekommen seid."