Nürnberg: Baumaschinen und Verkehrschaos dominieren noch längerl den Nürnberger Bahnhofsvorplatz.
Baumaschinen und Verkehrschaos dominieren noch längerl den Nürnberger Bahnhofsvorplatz.
Pelke
Nürnberg

Rund um den Bahnhof leuchten die Straßen rot. Die digitale Straßenkarte warnt vor dem bevorstehenden Stau. Derzeit ist die Bahnhofsstraße vor dem Grand Hotel komplett gesperrt. Die Gleißbühlstraße ist auch dicht. Wer mit dem Auto vom Bahnhof in die Altstadt fahren will, muss aktuell einen großen Bogen einkalkulieren. Der Umweg kostet Zeit und Nerven. Die Umleitungen rund um die Baustelle beim Hauptbahnhof in Nürnberg sind auch an diesem wie fast jedem Morgen überlastet. Im Schneckentempo zwängt sich die Blechlawine über den Platz vor dem Bahnhof. Seit einem Vierteljahr ist der zentrale Verkehrsknotenpunkt zum gefürchteten Nadelöhr in Nürnberg mutiert.

Eigentlich sollte schon bald alles besser werden für die Autofahrer. Doch nun hinken die Bauarbeiten dem Zeitplan bereits spürbar hinterher. „Wir haben derzeit einen Verzug von zwei Wochen“, bestätigt Marco Daume, Technischer Werkleiter vom städtischen Servicebetrieb Öffentlicher Raum (SÖR). Aufgrund von unerwarteten Untergrundverhältnissen nach dem Öffnen der Oberflächen seien zusätzliche Bauleistungen notwendig geworden, die mehr Zeit beansprucht und letztlich zum derzeitigen Zeitverzug geführt hätten. Außerdem seien bei den Bauarbeiten unerwartete Hohlräume im Untergrund entdeckt worden. Diese Hohlräume, die vermutlich durch Verrottungen von Trägerbohlwänden für unterirdische Verkehrsanlagen entstanden seien, müssten geschlossen und verdichtet werden. „Ebenso hat uns der heftige Dauerregen der vorletzten Woche längere Stillstandszeiten gekostet“, sagt Daume, der für die Umbauarbeiten auf dem Bahnhofsplatz zuständig ist.

Eigentlich wollte die Stadt mit den rund 5,5 Millionen Euro teuren Bauarbeiten pünktlich bis zum 10. November fertig sein. Bürgermeister Christian Vogel (SPD) versprach den Bürgern, dass der enge Zeitplan eingehalten werde. „Da bin ich mir so sicher wie das Amen in der Kirche“, sagte Vogel. Schließlich stünde kurz danach der Christkindlesmarkt vor der Tür. Deswegen, so Vogel, wolle man rechtzeitig vor dem Beginn des Besucherandranges fertig sein.

Von Anfang waren sich die Experten freilich der Schwierigkeiten und Risiken für Verkehrsführung und Zeitplan bewusst. „Das wird eine Operation am offenen Herzen“, sagte Daume kurz vor dem Start der Umbauarbeiten am 24. April diesen Jahres. Mittlerweile läuft die zweite Phase der Neugestaltung des Bahnhofsplatzes. Eigentlich sollte diese besonders stauträchtige Phase bereits bis zum 23. September abgeschlossen sein. Daraus wird wohl nichts werden. Daume erklärt, dass man an der „bauzeitlichen Kompensationen durch mögliche Parallelarbeiten“ feile. Allerdings seien die Möglichkeiten hierzu bereits weitgehend ausgereizt. „Insofern wird es schwierig sein, allen Verzug tatsächlich aufzuholen“, gibt Daume offen zu.

Aufgeben will man deswegen nicht. Das Ziel könne immer noch erreicht werden. „Wir wollten bis zum 10. November fertig sein. Der Christkindlesmarkt beginnt am 1. Dezember. Wenn man den derzeitigen Verzug von zwei Wochen hinzurechnet, haben wir noch etwas Puffer“, gibt sich Daume im Hinblick auf eine pünktliche Fertigstellung derzeit optimistisch. Trösten können sich die Autofahrer in Nürnberg damit, dass in der dritten und letzten Bauphase mit Verbesserungen zu rechnen ist. Dann sollen die Arbeiten rund um die Straßenbahnhaltestellen im Zentrum des Bahnhofsvorplatzes abseits der vielbefahrenen Straßen erfolgen. Daume setzt deshalb darauf, dass sich bereits Ende September die baustellenbedingte Verkehrslage „wieder deutlich“ entspannt.

GROSSBAUSTELLE

Aktuelles: Die Verkehrsbehinderungen bleiben auch in den nächsten Wochen. Einzige Veränderung, die ab 20. August neu hinzukommt, ist die Verlagerung der jetzigen Haltestelle auf der Mittelinsel entlang der Bahnhofstraße (vor den Hotels) in den Königstorgraben (Stirnseite Grandhotel). Dies sei laut Marco Daume notwendig, um den Bahnsteig barrierefrei auszubauen. Ansonsten, hofft der Technische Werkleiter von SÖR, bleibe die jetzige Verkehrssituation bis etwa Mitte September so bestehen.

Interaktives: Die Stadt hat eine Internetseite rund um die Baustelle am Hauptbahnhof ins Netz gestellt. Darin findet man auch aktuelle Informationen wie interaktive Straßenkarten von dem Baustellenbereich (www.karte-bahnhofsplatz2017.nuernberg.de). Die komplette Homepage gibt es auf dem Portal der Stadt: www.nuernberg.de.

Ziel: Neben dem Plärrer ist der Bahnhofsplatz einer der größten Verkehrsknotenpunkte in Nürnberg. Für Autofahrer wird sich nach dem Umbau wenig ändern. In den Genuss der meisten Verbesserungen kommen Fußgänger und Radler. Die Stadt hatte sich 2016 kurzfristig für den Umbau des Bahnhofsplatzes entschieden, weil Fördergelder für den barrierefreien Ausbau in Aussicht standen. Von den Gesamtkosten in Höhe von rund 5,5 Millionen Euro muss die Stadt nur rund zwei Millionen Euro aus der eigenen Tasche bezahlen. Die wichtigste Veränderung wird ein oberirdischer Fußgängerüberweg vom Bahnhof über den Handwerkerhof in die Altstadt sein. | npe