Eichstätt: "Wir wollen kein Gegeneinander"
Das Ziel von Natura 2000 ist der Erhalt der Kulturlandschaft, hier die Landschaft bei Obereichstätt. Auf Artenvielfalt und Biotopverbund wird besonderer Wert gelegt. - Foto: baj
Eichstätt
Das Mittlere Altmühltal soll nun unter den Aspekten des europaweiten Natura-2000-Programms erforscht werden. Federführend dabei ist nicht die Regierung von Oberbayern, die eigentlich zuständig wäre, sondern die Regierung von Mittelfranken, die Kapazitäten frei hat. Deshalb kamen am Mittwoch Vertreter des Bezirks ins Landratsamt Eichstätt, um im großen Kreis das Verfahren zu erläutern – und Ängste auszuräumen.

Zum Mittleren Altmühltal gehört das Gebiet von Treuchtlingen bis kurz vor Töging. Mit dazugerechnet werden das Wellheimer Trockental und das Schambachtal. Hier hat noch niemand in der Gänze erfasst, welche Flora und Fauna vorhanden sind und in welchem Zustand sie sich befinden.

Um das Verfahren transparent zu gestalten, wird ein Runder Tisch unter Einbeziehung von Grundeigentümern, Vereinen, Verbänden, Kommunen und Fachbehörden einberufen. Ebenso zwingend ist eine Auftaktveranstaltung vorgeschrieben, die eben am Mittwoch stattfand.

„Die Grundlagen bilden die Vogelschutz-Richtlinie von 1979 und die Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (FFH) von 1992. Das Ziel ist ein europäisches Biotopverbundnetz, das die biologische Vielfalt sichern soll“, erläuterte Claus Rammler von der Regierung von Mittelfranken. Sämtliche Datenrecherchen, die nun beginnen und sich die nächsten beiden Jahre hinziehen werden, münden in einen Managementplan, der unter Einbeziehung des Runden Tisches erarbeitet und umgesetzt wird.

Fast das gesamte Mittlere Altmühltal ist FFH-Gebiet, rund 4200 Hektar. 60 Prozent davon besteht aus Wald. Die naturschutzfachliche Bedeutung des Gebietes ist sehr hoch: Das Mittlere Altmühltal gilt als wichtigster Biotopverbund für Trocken- und Felsenstandorte in der südlichen Frankenalp mit wertvollen Waldlebensraumtypen und einem der wenigen Vorkommen des Zwerglungenmooses (Mannia triandra) in Bayern.

Auf drei Tierarten richtet sich ebenfalls ein besonderes Augenmerk, wie der für die Kartierung zuständige Christian Frey erläuterte: die Spanische Flagge, ein Schmetterling, den Hirschkäfer und das Große Mausohr, eine Fledermausart.

Die Vogelschutzgebiete im Mittleren Altmühltal umfassen rund 3600 Hektar. Besonders werden die Fachleute nach Wanderfalken, Wespenbussard, Eisvogel, Grauspecht, Neuntöter, Schwarzspecht, Uhu und als Zugvogel nach der Kohltaube Ausschau halten. Die Kartierung erfolgt nach bayernweit einheitlichen Maßstäben: Über die Landschaft wird ein Gitterraster gelegt, und an den Gitterpunkten werden die Gegebenheiten untersucht. Die Bewertung erfolgt in drei Stufen: A bedeutet „hervorragend“, B „gut“ und C „mittlerer bis schlechter Erhaltungszustand“. Im Durchschnitt soll ein „B“ herauskommen beziehungsweise hergestellt werden.

Nach der Bewertung erfolgt ein Maßnahmenkatalog. Hier unterschied Claus Rammler zwischen „Pflicht“ und „Kür“, zwischen notwendigen und wünschenswerten Maßnahmen. „Wir wollen keine Urwälder entstehen lassen“, verdeutlichte er. „Wir wollen die Kulturlandschaft erhalten.“ Es gehe auch nicht darum, irgendjemandem etwas wegzunehmen. „Wir wollen kein Gegeneinander, sondern das Verbindende herausarbeiten.“ Ein Landwirt könne nach wie vor seine Flächen bewirtschaften, Äcker seien sowieso nicht Bestandteil von FFH-Flächen, auch wenn sie in solchen liegen. Ein Waldbauer könne selbstverständlich Holz ernten. Aber wenn er darauf aufmerksam gemacht werde, überlege er es sich vielleicht, einen Höhlenbaum stehen zu lassen.

Lediglich bei Mageren Flachland-Mähwiesen seien bestimmte Auflagen zu beachten. Verbindlich sei der Managementplan allerdings für Behörden und Kommunen.

Er freue sich zu hören, dass der Naturschutz hier im Dialogverfahren betrieben werde, äußerte sich Johann Scharl, stellvertretender BBV-Kreisobmann. Er hob hervor, dass der Landwirt der erste und beste Landschafts- und Naturschützer sei. Er könne dem Natura-2000-Verfahren viel Positives abgewinnen, sagte Scharl, aber: „Ich hoffe, dass wir keine Beeinträchtigung in der Bewirtschaftung haben.“