Die Köchin

Melanie Gienger-Schütz hat eine Ausbildung im Hotel Bauer-Keller bekonnen. Die 18-jährige, die Köchin wird, zählt mit ihrem Berufswunsch mittlerweile zu den Exoten.
Volker Luff
Roth

Melanie Gienger-Schütz (18) aus Untermässing

Auf nahezu allen TV-Kanälen wird geschnippelt und gebraten: Kochshows haben Konjunktur. Nur in den Küchen von Hotels und Restaurants gibt es immer weniger Köche, der Beruf steht bei jungen Menschen nicht gerade hoch im Kurs. Die Arbeit ist hart, die Arbeitszeiten nicht besonders attraktiv. Melanie Gienger-Schütz ficht das alles nicht an: „Ich habe hier immer Spaß“, sagt die 18-Jährige, die Mitte August im Gredinger Hotel Bauer-Keller ihre Ausbildung zur Köchin begonnen hat. Und sie schiebt mit einem Lachen hinterher: „Egal wie stressig es ist.“ Die Abbrecherquote ist im Hotel- und Gaststättengewerbe außergewöhnlich hoch, doch Melanie ist ihre Ausbildung alles andere als blauäugig angegangen. Ihre Oma hatte in Neuburg, wo die jetzige Untermässingerin geboren ist, eine Gaststätte. Schon als Mittelschülerin, die später ihre Mittlere Reife nachgeholt hat, jobbte sie nebenbei als Bedienung. Hotelfachfrau habe sie eigentlich lernen wollen, erzählt sie. Doch diese Ausbildungsstelle war in ihrem Wunschbetrieb schon vergeben, Michael Bauer bot ihr die Alternative an. Nach dreitägigem Probearbeiten und drei Monaten als geringfügig Beschäftigte sagte Melanie ihm zu. Worüber sich niemand mehr freut als der Chef selbst: „Wer macht denn den Job noch?“, fragt Michael Bauer rhetorisch. Dienstleistungen seien der Gesellschaft nicht viel Wert, angesichts der Arbeitszeiten müssten Beschäftigte in der Gastronomie besser entlohnt werden. Doch beim Bezahlen mit der Kreditkarte falle heute sogar das Trinkgeld unter den Tisch. „Man verdient nicht schlecht“, findet dagegen Melanie. Die Arbeitszeiten kämen ihr entgegen: spät anfangen, spät aufhören. „Ich bin ein Mensch, der gerne schläft“, sagt sie. Dass der Beruf selten erlernt wird, kann sie nicht verstehen, wohl aber, dass Frauen extrem in der Minderheit sind. Eine Fleischwanne herumzuwuchten, ist nichts für eine zarte Statur: „Ich habe acht Jahre Kampfsport gemacht“, erzählt Melanie. „Aber selbst ich komme an Grenzen.“

Der Metzger 

Stefan Fersch in Aktion
Sophie Schmidt
Roth

Stefan Fersch (15) aus Kleinnottersdorf

Lebensmittel produzieren und dann auch essen – das ist seine Welt: Deshalb beginnt Stefan Fersch, 15, aus Kleinnottersdorf dieser Tage seine Ausbildung zum Metzgergesellen bei der Metzgerei Eberle in Thalmässing. Schon im letzten Jahr hat der Junge in verschiedenen Praktika in die Arbeitswelt hineingeschnuppert. Jeweils eine Woche half er bei der Metzgerei Eberle, einer anderen Metzgerei und einer Modellbaufirma aus. Nach seinem Quali-Abschluss von der Gredinger Hauptschule schrieb er deshalb eine Bewerbung an den Chef des Betriebs, Metzgermeister Christian Eberle. Ohne Vorstellungsgespräch stellte der Stefan ein – schließlich kannte Eberle den jungen Mann schon und wusste, dass er einiges an Vorerfahrung mitbringt. Denn die Begeisterung von Fersch für das Metzgerhandwerk kommt nicht von irgendwo: Zu Hause in Kleinnottersdorf betreiben seine Eltern eine Gaststätte und schlachten selbst. Dabei hat er von klein auf mitgeholfen und weiß, welche Aufgaben auf ihn warten. Bei seinem Praktikum bei Christian Eberle konnte er deshalb mit viel Können glänzen. „Ich habe in der Woche beim Zerlegen des Fleisches geholfen, viel sauber gemacht, verwurstet und Dosen etikettiert. Das hat mir gut gefallen“, sagt Stefan. Und dabei hat der Junge keine Berührungsängste gezeigt, bestätigt auch der Chef: „Stefan hat sich gut gemacht und sich super integriert.

