Greding: "Unaussprechliches" im Rampenlicht
Edda Hutter gibt einen Einblick in das gesellschaftliche Leben, in Moralvorstellungen und hygienische Zustände um 1900 - Foto: Heubusch
Greding
Bettina Kempf, die Leiterin des Gredinger Archäologiemuseums erzählte, wie diese Ausstellung nach Greding gekommen ist. Als sie bei einem Gespräch mit ihrer Kollegin Juliane Schwartz von dieser Ausstellung, die vor einigen Jahren bereits in Kipfenberg zu besichtigen war, erfahren habe, sei ihr erster Gedanke gewesen: „Die muss ich haben.“ Sie setzte alle Hebel in Bewegung, um diese Ausstellung, die die Lebenswelt der Frau im 19. Jahrhundert beschreibt, zu bekommen und sei glücklich, sie nun zu haben. Die Ausstellung findet in Zusammenarbeit mit dem Römer- und Bajuwarenmuseum Kipfenberg statt und wurde von Edda Hutter von der Trachtenpflege und Trachtenforschung des Bayerischen Trachtenverbandes, Eva Kammermeier, Meisterin der ländlichen Hauswirtschaft und aktive Bäuerin auf dem Riedelshof sowie der Leiterin dieses Museums, Juliane Schwartz, konzipiert.

Die Ausstellung von Edda Hutter und Evi Kammermeier versucht, den verborgenen Lebensbereichen Sexualität, Monatshygiene, Verhütung (weniger zur Verhütung einer Schwangerschaft gedacht, sondern um Geschlechtskrankheiten wie Syphilis vorzubeugen), Schwangerschaft und Kindbett über die Leibwäsche auf die Spur zu kommen. Sie zeigt einen Querschnitt durch die Entwicklung der Leibwäsche bis in unsere Zeit und beleuchtet die „unaussprechlichen“ Aspekte des weiblichen Lebens. Ein weiterer Aspekt ist die Geschichte der „Beinbekleidung“, die von Fußlappen über Wickelgamaschen zu den erstmals in Spanien aufgetretenen Stümpfen reicht. In ihrem Vortrag beleuchtete Edda Hutter zunächst die Zeit, in der die Eltern noch mit „Sie“ oder in der dritten Person angesprochen und bestimmte Dinge nicht beim Namen genannt worden sind. Auch wäre es ein Eklat gewesen, wenn beispielsweise ein heute durchaus gebräuchlicher „String“ auf der Straße gefunden worden wäre beziehungsweise zum Trocknen auf der Leine gehangen hätten. Über das, was man „drunter“ trug – also die Unterwäsche – wurde keinesfalls gesprochen, geschweige denn, dass diese öffentlich gezeigt wurde.

Wasser sei eine rare Ware gewesen, mit dem man sparsam umgegangen sei, betonte sie weiter. Es gab weder eine Waschmaschine noch einen Geschirrspüler oder eine Wasserleitung – das Wasser musste vom Brunnen geholt werden. Die „große Wäsche“ zog sich oftmals über eine ganze Woche hin und reichte vom Einweichen der Wäsche über das Kochen und der mechanischen Behandlung mit dem Waschbrett zum „Fleien“, dem Auswaschen der Seifenreste mit klarem Wasser. So war es damals selbstverständlich, dass man nicht täglich duschte, sondern sich lediglich wusch. Ein wöchentliches Wannenbad, bei dem alle nacheinander in einer Wanne – mit dem gleichen Wasser – badeten, war normal.

Seinerzeit galt die Regel „rund ist schön“ und die Frauen – besonders in den ländlichen Gegenden – trugen bis zu sieben Röcke übereinander. Erst in der Zeit von 1850 bis etwa zum Ersten Weltkrieg brachte Veränderungen. Nach dem Ersten Weltkrieg wurden die Röcke – die bis zu diesem Zeitpunkt knöchellang waren – nach und nach immer kürzer. Wurde die Kleidung bis zu dieser Zeit ausschließlich von Hand gefertigt, so kam nach und nach die industrielle Fertigung. Auch Farbe hatte früher eine große Symbolkraft: So mussten „Damen des horizontalen Gewerbes“ einen gelben Gürtel tragen, damit sie sofort zu erkennen waren.

„Unterwäsche“ bestand für beide Geschlechter aus einem knielangen Hemd, das meist aus einem ziemlich groben, meist selbst gewebten Leinen hergestellt wurde. Erst mit der Erfindung der Nähmaschine konnten auch andere Kleidungsstücke hergestellt werden.