Alle Jahre wieder kommt beim Eichstätter Stadtrat die Diskussion darüber auf, ob man die Silvesterknallerei auf dem Marktplatz genehmigen soll oder nicht. Von den Gegnern der Böllerei wird zu Recht auf die Brandgefahr für die historischen Gebäude hingewiesen. Was seltener erwähnt wird, ist die Gefahr für die Gesundheit der Beteiligten.

In unserer HNO-Praxis werden wir alljährlich in den ersten Januartagen mit den unangenehmen Folgen der lauten Silvesterfeiern konfrontiert. In der Regel melden sich fünf bis zehn Menschen, die ein Knalltrauma erlitten haben. Da war zum Beispiel ein Paar, das den Jahreswechsel auf dem Marktplatz in Eichstätt feiern wollte. Ein hinter den beiden in die Luft geworfener Böller detonierte genau zwischen ihren Köpfen. Die Explosion zerfetzte bei beiden das Trommelfell und hinterließ einen bleibenden Hörschaden. Die Trommelfellverletzungen konnten zwar nach einer Operation heilen. Der irreparable Innenohrschaden und quälende Ohrgeräusche belasten die Betroffenen aber für den Rest ihres Lebens.

Zur Vorbeugung solcher Schäden ist ein Appell an die Vernunft einer feiernden und vom Alkohol enthemmten Menschenmenge wohl nur begrenzt wirksam. Ich appelliere daher an die Damen und Herren des Stadtrats, sich ihrer Verantwortung für das Wohl der Bürger bewusst zu werden und in diesem Sinne eine vernünftige Entscheidung zu treffen.

Dr. Joachim Kraus

Eichstätt