Training auch in den Sommerferien: Die Tischtennisabteilung des TV Hilpoltstein investiert mehr denn je in ihren Nachwuchs.
Training auch in den Sommerferien: Die Tischtennisabteilung des TV Hilpoltstein investiert mehr denn je in ihren Nachwuchs.
Tschapka
Hilpoltstein
Das große Ziel des neuen Nachwuchskonzeptes ist es, wieder ein einheimisches Talent in die erste Herrenmannschaft zu bringen – vielleicht auch zwei oder drei.

 

 

„Langfristig ist unser Tischtenniskonzept in Hilpoltstein nur mit Sportlern aus der Region tragfähig.“

Uli Eckert

 

Die größten Erfolge in der Geschichte der Hilpoltsteiner Tischtennisabteilung sind bisher immer eng mit den eigenen Talenten verbunden gewesen. In den 1980er-Jahren, als der TV fast nonstop aus der Kreisliga bis in die Regionalliga durchmarschierte, waren es Rainer Schreiter und die Frisch-Brüder Rainer und Stefan, mit denen der große Hilpoltsteiner Tischtennis-Boom begann. Gut ein Jahrzehnt später rollte dann die zweite Erfolgswelle los, als Ausnahmetalent Felix Bindhammer bereits mit 14 Jahren ins erste Herrenteam aufrückte.

Um den früheren deutschen Schülermeister und Jugendnationalspieler im eigenen Verein halten zu können, stellte der TV damals ein neues Spitzenteam zusammen. Mit dem Tschechen Michal Bittner, den der Verein zur Jahrtausendwende als ersten ausländischen Spieler in der Vereinsgeschichte verpflichtete, gelang 2001 der Wiederaufstieg aus der Oberliga in die Regionalliga. Nur drei Jahre später folgte der Sprung in die 2. Bundesliga.

Auf diesem hohen Niveau haben sich die Hilpoltsteiner zwar seitdem gehalten. Allerdings fehlt seit der vergangenen Saison ein Einheimischer im Erfolgsteam. Felix Bindhammer verließ seinen Heimatverein wohl oder übel in Richtung Unterfranken, weil er in Mittelfranken keine Lehrerstelle bekam. Langfristig schließen soll die Lokalmatadoren-Lücke im Hilpoltsteiner Tischtennisteam der 14-jährige Hannes Hörmann. Der Gymnasiast aus Röttenbach gilt ebenso als Ausnahmetalent wie einst Bindhammer. Um Hannes Hörmann allerdings die bestmögliche Förderung in der Heimat zu ermöglichen, geht die Hilpoltsteiner Tischtennisabteilung mit ihrem neuen Nachwuchskonzept weit über das hinaus, was bisher in Sachen Jugendarbeit beim TV passierte.

Seit die Familie Hörmann in diesem Frühjahr den Entschluss fasste, dass die sportliche Zukunft ihres Sohnes Hannes vor allem beim TV Hilpoltstein liegen soll, weil es im Düsseldorfer Tischtennisinternat keine umfassende Betreuung der Jugendlichen gibt und Hörmann keinen passenden Schulplatz am bayerischen Bundesstützpunkt in München bekam, arbeiteten Jugendkoordinator Uli Eckert und Abteilungsleiter Robert Nachtrab intensiv daran, ein vereinseigenes Leistungszentrum auf die Beine zu stellen. Mit den beiden Trainern Szilard Csölle, ein Exprofi aus der Slowakei, und Ex-Nationalspieler Cornel Borsos vom Bayerischen Tischtennisverband (BTTV), steht Hörmann an jedem Tag der Woche zum Üben an der Platte. Die verbleibenden Kosten dafür in Höhe von rund 1000 Euro pro Monat – den Rest zahlt der BTTV – teilen sich die Tischtennisabteilung des TV und die Familie Hörmann. Am Wochenende stehen dann die Verbandsturniere und die Punktspiele auf dem Programm.

Aber nicht nur an Hannes Hörmann ist bei dem neuen Nachwuchskonzept gedacht, sondern auch an die weiteren großen Talente, die der TV Hilpoltstein in seinen Reihen hat: Dem 15-jährigen Sebastian Hegenberger aus dem Landkreis Eichstätt trauen es die Hilpoltsteiner ebenfalls zu, eines Tages in der Bundesliga aufzuschlagen. Neu beim TV ist der 16-jährige Johannes Stumpf aus Schwabach, der in der neuen Saison gemeinsam mit Hörmann und Hegenberger dem Hilpoltsteiner Aufsteigerteam in der Herren-Oberliga angehören wird. Und damit nicht genug: Der erst zwölfjährige Matthias Danzer aus Schwabach ist bereits für das dritte Hilpoltsteiner Herrenteam in der 3. Bezirksliga eingeplant. Sogar noch jünger sind die Hilpoltsteiner Brüder Simon und Jakob Weber, die als die nächsten Toptalente schon in den Startlöchern stehen.

