Fabelhafter Hintergrund für ein schönes Erinnerungsfoto von Tom Klöber (l.) und Alexander Schwab: der Atom-Eisbrecher Lenin in Murmansk..
Fabelhafter Hintergrund für ein schönes Erinnerungsfoto von Tom Klöber (l.) und Alexander Schwab: der Atom-Eisbrecher Lenin in Murmansk.
Meyer, Monika, Roth
Hilpoltsein

„Ich bin noch gar nicht wirklich angekommen und immer noch geflasht. Das muss sich erst noch setzen“, erzählt Alex Schwab nach seiner Rückkehr. Einfach zu viele Eindrücke waren auf die beiden Abenteuerer während ihrer 9500 Kilometer langen Rallye durch zehn Länder eingeströmt.

So ging es zunächst von Hamburg über Schweden, die Lofoten in Norwegen bis zum Nordkap. Auf dem Weg dorthin machten sie Begegnungen mit Rentieren, die gemütlich die Straßen kreuzen, unglaublich vielen aggressiven Stechmücken und wunderschöner Landschaft. „Die Weite kann man auf den Fotos gar nicht zeigen“, erklärte Alexander Schwab.

„Der Beruf ist nicht alles. Man muss sich auch mal selbstetwas Gutes tun.“

Alexander Schwab

 

Eine Schrecksekunde habe es gegeben, als ein anderer Rallyeteilnehmer am Steuer eingeschlafen und im Straßengraben gelandet sei. „Glücklicherweise ist nichts weiter passiert.“ Einheimische hätten geholfen, das Auto aus dem Graben zu ziehen. „Überhaupt sind uns auf der ganzen Reise durchwegs nette, hilfsbereite und neugierige Leute begegnet.“

Das Heidecker Team, das unter dem Namen „Hops of deliverance“ in Anlehnung an Paul McCartneys Song unterwegs war, besuchte auch etliche Brauereien, Alexander Schwab allein aus beruflichem Interesse. Der 36-Jährige arbeitet als Marketingfachmann und Biersommelier bei der Pyraser Brauerei. Die unglaubliche Vielfalt ausländischer Biere begeisterte ihn. „Im Vergleich dazu sind wir Franken doch noch recht traditionell.“

Der Start bei der Benefizrallye mit dem Titel „Baltic Sea Circle“ war an eine Bedingung geknüpft. Sie musste in einem mindestens 20 Jahre alten Gefährt zurückgelegt werden. Dafür hatte Schwab extra einen alten Benz erstanden, einen Youngtimer in grün-metallic. Die Heidecker hatten Glück mit ihrer Wahl, bis auf zwei Kleinigkeiten – ein Loch im Tank für das Spritzwasser sowie einen kaputten Blinker. Und das, obwohl die Straßen teilweise alles andere als einladend waren, teils gespickt mit Schlaglöchern und Schotterpisten.

Ganz abgesehen von den vielen Baustellen, die das Weiterkommen manchmal ganz schön verlangsamten. Von einem typischen Rallye-Gefühl war deshalb manchmal wenig zu spüren, oft ging es stundenlang nur mit Tempo 40 oder 50 voran. Die Straßen waren in einem weit schlechteren Zustand als die beiden vor ihrem Start angenommen hatten. Alexander Schwab und Tom Klöber nahmen es gelassen, blieb so doch mehr Zeit, die vorüberziehende Landschaft zu genießen.

Das Picknick auf dem Autodach gehörte zu einer der Aufgaben bei der Rallye, die Alex Schwab und Tom Klöber zu lösen hatten.
Das Picknick auf dem Autodach gehörte zu einer der Aufgaben bei der Rallye, die Alex Schwab und Tom Klöber zu lösen hatten.
privat
Hilpoltsein

Den einzig längeren Aufenthalt hatten die beiden in St. Petersburg, dort verbrachten sie einen ganzen Tag, um die russische Stadt wenigstens ein bisschen kennenzulernen. Für Alexander Schwab ist klar, dass er dorthin noch einmal zurückkehren will. Genauso wie nach Estland – der fantastischen Landschaft wegen. „Dorthin würde ich gerne meine Familie mit dem Wohnmobil mitnehmen“, erzählt er. Russland könne er ebenfalls empfehlen, auch wenn der Grenzübergang wegen der strengen Blicke sowie der umfangreichen Formalien gewöhnungsbedürftig gewesen sei. Und trotz der eintönigen und typischen Plattenbauten sowie den vielen Militärstützpunkten am Straßenrand.

Im Minimum saßen die beiden zehn bis elf Stunden täglich im Auto, dank der bequemen Sitze des alten Benz sei das aber okay gewesen, erzählt Schwab. Jeden Tag galt es zudem eine Tagesaufgabe zu erledigen, um Punkte zu sammeln. Zum Beispiel mussten sie ein Picknick auf dem Autodach veranstalten. Oder auf einem Gletscher eine norwegische Flagge hissen. Und 400 Kilometer lang einen stinkenden, fermentierten Hering in einer geöffneten Dose im Auto mitfahren lassen. Die beiden lösten dieses Problem recht elegant: „Wir haben einfach das Wörtchen ’im’ überlesen und den Fisch in einer Plastikdose auf dem Autodach verstaut“, erklärt Schwab verschmitzt.

Bei der Rundfahrt galt es nicht nur, eine gewisse Strecke zurückzulegen und damit jede Menge Kilometer zu schrubben, sondern auch Geld für den guten Zweck zu sammeln. Für viele Streckenabschnitte fanden sie Paten, die dafür spendeten. Einen Teil der Summe mussten die beiden schon vor dem Start sammeln – mit Erfolg. Insgesamt brachten die knapp 250 Rallyeteams rund eine halbe Million Euro zusammen.

Alexander Schwab und Tom Klöber unterstützen mit ihren 4300 Euro die deutschlandweit tätige Organisation Arche, die sich auf die Fahnen geschrieben hat, Kinder stark zu machen. Der Löwenanteil geht jedoch an den Verein Herzpflaster mit Sitz in Roth, der sich darum kümmert, Krankenhausaufenthalte für Kinder sowie deren Eltern erträglich zu gestalten, indem sie Spielzeug und Krankenhausclowns besorgen sowie Übernachtungsmöglichkeiten für Eltern bezuschussen. Herzpflaster haben die beiden auch deswegen ausgewählt, weil sie dessen Vorsitzenden Torsten Prennig persönlich kennen und wissen, dass jeder Cent ohne Abzug von Verwaltungskosten ankommt.

Für Alexander Schwab stand nach dem Abenteuer jedenfalls fest: „Das war das Highlight unter meinen bisherigen Reisen.“ In den vielen Stunden in der Weite Skandinaviens und Russlands sowie bei den vielen Begegnungen mit netten Menschen sei ihm einiges klar geworden: „Der Beruf ist nicht alles und man muss sich auch mal selbst etwas Gutes tun.“ Das Leben sei kurz, und schöne Dinge ins Rentenalter zu verschieben – das funktioniere nicht. „Reisen erweitert außerdem unglaublich den Horizont.“