Barfuß für die Freiheit der Delfine
"Weg mit allen Delfinarien, Freiheit für alle Meeressäuger" fordert der 41-jährige Unternehmensberater vom Bodensee. Mitten im Kreuzfeuer der Kritik steht dabei der Nürnberger Tiergarten: Seit der Eröffnung des Delfinariums im Jahr 1971 sind schon 33 Delfine frühzeitig gestorben. Der letzte erst vor knapp zwei Wochen. "Von 20 Nachzuchten sind bereits 16 ums Leben gekommen", sagt der Tierschützer. "Die meisten sterben schon wenige Tage nach ihrer Geburt."

Die durchschnittliche Lebenserwartung der Delfine im Nürnberger Tiergarten liege damit gerade einmal bei rund elf Jahren, behauptet Morlok, während die Meeressäuger in Freiheit im Durchschnitt 30 Jahre überleben würden. Dieses Alter haben seinen Angaben nach in Nürnberg nur zwei von 41 Delfinen erreicht: Moby und Eva.

Lorenzo von Fersen, Delfinexperte des Nürnberger Tiergartens, hält dagegen nicht besonders viel von den Bemühungen des Aktivisten: "Das sind immer recht spektakuläre Aktionen, die aber eigentlich nichts bringen." Zudem bemängelt von Fersen, dass Morlok nicht behaupten könne, Delfine könnten nicht gezüchtet werden. "Die Amerikaner züchten Delfine schon in der dritten Generation", sagt Lorenzo von Fersen. "Wir hatten einfach in der letzten Zeit eine große Pechsträhne. Aber ich kann garantieren, dass es allen acht Delfinen, die bei uns leben, prima geht."

Lagune soll kommen

Trotz aller Vorwürfe des Aktivisten halten die Verantwortlichen des Nürnberger Tiergartens auch am geplanten Ausbau fest. In der so genannten Lagune, einem 17 Millionen Euro teuren Außenbecken, können sich die Meeressäuger dann in einem 60 Meter langen, 30 Meter breiten und bis zu sieben Meter tiefen Becken frei bewegen.

"Das ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Die Nachzucht funktioniert dadurch auch nicht besser", sagt dagegen Tierschützer Morlok. "Delfine legen in der Freiheit täglich bis zu 250 Kilometern zurück und können 500 Meter tief tauchen." Weitere Todesfälle seien programmiert, behauptet Andreas Morlok. "Deshalb muss nicht der Ausbau, sondern die Schließung aller Delfinarien das langfristige Ziel sein", sagt der 41-Jährige.

Das neue Aktionsbündnis "die größte Kampagne gegen Delfinarien" geht sogar noch weiter: Es fordert die sofortige Einstellung der Nachzucht im Nürnberger Tiergarten.

Zudem sollen keine weiteren Fänge aus freier Wildbahn und keine Übersiedlungen von Delfinen anderer Zoos in den Nürnberger Tiergarten erfolgen. Und alle Anlagen in Deutschland und Europa sollen geschlossen und abgewickelt werden.

Delfinschützer Morlok hat deshalb im "UNO-Jahr des Delfins" eine besondere Aktion vorbereitet: Ab Juli will der Aktivist mit einem mehrwöchigen Barfußmarsch gegen die kommerzielle Ausbeutung von Delfinen aufmerksam machen. Mit einem Delfin-Sarg-Anhänger will Andreas Morlok von seiner Heimatstadt Radolfzell am Bodensee bis nach Nürnberg marschieren. Ohne Schuhwerk. "Das ist aber erst der Anfang."