Mira Abou Taha war zuerst zu einem Beratungsgespräch bei der Asylsozialberatung des Landratsamts, jetzt lässt sie sich dort zur Kauffrau für Büromanagement ausbilden.
Mira Abou Taha war zuerst zu einem Beratungsgespräch bei der Asylsozialberatung des Landratsamts, jetzt lässt sie sich dort zur Kauffrau für Büromanagement ausbilden. Ihre Chefin Eva Dorner schätzt ihre offene Art und ihre Disziplin.
Leykamm
Hilpoltstein

Trotz aller Hürden gelingt es immer wieder im Landkreis Roth stabile Beschäftigungsverhältnisse für Flüchtlinge anzubahnen. So wie im Fall von Ibrahim Al Scheich Ahmad, der mit seiner Familie im November 2015 aus Syrien geflohen ist. Sie landeten in Kammerstein. In Syrien hatte Ibrahim bereits eine kleine Karriere hinter sich. Im Gymnasium hieß sein Schwerpunkt Literatur, nach dem Abschluss war er selbstständiger Lebensmitteltransporteur. In Deutschland erhielt die Familie bis Ende August 2016 zunächst Asylbewerberleistungen vom Landratsamt Roth, mit der Anerkennung als Flüchtling war dann das Jobcenter zuständig. Sofort begann der 29-Jährige Familienvater einen "KompAs"-Kurs beim Berufsförderzentrum (BFZ) in Roth zu besuchen, bei dem Deutschkenntnisse vermittelt werden und der zugleich berufliche Orientierung ermöglicht. Im Februar 2017 schloss Ibrahim erfolgreich mit einem B1-Zertifikat ab.

Nun kam der Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit in Roth ins Spiel. Gemeinsam mit dem BFZ und Ibrahim selbst fand man eine Praktikumsstelle in der Bau- und Kunstschlosserei von Henry Mailer in Abenberg. schon nach einem Monat wurde Ibrahim im Mai als Helfer angestellt. Das Jobcenter zahlte einen Eingliederungszuschuss von 40 Prozent des Gehalts. Auch beim Führerschein steht finanzielle Hilfe in Aussicht. Denn die Fahrt zum Arbeitsplatz mit verschiedenen Bussen dauert täglich weit über eine Stunde.

Im September nun hat Ibrahim eine Ausbildung als Metallbauer bei Mailer begonnen. Der Chef selbst zeigte sich sehr erfreut über seinen neuen Mitarbeiter. Die Investition in die Integration junger anerkannter Asylbewerber sieht er als äußerst wichtig an. Sein neuer Mitarbeiter aus Syrien sei "äußerst freundlich, zuverlässig und motiviert." Mailer weiter: "Es macht Spaß mit ihm zusammenzuarbeiten. Das Wichtigste an guten Mitarbeitern ist, dass sie wollen, wissbegierig sind, anpacken können und sich nicht zu schade sind, sich auch mal die Hände schmutzig zu machen. Das alles bring Ibrahim Al Scheich Ahmad mit. Die Sprachbarrieren werden während der täglichen Zusammenarbeit immer weniger."

Die palästinensische Mira Abou Taha wohnt gerade in Georgensgmünd, ist noch mitten im Asylverfahren, hat aber eine Aufenthaltsgestattung. Nach einem Gespräch bei der Asylsozialberatung im Landratsamt gab es für die 23-Jährige erst eine Enttäuschung zu verkraften: Die Fortführung ihres Studiums sei nur in München möglich, erklärte man ihr. Doch die engagierte junge Frau, die ihr Abitur in den Vereinigten Arabischen Emiraten abgelegt hat, ließ sich nicht entmutigen.

Das Glück der Tüchtigen kam ihr zu Hilfe: Auf Anfrage von Georgensgmünds Bürgermeister Ben Schwarz übernahm Mira bei einer Helferkreisfeier die Übersetzung. Das Ergebnis übertraf alle Erwartungen, worauf der Rathauschef beim Landratsamt wegen eines Praktikumsplatzes anfragte. Daraus wurde dann ein Jahr im Sozialamt im Rahmen des Bundesfreiwilligendiensts. Es folgte ein weiteres halbes Jahr als Einstiegsqualifizierung zur Vorbereitung für den Ausbildungsberuf Kauffrau für Büromanagement, der beim Landratsamt zum ersten Mal angeboten wird. Nun ist sie dort Azubine. Mit ihren Kollegen kommt Mira recht gut zurecht, ihre Sprachkenntnisse werden oft im Landratsamt gebraucht. Ausbilderin Eva Dorner schätzt ihre offene und herzliche Art, ihre Disziplin und Wissbegierde.

Voll des Lobes für sein Umfeld ist Mohamad Reza Husseini: "Die Ausbilder und Kollegen sind einfach super!" So der 18-jährige Afghane. Er fiel bei einem Firmenbesuch von Leoni Roth durch sein interessiertes Nachfragen auf. Das half die Tür zu einem Praktikum zu öffnen, für das er sich daraufhin erfolgreich bewarb. Dabei legte er großes Engagement an den Tag, so dass mehr daraus werden konnte. Im September hat er nun mit dem Einstiegsqualifizierungsjahr für eine Ausbildung zum Maschinen- und Anlagenführer bei Leoni begonnen.

Handwerk profitiert am meisten

39 von ihnen haben eine reguläre Ausbildung begonnen. Davon profitiert vor allem das Handwerk, denn zwei Drittel der Jugendlichen lassen sich zum Beispiel als Kfz-Mechatroniker, Metallbauer, Heizungsbauer, Maurer, Tischler, Stuckateur, Fliesenleger oder Bäcker ausbilden. In der Industrie ist der Maschinen- und Anlagenführer der gefragteste Ausbildungsberuf.

 

27 Abgänger der Berufsintegrationsklassen haben sich für eine schulische Ausbildung entschieden. Hier sind vor allem die Kranken- und Altenpflegehilfe, Kinderpflege und Hauswirtschaft, aber auch die Maschinenbauschule zu nennen. In betrieblichen Einstiegsqualifizierungen als Vorstufe zu einer Berufsausbildung sind 19 Flüchtlinge untergekommen. Sechs gehen in die Wirtschaftsschule und neun nahmen eine Arbeit auf.

42 junge Leute, die zunächst noch keinen passenden Arbeitgeber finden konnten, besuchen eine berufsvorbereitende Maßnahme, die von Arbeitsagentur und Jobcenter finanziert wird. Hier können sie ihr Deutsch verbessern und werden durch Betriebspraktika auf Ausbildung oder Arbeit vorbereitet. Bleiben noch 40 Flüchtlinge, von denen einige weggezogen sind oder nach einer Ablehnung ihres Asylantrags keine Beratungsangebote mehr in Anspruch genommen haben. Insgesamt 18 arbeitswillige Flüchtlinge hatten bereits die Einstellungszusage eines Arbeitgebers, ihnen wurde allerdings von der zuständigen Behörde die Arbeitserlaubnis verweigert.

Claudia Wolfinger, die Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Ansbach-Weißenburg, freut sich über die große Bereitschaft der Wirtschaft, Menschen mit Fluchthintergrund einzustellen. "Wir wollen alle Möglichkeiten zur Integration von anerkannten Flüchtlingen und solchen mit hoher Bleibewahrscheinlichkeit ausschöpfen", sagt sie.