Überglücklich sind Daniel Horndasch, seine Familie und seine Anhänger, als klar ist, dass er die Bürgermeisterwahl für sich entschieden hat.
Meyer
Allersberg

Als das Ergebnis kurz vor halb sieben am Abend feststeht, hüpft Susanne Horndasch vor Freude. Ihr Mann Daniel hat die Bürgermeisterwahl in Allersberg gewonnen und darf die Nachfolge von Bernhard Böckeler antreten. Der Jubel auf der Terrasse von Horndaschs Gastwirtschaft am Hinteren Markt ist groß, seine Anhänger reißen die Arme hoch und applaudieren. Ein paar wischen sich Freudentränen aus den Augen. Horndasch muss immer wieder Hände schütteln, ein erleichtertes Lachen geht über sein Gesicht. Aber noch glücklicher ist Ehefrau Susanne: „Ich freu’ mich total, dass Allersberg meinen Mann gewählt hat, ich bin überglücklich, begeistert. Das dürfen Sie alles schreiben!“, ruft sie.

Als parteiloser Kandidat hat Daniel Horndasch auf die Unterstützung von Freien Wählern und dem Allersberger Bürgerforum gebaut. Einige von ihnen sind gekommen, um mit dem Wahlsieger zu feiern. „Ich freue mich wahnsinnig“, sagt ein strahlender Ulrich Karl, der viele Jahre für die Freien Wähler im Marktrat gesessen hat. „Daniel Horndasch hat alles, was ein Bürgermeister braucht, eine überzeugende menschliche Art und viel Fachwissen.“ ABF-Markträtin Gabriele Sossau drückt Horndasch einen überdimensionalen Blumenstrauß in die Hand. „Das ist genial, ich kann noch gar keinen klaren Gedanken fassen.“ Und ein Freund gibt Horndasch mit auf den Weg: „Bleib’ wie du bist, lass dich nicht verdrehen.“

Der Steuerfahnder muss heute seinen Arbeitgeber darüber informieren, dass er bereits zum 7. August den Job wechseln wird. Angesichts der aktuellen Probleme sieht Horndasch seiner Amtszeit nun mit Zuversicht, aber auch „mit gemischten Gefühlen“ entgegen. Denn es gebe einige schwierige Dinge anzupacken. Ganz oben auf der Prioritätenliste stehe das Freibad, das bekanntlich kurz vor der Schließung steht. „Ich werde mein Möglichstes tun, um das Vertrauen der Wähler zu erfüllen“, verspricht Horndasch unter dem Beifall von vielen Allersbergern, die ihn gegen 19 Uhr am Gilardihaus mit Applaus empfangen. „Aber alleine ist man gar nichts, das geht nur gemeinsam“, sagt er.

Sein Abschneiden mit 58,2 Prozent empfindet der Wahlsieger als großen Vertrauensbeweis: „Dieses relativ eindeutige Ergebnis gibt mir den entsprechenden Rückhalt.“ Bis auf den Stimmbezirk 8 hat Horndasch überall die 50-Prozent-Marke geknackt und im Stimmbezirk 9 (Ebenried, Heblesricht, Realsmühle, Reckenstetten, Stockach und Uttenhofen) sogar über 71 Prozent abgeräumt.

Sein Vorgänger Bernhard Böckeler von der CSU jedenfalls sichert ihm seine volle Unterstützung zu. „Ich bin keiner, der Ratschläge erteilt“, sagt Böckeler, „aber ich stehe für Informationen zur Verfügung.“ Horndasch muss nun noch ein Wahlversprechen einlösen und vom Zehn-Meter-Turm des Freibads springen: „Das mache ich aber ohne Pressebegleitung“, kündigt er an.

Bürgermeister Bernhard Böckeler (l.) schüttelt einem geknickten Christian Albrecht, der seine Nachfolge antreten wollte, die Hand.
Kofer
Allersberg

Christian Albrecht steht noch lange vor dem Eingang zum Gilardihaus und plaudert am Straßenrand mit Bekannten, Familie und Unterstützern. Oben auf der Treppe stimmt Noch-Bürgermeister Bernhard Böckeler mit Daniel Horndasch schon den ersten Termin für die Amtsübergabe ab. „Es ist kein Desaster“, sagt Albrecht. Er würde sein Wahlergebnis auch lieber statt mit 41,8 Prozent in Stimmen ausdrücken. „1600 Allersberger wollten mich als Bürgermeister haben“, sagt der 30-jährige CSU-Kandidat aus Heideck. Aber fast 2300 haben sich eben für den parteilosen Horndasch entschieden, in der CSU-Hochburg Allersberg.

Kurz zuvor im vollen Gilardihaus sind Albrecht und die CSU noch zuversichtlicher. „Ich habe ein gutes Gefühl“, sagt Marktgemeinderat Siegfried Mücke. „Jetzt zählt’s“, sagt ein aufgekratzter Kandidat. Er habe noch „Präsenz gezeigt“, bei der Fahrzeugeinweihung der Feuerwehr zum Beispiel oder auf der Ebenrieder Kärwa. Von der Anzeigenkampagne in der Zeitung habe er nichts gewusst. „Wahrscheinlich haben das meine Unterstützer organisiert“, sagt Albrecht. Prominente CSU-Persönlichkeiten wie Siegfried Mücke haben sich da für den jungen Kandidaten ausgesprochen. Jetzt schaut Mücke mürrisch auf die Leinwand. Denn genutzt hat alles offensichtlich wenig. Im Stimmbezirk 9, in dem auch Ebenried liegt, fährt Albrecht mit 28,91 Prozent sein schlechtestes Ergebnis ein. Es ist der letzte von 10 Stimmbezirken, dessen Ergebnis auf die Leinwand projiziert wird. Dann steht es fest: Albrecht hat verloren.

Nach einer Schrecksekunde der Stille brandet trotzdem Applaus im Gilardihaus auf. Albrecht sucht das Gute am Ergebnis. „41,8 Prozent als auswärtiger Underdog sind ganz interessant“, sagt er. „Die Wahlbeteiligung von 61, 5 Prozent ist ein Zeichen dafür, dass die Leute scheinbar kein Interesse an der Kommunalwahl haben.“

Dann verfällt er in Politsprech. Er danke der Familie, den Freunden und allen Unterstützerinnen und Unterstützern „und natürlich den 1600 Wählerinnen und Wählern“. Inzwischen ist Bürgermeister Bernhard Böckeler (CSU) mit einem Blumenstrauß im Gilardihaus erschienen. Er gratuliert Albrecht, nimmt den Blumenstrauß aber wieder mit. „Den bekommt der Wahlsieger“, sagt Böckeler.