2012 erhielt Professor Dr. Bernhard Schleißheimer (Mitte) die Ehrensenatorwürde der Katholischen Universität vom damaligen Präsidenten Richard Schenk.
2012 erhielt Professor Dr. Bernhard Schleißheimer (Mitte) die Ehrensenatorwürde der Katholischen Universität vom damaligen Präsidenten Richard Schenk. Rechts Laudator Professor Dr. Reto Luzius Fetz. Am Montag feiert Schleißheimer, der maßgeblich zur Gründung der KU beigetragen hat, seinen 95. Geburtstag.
Schulte Strathaus/upd
Eichstätt

Als 1972 die Lehrerausbildung an den Universitäten neu geordnet wurde, stellte sich auch für die Pädagogische Hochschule in Eichstätt unter deren Rektor die Frage nach einem Ausbau oder einer Schließung: Schleißheimer hat für den Ausbau plädiert, Theologische und Pädagogische Hochschule zusammengeführt und schließlich als Vizepräsident zusammen mit Rektor Otto Voll maßgeblich daran mitgewirkt, die erste und bislang einzige katholische Universität im deutschsprachigen Raum zu gründen. Er hat in den Jahren 1973 bis 1975 dafür die Grundlagen erarbeitet – auch unter der Prämisse des von ihm geprägten Satzes: „Die Katholische Universität ist kein Luxus für die Kirche, sie ist ein Gebot der Stunde.“

Für seine Verdienste hat der 1922 in Unterfinning bei Landsberg am Lech geborene Schleißheimer 1986 das Bundesverdienstkreuz und 2002 den Päpstlichen Silvesterorden verliehen bekommen. Die Katholische Universität (KU) ernannte ihn im Jahr 2012 zum Ehrensenator der Universität. Nach dem Ende seiner präsidialen Ämter, die er – wie Laudator Professor Dr. Reto Luzius Fetz bei der Verleihung im Rahmen des Dies academicus damals betonte – „aus Pflichtgefühl, nicht aus Neigung“ übernommen hatte, war Schleißheimer weit über sein Pensionsalter hinaus in Lehre und Forschung tätig. So veröffentlichte der Emeritus – er trat 1987 als Inhaber des Lehrstuhls für Philosophie in den Ruhestand – 2003 im Alter von 81 Jahren sein Hauptwerk „Ethik heute. Eine Antwort auf die Frage nach dem guten Leben“.

„Die Katholische Universität ist kein Luxus für die Kirche, sie ist ein Gebot der Stunde.“

Bernhard Schleißheimer

Bernhard Schleißheimer wurde im Alter von 18 Jahren 1940 zum Kriegsdienst an die russische Front geschickt; von 1943 bis 1948 war er in sowjetischer Kriegsgefangenschaft. Im Jahr 1949 führte ihn sein Weg zum ersten Mal nach Eichstätt: Als an der damaligen Lehrerbildungsanstalt ein Lehrgang für Spätheimkehrer eröffnet wurde, ergriff er die Chance, sich innerhalb eines Jahres zum Lehrer ausbilden zu lassen, um Beruf und Lebensunterhalt zu haben. Von 1950 bis 1952 unterrichtete er zunächst an einer Volksschule in Fischbach am Inn, von 1954 bis 1962 war er Lehrer in München. Zwischen 1954 und 1959 studierte er parallel zu seinem Beruf Philosophie, Pädagogik, Geschichte und Byzantinistik an der Ludwig-Maximilians-Universität, ab 1962 wirkte er als wissenschaftlicher Assistent und Dozent für Philosophie an der Pädagogischen Hochschule Eichstätt.

Hier war Schleißheimer ab 1965 zunächst Lehrstuhlvertreter, ab 1970 lehrte und forschte er dann als Inhaber des Lehrstuhls für Philosophie. Zu seinen Arbeitsschwerpunkten gehören unter anderem Anthropologie und Kulturphilosophie, philosophische Grundfragen der Pädagogik sowie – insbesondere mit Bezug auf die Gegenwart – die Ethik.