Und was die Vorkenntnisse angeht: Idealer geht es nicht.“ Dabei sei es nicht leicht, in dieser Sparte noch einen Azubi zu bekommen, erzählt Eberle weiter. Momentan habe er nur eine weitere Nachwuchskraft. Obwohl Eberle seit Jahren in der „glücklichen Situation“ sei, in jedem Ausbildungsjahr noch einen guten Azubi zu bekommen, weiß er von Kollegen, dass das keine Selbstverständlichkeit ist. „Wenn ich mehr Bewerbungen hätte, würde ich auch mehr ausbilden“, sagt der Metzgermeister. In den ersten Wochen seiner Ausbildung erwartet Stefan, viel zu putzen und erst nach und nach an der Produktion beteiligt zu sein. Das bestätigt der Metzgermeister: „Erst mal wird er viel beobachten. Sicherheit und Hygiene sind ein großes Thema, bevor man ihn später an das Fleisch ranlässt.“ Stefan Ferschs Ziel ist es, irgendwann den Betrieb zu Hause zu übernehmen. „Besonders gerne esse ich Bratwursthack und Mamas Schweinebraten. Was ich nicht gerne mag, ist Gulasch“, erzählt der 15-Jährige. Er freue sich speziell darauf, in seinem Beruf kreativ zu sein und zum Beispiel „mit Gewürzen zu experimentieren“. Dafür muss er aber früh raus: Um sechs Uhr fängt er an, das heißt um fünf aufstehen. Solange der Junge noch nicht selbst Roller fahren kann, bringen ihn seine Familienmitglieder zur Arbeit. Und bei schlechtem Wetter nimmt er später statt des Rollers den Traktor, erklärt er. 

Die Bäckerin

Emily Zimmnawoda beim Brezn formen,
Kai Bader
Roth

Emily Zimmnawoda (15) aus Eysölden

„Ich habe daheim schon immer am liebsten Kuchen und Torten gebacken, also war mir klar, dass ich in eine Bäckerei will“, sagt Emily Zimmnawoda. Jetzt steht die 15-Jährige in der Backstube der Eysöldener Bäckerei Schmidtkunz und wälzt Teig mit beiden Händen so, dass er in der Mitte dick bleibt und an den Enden schmal wie ein Bleistift wird. Dann kommt der schwierige Teil: Die Teigrolle zur Breze formen. „Schau, wie es Andreas macht“, sagt ihr Chef Holger Schmidtkunz und deutet auf den Bäcker neben ihr. Emily versucht es nachzumachen, doch es sieht leichter aus, als es ist. Während Andreas mit einem Dreh aus dem Handgelenk die Breze in die optimale Form bringt und schwungvoll auf ein Backblech wirft, muss Emily immer wieder nacharbeiten und die Rolle zurechtdrücken.

„Fingerfertigkeit ist das wichtigste, was ein Lehrling bei mir braucht“, sagt Schmidtkunz. „Aber sie lernt das schnell, da mache ich mir keine Sorgen.“ Emily schwärmt für den Beruf. „Es macht einfach Spaß mit Lebensmitteln zu arbeiten“, sagt sie. Und als sie während der Schulzeit eine Woche Praktikum in der Eysöldener Bäckerei gemacht hat, war sie vollends überzeugt. Ein Bürojob käme deshalb für sie gar nicht erst infrage. Wenn sie keine Lehrstelle als Bäckerin gefunden hätte, hätte sie es in einem Job versucht, in dem genauso händeringend nach Azubis gesucht wird: „Dann hätte ich mich als Köchin beworben.“ Was man als Bäckerlehrling außer Geschick noch braucht? „Ich schaue beim Zeugnis, was für eine Note beim Rechnen steht“, sagt Schmidtkunz. „Wir stehen in der Backstube nicht mit dem Taschenrechner, bei uns werden die Zutaten für die Rezepte noch im Kopf umgerechnet.“ Schmidtkunz hatte in vergangenen Jahren keine Probleme, Azubis zu finden. „Ich habe einen Lehrling im ersten, zweiten und dritten Jahr“, sagt er. Trotzdem suchen viel Bäckereien vergeblich nach Nachwuchs. Der Grund für die wenigen Bewerber sei das schlechte Image, sagt Schmidtkunz. „Du musst früh aufstehen und verdienst nichts“, heiße es sehr oft. „Ja, ein Maurer bekommt mehr, aber ich zahle meine Leute ordentlich“, so der Bäckermeister. Gegen das frühe Aufstehen kann er nichts machen. Während Emily, weil sie erst 15 Jahre alt ist, erst um sechs Uhr morgens anfangen muss, geht es für die anderen schon um vier Uhr los. Schmidtkunz zuckt mit den Schultern: „Dafür ist man aber früher fertig.“ 
 

Gesuchte Lehrlinge

Hilpoltstein (cyb) Das neue Lehrjahr beginnt für viele Betriebe mit einer Enttäuschung. Denn ein Drittel der Ausbildungsplätze im Landkreis Roth ist unbesetzt. Bei insgesamt 1111 Lehrstellen haben die Firmen in 314 Fällen noch keinen passenden Bewerber gefunden. Was aber nicht automatisch bedeutet, dass jeder potenzielle Lehrling eine Stelle hat. Von den insgesamt 930 Bewerbern sind 141 noch unversorgt, meldet die Agentur für Arbeit Ansbach-Weißenburg. Bekannte Firmen, gerade in der Industrie, haben bei der Lehrlingssuche klare Vorteile gegenüber kleineren Handwerksbetrieben. Und natürlich kommt es auf die Art des Jobs an. So sind Büroberufe wesentlich eher besetzt als vermeintlich unattraktivere Berufe. Besonders im Baugewerbe, in der Gastronomie, im Handel und im Lebensmittelhandwerk werden noch Lehrlinge für dieses Ausbildungsjahr gesucht. Aber auch in der Industrie finden sich noch Ausbildungsplätze.