Der scheidende Bezirksrat Ernst Schuster und seine fünf möglichen Nachfolger.
Stephan Spangenberg
Hilpoltstein
Bauer selbst wurde bei der Sitzung des Kreisvorstandes wieder einstimmig als Direktkandidat für die Landtagswahl vorgeschlagen. "Das ist schon schön", sagte der Kammersteiner dazu. Weniger schön sei dagegen die Vielzahl der Kandidaten für die Bezirkstagswahl - auch wenn es zeige, dass die CSU über genügend motiviertes Personal verfüge, und er sich alle fünf Bewerber gut für die Nachfolge von Ernst Schuster vorstellen könne, so Bauer.

In der Sitzung am Montagabend hat sich seinen Worten zufolge schnell abgezeichnet, dass es auf eine Kampfkandidatur mit vielen Bewerbern hinausläuft. Nachdem sich der JU-Kreisvorsitzende Daniel Nagl schon nach Pfingsten mit der Unterstützung von Mittelstandsunion und Seniorenunion um das Direktmandat bemühte, brachte die Frauenunion nun ihre Vorsitzende Cornelia Griesbeck als erste Herausforderin für Daniel Nagl in Position. Als zweiten Gegenkandidaten schlug Vorstandsmitglied Martin Prymelski aus Rednitzhembach den stellvertretenden Bürgermeister von Georgensgmünd, Georg Schiffermüller, vor. Kurz darauf stand der Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes, Thomas Schmidt, als dritter Gegenkandidat fest. Und "völlig überraschend" für Volker Bauer schickte dann auch noch der CSU-Ortsverband Hilpoltstein seine Vorsitzende Ulla Dietzel ins Rennen.

"Bei Daniel Nagl überrascht mich nichts."

Ernst Schuster

 

 

Dass es somit gleich fünf Bewerber geworden sind, hat den sonst sehr mitteilungsfreudigen Daniel Nagl vergleichsweise einsilbig gemacht. "Ich hätte mir gewünscht, dass es ein, zwei Kandidaten weniger gewesen wären", sagte er. Über diesen Satz hinaus wollte sich der 30-Jährige, der hauptamtlich in Diensten des Landtagsabgeordneten Volker Bauer steht, über den Verlauf der Sitzung aber nicht äußern.

Ein zentrales Thema ist bei dem Treffen laut Bauer die kommunalpolitische Kompetenz der Kandidaten gewesen. Im Gegensatz zu Daniel Nagl sind die anderen vier Bewerber amtierende Kreisräte. "Er könnte das aber kompensieren", sagt Bauer über seinen Referenten. Eine Wahlempfehlung wolle er als Kreisvorsitzender aber nicht aussprechen. Nachdem er sich kürzlich mit anderen bayerischen CSU-Kreisvorsitzenden ausgetauscht habe, wie man sich in solchen Situationen am besten verhält, habe er sich zu "professioneller Zurückhaltung" entschieden, um die ganze Sache jetzt "laufen zu lassen".

Für den scheidenden Bezirksrat Ernst Schuster ist dieser Weg der falsche. Seiner Meinung nach wäre es eine "Frage der Glaubwürdigkeit" gewesen, sich bereits im Kreisvorstand auf Cornelia Griesbeck als Direktkandidatin zu einigen. Wie einst Schuster selbst habe sich die Wendelsteinerin bei der Bezirkstagswahl 2013 als Listenkandidatin zur Verfügung gestellt, während viele andere CSU-Mitglieder laut Schuster bloß abgewunken hätten. Und trotz aller Aussichtslosigkeit dieser Kandidatur, weil normalerweise nur die Direktkandidaten der CSU in den Bezirkstag einziehen, habe Griesbeck damals enormen Einsatz im Wahlkampf gezeigt.

Nach dieser "Ochsentour", so Schuster, wäre es nun guter Stil gewesen, der Wendelsteinerin das erste Zugriffsrecht auf die Kandidatur zu gewähren - so wie es laut Schuster im Wahlteam 2013 um Volker Bauer auch besprochen wurde. Von einer vier Jahre alten Aussage könne man natürlich keinen Rechtsanspruch ableiten, sagt Schuster. Aus eigener Erfahrung könne er aber erzählen, dass er es damals als "fair und anständig" empfunden habe, als er 1998 nach dem Rückzug des Rother Bezirksrats Georg Heinl zum Zug gekommen sei, nachdem er bei den Wahlen davor jeweils den Listenkandidaten gegeben hatte.

"Das wird eine echte Herausforderung für unsere Delegierten."

Volker Bauer

 

Mit der von Schuster gewünschten Fairness war es aber bereits vorbei, als Nagl im Juni seine Kandidatur verkündete - und zwar unabhängig davon, ob sich Schuster nach 20 Jahren im Bezirkstag zum Weitermachen oder zum Aufhören entscheiden würde. "Aber bei Daniel Nagl überrascht mich nichts", sagt Schuster über den JU-Kreisvorsitzenden, dem er auch einen schlechten Stil im parteiinternen Wahlkampf vorwirft. "Wenn jemand schon durch die Lande zieht, um andere schlecht zu machen." Wie aus der Partei zu hören war, stattete Nagl in letzter Zeit zu Wahlkampfzwecken allen Ortsvorsitzenden einen Besuch ab.

Öffentliche Kritik an Daniel Nagl kommt auch von Cornelia Griesbeck. Sie findet es als "unglücklich", dass Nagl seine Ansprüche auf das Amt anmeldete, als sich Schuster noch gar nicht zu seiner Zukunft geäußert hatte. "Das ist nicht mein Stil", sagte Griesbeck.

Kommentar von Jochen Münch

Die CSU im Landkreis Roth präsentiert sich in einer seltsamen Zustand. Erst gibt sich die sonst so kraftstrotzende Partei die Blöße, keinen eigenen Kandidaten für die diesjährige Landratswahl aufzustellen, und jetzt beginnt plötzlich das Hauen und Stechen um einen Posten im Bezirkstag. Beides fällt unweigerlich auf Vol-ker Bauer zurück. Seiner Sache als Landtagsabgeordneter kann sich Bauer zwar sicher, aber als Kreisvorsitzender ist er jetzt in die Zwickmühle geraten. Fällt sein Referent Daniel Nagl bei der Abstimmung durch, steht auch Bauer schlecht da. Andererseits kann er sich kaum für seinen Mitarbeiter stark machen, wenn dieser in CSU-Kreisen so un-beliebt ist, wie es den Anschein erweckt. Viel Zündstoff für eine eigentlich harmlose Bezirkstagskandidatenwahl. | Jochen Münch