Alfershausen: Noch harmonieren die Gebäudeteile nicht: Die Sandsteinquader am Turm der Martinskirche in Alfershausen sind gut zu sehen, das Kirchenschiff muss noch mit Farbe angeglichen werden.
Noch harmonieren die Gebäudeteile nicht: Die Sandsteinquader am Turm der Martinskirche in Alfershausen sind gut zu sehen, das Kirchenschiff muss noch mit Farbe angeglichen werden. Im Frühjahr sollen die Sanierungsarbeiten laut Kurt Schieferdecker, Holger Wilcke und Paulus Eckerle (von links) abgeschlossen werden.
Luff
Alfershausen

Das große Gerüst, das seit fast einem Jahr das Gotteshaus umgibt, solle aus Kostengründen abmontiert werden, erklärt der Restaurator Holger Wilcke, Mitglied des Bauausschusses der Kirchengemeinde Alfershausen-Heideck. Am gestrigen Freitagvormittag wurde mit den Arbeiten begonnen. Wilcke, der Thalmässinger Kirchenmalermeister Kurt Schieferdecker und der beauftragte Architekt Paulus Eckerle aus Titting nehmen den Stand der Arbeiten unter die Lupe, bevor die Kirche endgültig ihren Winterschlaf antritt. "Es ist zu kalt zum Arbeiten", sagt Eckerle. Wenn in der Zeit bis zum Frühjahr das Gerüst aber ohnehin nicht in Anspruch genommen wird, kann man es auch gleich abbauen.

Fertig ist die Außenfassade der Kirche damit noch lange nicht - was selbst der Laie daran erkennt, dass das Langhaus und der Turm noch längst nicht farblich harmonieren. Das ist das erklärte Ziel, nachdem festgestellt worden ist, dass der Turm nicht mehr gestrichen werden kann. Es ist zu stark belastet mit Ammoniak und Nitrat: Über viele Jahrzehnte hinweg haben sich Tauben im Turm aufgehalten, zeitweise wurde die Glockenstube sogar von einem Mesner als Taubenschlag genutzt. Die Exkremente der Vögel fielen einfach auf den Boden; Regenwasser weichte den Kot auf, ließ ihn ins Mauerwerk einsickern. Die Salze reagieren auf Feuchtigkeit - und drücken jeden Farbanstrich nach kurzer Dauer ab.

"Wir haben die Anstriche abgenommen."

Paulus Eckerle

 

 

"Wir haben die Anstriche abgenommen", erklärt Eckerle. Sandsteinquader, die über viele Jahre unter Farbe versteckt waren, sind nun zu sehen. Derartig steinsichtig solle der Turm bleiben, wenngleich einige der Fugen noch nachbearbeitet werden müssten, damit es am Ende ein schönes Bild ergibt. Das aber ist Sache des nächsten Frühjahrs.

Auch das Langhaus, das gerade in hellerem Grau erstrahlt, ist noch nicht fertig. Da hier keine Tauben genistet haben, ist das Kirchengebäude auch nicht nitratbelastet. Einstmals war das Kirchenschiff der Martinskirche, vom Landbauinspektor Johann David Steingruber in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts in spätbarocker Weise umgebaut, nicht einmal verputzt. Heute schon, weshalb der Anstrich der Außenfassade noch viel Geschick erfordern wird.

"Das Langhaus soll an den Farbton des Turmes angeglichen werden", erklärt Holger Wilcke. Dazu werde erst grundiert, dann eine Lasur "im sogenannten Kreuzgang aufgetragen", so Wilcke. "Das vermittelt einen lockig-leichten Eindruck", ergänzt Kurt Schieferdecker. Dafür erhalte die Martinskirche im Frühjahr stellenweise ihr Gerüst wieder zurück.

"Wir gestalten dieFassadengliederung malerisch."

Holger Wilcke

 

Mit dieser eher großflächigen Malerei ist es aber noch nicht getan: Als die Kirche noch nicht verputzt war, ragten die Fensterschürzen etwa drei bis vier Zentimeter heraus, zudem gab es reliefartige Eckausbildungen. Licht und Schatten sorgten für einen plastischen Eindruck, "die Wirkung entstand durch die unterschiedlichen Niveaus", sagt Wilcke. Den Putz will die Gemeinde keinesfalls beseitigen - "wir gestalten die Fassadengliederung malerisch". Auf die Lasur wird am Ende Farbe schattenhaft aufgetragen.

Wenn alles läuft wie geplant, soll die Martinskirche noch vor dem 1. Mai fertig sein. Keinen Tag zu früh, schließlich stehen in Alfershausen heuer die Feierlichkeiten an, mit denen die Menschen der ersten urkundlichen Erwähnung des Ortes vor 950 Jahren gedenken. Am Maifeiertag ist ein "Tag des offenen Dorfes" geplant mit Mitmachaktionen von Vereinen und Gewerbebetrieben. Die Kirche als Mittelpunkt des Ortes soll sich da natürlich schon in ihrem neuen, schönen Kleid präsentieren. Das wird sie auch, zeigt sich Wilcke überzeugt: "Am Ende wird die Kirche einfach alles überstrahlen, da sieht man auch gerne dreimal hin."