Greding: Rekordetat mit Fragezeichen
Ein prosperierendes Baugebiet ist das Distelfeld in Greding. Von den 29 Parzellen, die im ersten Abschnitt im vergangenen Herbst erschlossen worden sind, ist derzeit nur noch eine frei. Durch Grundstücksverkäufe erwartet die Stadt heuer über 2,1 Millionen Euro. - Foto: Luff
Greding

Der frühe Zeitpunkt hat einen guten Grund, wie Bürgermeister Manfred Preischl (FW) erklärt: "Je früher wir den Haushalt haben, desto früher können wir ausschreiben." Und damit noch einigermaßen günstige Baupreise erzielen, so seine Hoffnung. Ganz nebenbei: "Umso wohler fühle ich mich auch." Günstige Ausschreibungsergebnisse zu einem Zeitpunkt, zu dem andere Kommunen noch keine Aufträge vergeben, sind für die Stadt heuer wichtiger denn je, denn Greding hat im laufenden Jahr so viel vor wie noch nie und wahrscheinlich auch längere Zeit nicht mehr. "Wir sind an der Obergrenze", sagt Preischl über den Vermögenshaushalt, der deutlich mehr als neun Millionen Euro umfasst. Doch ob diese Summe tatsächlich "gehalten werden kann, müssen wir erst einmal schauen", bremst er gleichzeitig.

Denn der Stadtrat musste gestern auch über den Stellenplan der Kommune entscheiden - und Preischl forderte vom Gremium, das Bauamt um eine Vollzeitstelle personell zu verstärken. Der bisherige Stellenplan werde dadurch lediglich um eine halbe Stelle erhöht, argumentiert er. Außerdem: Selbst wenn angesichts des "enormen Aufgabenblocks" Arbeiten an Externe verlagert würden, müssten diese von städtischem Personal begleitet werden. Folgt der Rat dem Ansinnen Preischls nicht, "müssen wir im Vermögenshaushalt Abstriche machen - auch in den nächsten Jahren".

Selbst wenn die vorgesehenen Projekte allesamt umgesetzt werden, ist keine neue Darlehensaufnahme vorgesehen. Das hatte Preischl zwar schon vor einem Jahr so angekündigt, war damals aber noch von einer Investitionssumme von leicht über fünf Millionen Euro ausgegangen, die die mittelfristige Finanzplanung aufgeführt hatte.

Nennenswerten Widerstand gegen den Etatentwurf hat der Bürgermeister im Vorfeld der Stadtratssitzung nicht erwartet, umso mehr, weil heuer erstmals neben den üblichen Lesungen im Vorfeld auch zwei Ausschüsse sich mit dem Thema befasst hatten: Der Bau- und Umweltausschuss sowie der Ausschuss für Kultur und Fremdenverkehr hatten Vorberatungen angestellt. Für dieses Jahr; im März begibt sich der Stadtrat wieder in Klausur, dann wird an der Zukunft Gredings gebastelt.

Eine neue Krippe gibt es in dieser Zukunft schon, denn die soll bis spätestens Ende des Jahres auf dem Gelände des Kindergartens St. Martin stehen. Mit 1,2 Millionen Euro, die allein heuer in den Etat eingestellt sind - 2018 kommen noch einmal 600 000 Euro hinzu - macht sie einen großen Einzelposten aus. Gut 700 000 Euro verschlingt auch die bessere Breitbandversorgung, für die Arbeiten an der Achmühle sind 750 000 Euro vorgesehen.

Derlei Großprojekte machen deutlich, warum die Zuweisungen und Zuschüsse in diesem Jahr mit fast 3,7 Millionen Euro so außergewöhnlich großzügig ausfallen. "Wo wir tätig werden, sind enorme Zuschüsse dabei", erklärt der Bürgermeister. Für die Kinderkrippe zahlt die Regierung von Mittelfranken einen Zuschuss, der Breitbandausbau, den der Freistaat großzügig fördert, ist größtenteils abgeschlossen, die Rechnungen für die Arbeiten fallen jedoch im Haushaltsjahr 2017 an. Ähnlich ist es bei verschiedenen Projekten im Abwasserbereich auf dem sogenannten kleinen Berg. Die Förderung greift hier erst nach den Arbeiten, das Geld etwa für die Druckleitung nach Greding kommt also heuer in die Kasse.

