Allersberg: Erinnerungen an eine glanzvolle Zeit
Maschinen zur Girlandenherstellung im ehemaligen Fabriksaal mit Produktionsmuster. - Foto: Mücke
Allersberg
Familie Schulenburg und der Markt Allersberg sind sich einig. Schon im Sommer vergangenen Jahres haben beide mit notariellen Verträgen eine Übergabe von Hunderten von Exponaten an den Markt Allersberg und die Gründung einer Stiftung vereinbart. Der Markt Allersberg musste sich dabei verpflichten, die Exponate der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Die Sammlungsgegenstände aus der Firma Jacob Gilardi (1689 bis 2006) sind Ende vergangenen Jahres in die Stiftung eingebracht worden. Rainer Tredt von Cultural Innovations aus Eichstätt erstellte hierzu eine Exponatliste und führte in Absprache mit der Landesstelle für Nichtstaatliche Museen eine umfangreiche Sichtung, Katalogisierung und Bewertung der Sammlungsgegenstände für den Markt durch. Mittlerweile hat auch die Regierung von Mittelfranken die Gründung der Stiftung als eine rechtsfähige örtliche Stiftung des bürgerlichen Rechts und deren Stiftungssatzung anerkannt. Die Stiftung trägt einen etwas längeren Namen, trifft aber dafür ihren Zweck konkret auf den Kopf: „Stiftung Firma Gilardi, Familie Geiershoefer/Schulenburg – Markt Allersberg“. Zweck der Stiftung ist die Erhaltung historischer Exponate aus der Sammlung Familie Geiershoefer/Schulenburg aus den Bereichen der leonischen Industrie und Christbaumschmuckherstellung in Allersberg sowie diese der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Außerdem sollen Forschungsvorhaben auf dem Gebiet der leonischen Industrie und Christbaumschmuckherstellung einschließlich Bau-, Sozial- und Familiengeschichte gefördert werden.

Der Stiftungszweck, so heißt es in der Urkunde der Stiftungsgründung, wird insbesondere durch eine museale Dauerausstellung von Exponaten aus dem Stiftungsvermögen inklusive Schauproduktion im Gilardihaus oder den zugehörigen Fabrikgebäuden verwirklicht. Das Grundstockvermögen, das aus historischen Exponaten aus der Familiensammlung Geiershoefer/Schulenburg besteht, muss ungeschmälert erhalten werden. Der Markt verpflichtete sich auf Dauer die entstehenden Kosten der Stiftung und der Erhaltungsaufwendungen gemeinsam mit der Stiftung zu tragen. In der Stiftungssatzung wird auch ein Stiftungsrat bestellt, der aus drei Mitgliedern besteht, die die Aufgabe haben, den Markt Allersberg zu beraten. Die Mitglieder sind Alexander Schulenburg für die Familie, ein Mitglied, das vom Markt Allersberg bestimmt wird, und ein Mitglied, das im gegenseitigen Einvernehmen beider Vertragsteile zu bestimmen ist.

Die Sichtung und Katalogisierung hat Rainer Tredt mittlerweile abgeschlossen und in diesem Zusammenhang auch aus konservatorischen Gründen eine gründliche Reinigung wichtiger Objekte vorgenommen. Mehrere Hundert Einzel- und Sammeltitel hat er in die Katalogisierung aufgenommen. Darunter sind auch Urkunden, Briefe und eine Reihe von bedeutenden Ölgemälden, die noch bis auf den Firmengründer Jacob Gilardi und seine Frau Sybilla, geborene Maurer, verwitwete Heckel zurückreichen. Aber auch Musterbücher, Lamettaverpackungen, alte Maschinen sowie die noch komplette Ausstattung des Fabriksaals und Maschinen für Heimarbeiter sind enthalten.

Bürgermeister Bernhard Böckeler und Alexander Schulenburg sind sich einig, dass die Gegenstände der Sammlung, die übrigens durch Zustiftungen und weitere Gaben noch erweitert werden kann, vor allem am Ort ihrer Verwendung, also in Allersberg, Bedeutung haben. Denn die Firma Jacob Gilardi hat für Allersberg viel getan. Sie gab zeitweise mehreren Hundert Menschen Brot und Arbeit, lieferte in ihren Glanzzeiten ihre Produkte in alle Welt und prägt schließlich durch das schlossähnliche Palais auf dem Marktplatz und die große Fabrikationsanlage den Ort. Daneben nimmt die leonische Drahtmanufaktur einen bedeutenden Platz in den Manufakturen im ehemaligen Fürstentum Neuburg ein.

Dass der Familie Schulenburg an einer gesicherten Aufbewahrung und auch einer Ausstellung gelegen war, dafür zeigt Bürgermeister Böckeler Verständnis. Der Markt Allersberg verpflichtete sich auch, die Geschichte des Anwesens und der Eigentümer, vor allem auch der Familien Geiershoefer und Schulenburg, angemessen aufzuzeigen. Dies ist für den Bürgermeister und den Marktgemeinderat ebenso verständlich wie die einstimmige Zustimmung des Stiftungsrats bei Zustiftungen oder Zuwendungen. Die Familie Schulenburg hofft, dass mit der gemeinsam errichteten Stiftung auch für das Gilardi-Anwesen und dessen Reaktivierung eine große Attraktion verbunden ist.