Mit dieser langen Reihe von Hoffnungsträgern gibt Jugendkoordinator Uli Eckert hohe Ziele aus: „Mit unseren Jungen wollen wir nicht nur zum dritten Mal in Serie bayerischer Mannschaftsmeister und Pokalsieger werden.“ Sondern es sollen möglichst viele Talente den Sprung in die ersten beiden Herrenteams des TV Hilpoltstein schaffen, sagt Eckert, der sich von den einheimischen Spitzenspielern auch mehr Zuschauer bei den Punktspielen und mehr finanzielle Unterstützung von Sponsoren verspricht. „Langfristig ist unser Tischtenniskonzept in Hilpoltstein nur mit Sportlern aus der Region tragfähig.“

Langfristiges Denken ist in der Tischtennisabteilung des TV Hilpoltstein auch geboten. Denn die aktuellen Spieler der ersten Herrenmannschaft werden dem Verein wohl nicht mehr viele Jahre zur Verfügung stehen. Alexander Flemming, Nico Christ, Dennis Dickhardt und Petr David sind allesamt schon über 30 und werden – abgesehen von Tischtennisprofi David – den Leistungssport früher oder später nicht mehr an die erste Stelle in ihrem Leben stellen. So ist Christ nach seiner Doktorarbeit inzwischen voll im Berufsleben angekommen, Flemming hat soeben sein Studium erfolgreich abgeschlossen, und der Pilot Dickhardt wird nicht ewig in Teilzeit arbeiten, nur um seine Tischtennisform hoch zu halten.

„Aber was kommt danach?“, stellt Eckert die zentrale Frage, die er mit dem neuen Jugendkonzept möglichst erfolgreich beantworten will. Statt ausschließlich fremde Spieler für die Bundesligamannschaft zu verpflichten, setzt er darauf, dass es eines Tages möglichst viele der eigenen Talente schaffen, in die Fußstapfen von Flemming und Co. zu treten. Dafür braucht die Hilpoltsteiner Tischtennisabteilung aber zusätzliche, hochklassige Trainer. Viel lernen könnten die TV-Talente zwar auch von den aktuellen Zweitligaspielern. Allerdings wohnen die Vier allesamt nicht in der Region, sondern kommen nur zu den Punktspielen in die Stadt. Deshalb sind Hannes Hörmann und Sebastian Hegenberger bislang oft die Besten im Training – keine gute Situation für die Entwicklung von Nachwuchsspielern. Neu im Trainerteam ist deshalb der frühere polnische Juniorenmeister Tomasz Kabacinski, den der TV Hilpoltstein auch als neuen Spitzenspieler für den Oberligakader verpflichtet hat. Alle talentierten Nachwuchsspieler des TV können nun bis zu fünf Mal pro Woche unter professioneller Anleitung trainieren.

Mit diesem Angebot kann der TV seine Ausnahmetalente in Hilpoltstein halten, obwohl sie derzeit schon Geld dafür bekommen würden, bei anderen Vereinen zu spielen, wie Eckert sagt. Außerdem lockt die Perspektive, sich für die Hilpoltsteiner Zweitligamannschaft zu empfehlen. Dass es sich auf diese Weise auszahlen kann, ein eigenes Leistungszentrum aufzuziehen, hat in den vergangenen Jahren der TSV Bad Königshofen gezeigt, der mit seinem Ausnahmetalent Kilian Ort jetzt sogar in die erste Tischtennis-Bundesliga aufgestiegen ist. „Und wieso sollte eines Tages nicht auch der TV Hilpoltstein in der ersten Liga spielen können?“, sagt Eckert. Für den Jugendkoordinator des TV Hilpoltstein wäre es auch kein Beinbruch, wenn es am Ende der Ära von Flemmung und Co. mal zum Abstieg aus der 2. Bundesliga für Hörmann und Co. kommen sollte. „Aber man kann ja auch mal einen Schritt zurück gehen – um dann wieder zwei Schritte nach vorne zu machen.“