Ein dickes Plus erwartet die Kommune auch durch das Baugebiet Distelfeld, bei dem im ersten Zug 29 Parzellen erschlossen worden sind. Wer dachte, der Verkauf der Bauplätze werde ein zähes Unterfangen, muss sich revidieren: Für eine einzige Parzelle wird noch ein Interessent gesucht, alle übrigen sind bereits verkauft oder reserviert. Die Stadt erwartet durch den Verkauf von Grundstücken mehr als 2,1 Millionen Euro. "Nicht nur vom Distelfeld", erklärt Preischl, "aber hauptsächlich." Diese Einnahmen sind übrigens die reinen Grundstückskosten für den Stadtsäckel, die Erschließungskosten des Distelfelds werden separat an die Bayerngrund abgeführt; der öffentlich-rechtliche Dienstleister hatte die Erschließung übernommen, so dass diese auch bislang im Haushalt der Stadt nicht aufgetaucht war. Wie schnell der nächste Abschnitt des Baugebiets erschlossen werden soll, darüber berät der Stadtrat in seiner März-Klausur, so Preischl.

Wer in Greding baut, ist mit einiger Wahrscheinlichkeit im benachbarten Landkreis Eichstätt oder gar in Ingolstadt beschäftigt. "Wir partizipieren von der Vollbeschäftigung im nördlichen Oberbayern", sagt der Bürgermeister. Mit positiven Folgen für die Stadtkasse: Der Einkommenssteueranteil von über 3,7 Millionen Euro nimmt den mit großem Abstand dickstens Einnahmeposten im Verwaltungshaushalt ein. Doch auch die heimische Wirtschaft brummt, die Gewerbesteuer liegt mit fast zwei Millionen auf dem zweiten Platz.

Die Kehrseite der Medaille: Die Umlagekraft Gredings ist gestiegen, weshalb die Kreisumlage trotz gleichgebliebenen Satzes erstmals die Drei-Millionen-Euro-Grenze überspringt: 3,03 Millionen Euro überweist Greding an den Landkreis Roth. Davon kommt auch etwas zurück. Wie Preischl erfreut verrät, seien Radwege nach Kaising und nach Röckenhofen/Herrnsberg vorgesehen, die Planung erfolge voraussichtlich heuer. Die Stadt selbst will 2017 im Verbund mit der Marktgemeinde Thalmässing einen Radweg von Untermässing nach Großhöbing bauen.

Ein weiterer großer Posten auf der Ausgabenseite im Verwaltungshaushalt sind die sogenannten Zuweisungen und Zuschüsse für laufende Zwecke - fast 1,4 Millionen. Dahinter verbirgt sich vor allem die Finanzierung des Kindergartenbetriebs, die von 890 000 auf 1,1 Millionen Euro steigt. "Wir haben jetzt eine Gruppe mehr", erläutert Preischl, die ist übergangsweise in den Containern bei St. Martin untergebracht.

Im Vermögenshaushalt, in dem das Geld für die Investitionen erwirtschaftet wird, ist an den größten Einnahmeposten abzusehen, woher das Pfund kommt, mit dem die Stadt heuer wuchern kann: Zuweisungen und Zuschüsse von fast 3,7 Millionen Euro, Grundstücksverkäufe in Höhe von über 2,1 Millionen, Beiträge - etwa für die Abwasserentsorgung, in die man investiert hat - von fast 1,9 Millionen Euro und nicht zuletzt die Entnahme aus der Rücklage von mehr als einer Million sind dort aufgeführt. Die hätte bis Ende 2016 eigentlich auf 380 000 Euro abgeschmolzen sein sollen, tatsächlich startete man aber mit rund zwei Millionen Euro ins neue Jahr.

Mit dem Geld gibt es einiges zu tun, der Krippenbau ist zwar das augenfälligste Projekt, aber beileibe nicht das einzige: In der Schule und den benachbarten Turnhallen stehen Sanierungen in Höhe von 400 000 Euro an, die abgerutschte Straße zum Hofberg in Obermässing muss gerichtet werden, die Arbeiten in Kleinnottersdorf und der Achmühle schreiten fort. Und der Marktplatz wartet auf seine Umgestaltung.