Alte Zöpfe abschneiden will die SPD mit ihren beiden Kandidaten, dem Friseurmeister Marcel Schneider (Landtag) und dem jungen Kreisvorsitzenden Sven Ehrhardt (Bezirkstag) gehen (von links).
Alte Zöpfe abschneiden will die SPD mit ihren beiden Kandidaten, dem Friseurmeister Marcel Schneider (Landtag) und dem jungen Kreisvorsitzenden Sven Ehrhardt (Bezirkstag) gehen (von links). Landrat Herbert Eckstein findet es ein spannendes Projekt.
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Neu ist Marcel Schneider, der Rednitzhembacher ist der designierte Landtagskandidat. Kreisvorsitzender Sven Ehrhardt, der vor fünf Jahren noch für den Landtag kandidierte, will es nun als Bezirkstagskandidat wissen.

 

 

"Bildung ist nicht nur Abitur und Studium, sondern auch dieduale Ausbildung."

Marcel Schneider

 

 

Marcel Schneider ist durch und durch ungewöhnlich - vor allem für einen SPD-Mann. Einen intensiven Stallgeruch sucht man bei ihm vergebens, er ist erst seit zwei Jahren an Bord der Sozialdemokraten. Obwohl er, wie er erzählt, aus einem sozialdemokratischen Elternhaus komme. Die Parteipolitik hat er über lange Jahre links liegen lassen, vielmehr hat er sich direkt engagiert: für die Innung, als Gewerbetreibender und nicht zuletzt als Initiator von mittlerweile 46 Charityveranstaltungen. Fast 400 000 Euro hat er dabei für gute Zwecke gesammelt. Als das Politische auf ihn zukam, hat er es aber angenommen. "Gleichwohl ich mir nicht bewusst war, welche Dimensionen das annimmt", sagt Schneider. Und was es heißt, in einer Partei mit all ihren Gepflogenheiten zu sein. "Man lernt auch Demut."

Ungewöhnlich für eine Partei im Ländlichen ist sicher auch, einen Spitzenkandidaten zu haben, der seit 30 Jahren ein bekennender Homosexueller ist und seit 25 Jahren mit seinem Partner zusammenlebt. Im Übrigen so lange lebt der gebürtige Neustädter auch in Rednitzhembach. Obwohl immer gut gelaunt, hat Schneider nicht vergessen, dass ihm dieses offene Bekenntnis zur Homosexualität auch Beschimpfungen, Erniedrigungen und sogar Morddrohungen eingebracht hat. Kein Wunder also, dass neben vielem anderen auch quere Themen auf seiner Agenda stehen.

Und noch etwas ist ungewöhnlich: Schneider ist weder Jurist, noch Lehrer, noch Beamter wie fast alle Abgeordneten, sondern seit 20 Jahren Handwerksmeister. Ein Grund, warum er kandidiert. "Der Landtag sollte die Bevölkerung abbilden, ein Querschnitt sein", sagt Schneider. Er wolle, dass dieses Stück Bürgertum, die Handwerker, eine starke Stimme in München bekämen, aber auch die SPD im Landkreis. "Ich will frischen Wind ins Abgeordnetenhaus bringen."

Seine Themen sind stark an der Basis, wie er selbst, wenn ihm seine Kunden beim Haareschneiden ihre Sorgen und Nöte erzählen. Faire Bezahlung ist da zu nennen. Der aktuelle Mindestlohn sei nicht das Endziel, sagt Schneider, "aber ein starkes Signal". Die Rente sei etwas "Elementares". Sein Rezept gegen die Altersarmut ist eine Solidarrente, die 20 Prozent über der Grundsicherung liegt. Angehen will er gegen die Mischung aus Minijobs und Leiharbeit, "da beißt sich doch der Hund in den Schwanz". Generell gegen Leiharbeit ist er nicht. Aber diese müsse begrenzt werden, wie solle sich sonst jemand eine Existenz aufbauen können. Auch ärgert ihn der Umgang mit den Pflegeberufen, deren geringe Wertschätzung, dabei "sind das doch Säulen unserer Gesellschaft". Und da sind natürlich auch noch Handwerk und Mittelstand: "Bildung ist nicht nur Abitur und Studium, sondern auch die duale Ausbildung." Das müsse gesellschaftlich anerkannt werden. "Ich bin kein Weltverbesserer, kann aber in kleinen Dingen Großes bewirken."

"Mit Politik als Hobby bin ichrecht zufrieden."

Sven Ehrhardt

 

Der Politik tue es gut, dass hier etwas anders angegangen werde, sagt Landrat Herbert Eckstein. "Für mich ist das ein spannendes Projekt, dieser Grenzgänger zwischen Stadt und Land. Ich hoffe, dass du dich nicht verbiegen lässt, und auch dahin gehst, wo nicht der rote Teppich ausgelegt wird."

Im Vorfeld der Kandidaturen war es für viele überraschend, dass Sven Ehrhardt, der sich vor fünf Jahren durchaus achtbar geschlagen hatte, nicht mehr für den Landtag antritt. "Es lag nicht an der Unterstützung, die war wirklich toll, auch nicht am Ergebnis, es war eine private Entscheidung", sagt Ehrhardt. Er sei jetzt kein Student mehr, habe einen Beruf, den er gerne mache, habe geheiratet und sitze in Stadtrat und Kreistag. "Mit Politik als Hobby bin ich recht zufrieden, ich habe keinen Drang, Berufspolitiker zu werden."

Zu Stadtrat und Kreistag soll aber trotzdem ein weiteres Gremium kommen: der Bezirkstag. Warum? "Das ist eine sehr wichtige Ebene", sagt Ehrhardt. 884 Millionen Euro umfasse der aktuelle Haushalt, davon 85 Prozent für den sozialen Bereich. Ein Bereich, in dem er sich dank seiner Arbeit bei der Arbeiterwohlfahrt AWO gut auskennt und "wo ich meine berufliche Kompetenz einbringen kann".

Mit einem achtbaren Ergebnis will sich Ehrhardt dieses Mal aber nicht zufriedengeben. "Wir wollen den maximalen Erfolg", sagt der sieggewohnte Sportler. Und das bedeutet "zwei Mandate für die SPD und den Landkreis Roth gewinnen."