"Die Landwirtschaft sieht heute anders aus als vor vielen Jahren", sagte der stellvertretende Bürgermeister Oswald Brigl, der anstelle von Manfred Preischl die Sitzung am Donnerstag leitete. Diese Veränderungen lassen sich an den Ställen ablesen: Auf 1200 Quadratmetern Nutzfläche soll ein Stall für zwei Herden entstehen. Dieser teilt sich laut Stadtbaumeister Johann Schmauser in zwei Bereiche auf: Bis zum 28. Lebenstag sind die Hähnchen im Warmstall untergebracht, dann wechseln sie in den Wintergarten, von dem aus sie auch nach draußen gelangen können. Denn das Fleisch der Hähnchen soll das Bio-Siegel tragen und darum müssen ihnen im Außenbereich - berechnet nach der Zahl der Tiere - 3,8 Hektar zur Verfügung stehen.

Der Stall befindet sich dabei in unmittelbarer Nähe zu den Dörfern: Der Ortsrand von Kleinnottersdorf ist 270 Meter entfernt, der von Österberg 380 Meter. Eine Nachbarschaft, die bei Anwohnern für Bedenken sorgt, wie Maria Deinhard (FW) betonte, die vorausschickte, dass man Landwirte im Vollerwerb habe und sie die Belange des Bauernstandes im Blick habe. Sie verstehe aber auch die Bürger. "Es verunsichert die Leute sehr, sie haben Befürchtungen wegen Geruchsbelästigung und Feinstaub und wollen wissen, was auf sie zukommt." Sie sei der Auffassung, mehr Informationen vom Bauwerber hätten Bedenken schon früher entkräften können. Der Standort zwischen zwei Orten sei nicht ideal, der Landwirt habe zwar eine Alternative gehabt, "dort hätte er aber einen Haufen Geld für Erschließungskosten zahlen müssen". Zur Geruchsbelästigung konnte der Bauwerber, der unter den Zuhörern war, eine neue Information liefern: Er habe aus immissionsrechtlichen Gründen vor, eine Kotlagerhalle zu bauen. Dann müsse der Mist auch durch keinen der Orte transportiert werden. Weitere Vorbehalte habe es auch wegen der Geflügelgrippe gegeben, berichtete Deinhard, die aber letztlich ein Fazit zog: "Jeder möchte Fleisch essen und das gerne bio." Letzteres sah Thomas Schmidt (CSU) ähnlich. "Es gibt eine Nachfrage nach Bioqualität." Wenn man selbst zu wenig Betriebe habe, müsse man aus dem Ausland importieren. Der Stall sei für ihn ein "Vorzeigeprojekt", dem Tierwohl sei Rechnung getragen und darum hätte auch er sich gewünscht, dass der Bauer im Vorfeld "die Chance genutzt hätte, darüber zu informieren". Roland Pohl (CSU) erzählte aus eigener Erfahrung, "dass sich in den letzten 30 Jahren viel gebessert hat, was die Geruchsbelästigung angeht. "Früher hat es in den Ortschaften eine Woche lang nach Mist gestunken." Es sei schon ein "imposantes Gebäude" meinte Michael Beringer (CSU), er sehe keine Eingrünung im Plan und fragte, ob man das Landratsamt darauf hinweisen könne.

Denn diese Behörde, so machte Brigl deutlich, treffe die Entscheidung über den Bau des Hähnchenmaststalles, nicht die Stadt. Grund ist, dass hier ein privilegiertes Bauvorhaben vorliegt, es darf also auf Flächen, die außerhalb der Dörfer liegen und für die kein Bebauungsplan besteht, gebaut werden. Die Zufahrt zum neuen Stall soll über die Kreisstraße erfolgen. Dadurch sei Lkw-Verkehr durch die Dörfer schon mal kein Problem, betonte Brigl. Kopfzerbrechen bereite aber etwas ganz anderes: die Wasserversorgung. Der kürzeste Weg hätte direkt vom Stall Richtung Kleinnottersdorf geführt, erläuterte der Landwirt, dafür hätte er aber Grund erwerben müssen und diesen habe ihm die Eigentümerin nicht überlassen wollen. Für eine Trasse zur Kreuzbergstraße "liegen zu viele Leitungen im Boden", sagte Schmauser. Ein Anschluss an Österberg, so der Stadtbaumeister, hätte einen größeren Asphaltaufbruch bedeutet, darum sei die Leitung Richtung Kreisstraße bis zum Ortseingang von Kleinnottersdorf nun die bevorzugte Variante. Das hatte laut Brigl im Hauptausschuss am Montag für heftige Diskussionen gesorgt, schließlich sei die Straße erst vor Kurzem saniert worden. Es sei aber wahrscheinlich, dass man die Straße "wenn dann nur partiell" aufreißen müsse. Das tue schon weh, sagte Harald Gerngroß (SPD), "wenn wir das ein Vierteljahr eher gewusst hätten".

Auch in Kaising soll ein Stall entstehen - in diesem Fall für Schafe. In dieser "Bergehalle" sollten in drei Monaten im Jahr 50 Schafe und ein Bock gehalten werden, erläuterte Schmauser. Der Besitzer wolle den bestehenden Schweinestall abreißen und dafür "ein Gebäude errichten, das zwar vom Grundriss her größer, dafür niedriger als der vorherige Stall ist". Das Landratsamt werde prüfen, ob der Abstand von 20 Metern zum Nachbarn, der in Wohngebieten vorgeschrieben ist, eingehalten werde. Einstimmig stimmten die Mitglieder des Rates dem Bau der Halle zu.