Marco Schneider
Rom

Für die Jugendkantorei um Domkapellmeister Christian Heiß war dieses Privatkonzert für den 2013 vom Papstamt zurückgetretenen Joseph Ratzinger während ihrer aktuellen Romreise eine besondere Ehre. Zustande gekommen ist es über dessen Bruder Georg Ratzinger, den früheren Leiter der Regensburger Domspatzen. Christian Heiß (48), der in jungen Jahren selbst ein Regensburger Domspatz gewesen ist, hatte jüngst seinen inzwischen fast 92-jährigen ehemaligen Chorleiter in der Regensburger Luzengasse besucht. Und dabei ist die Idee entstanden. Auf Anraten von Georg Ratzinger hatte der Eichstätter Domkapellmeister an den emeritierten Papst geschrieben und prompt eine Einladung von dessen Privatsekretär Georg Gänswein erhalten. Der Termin am 30. Dezember war bis zuletzt geheim gehalten worden.

Fotostrecke: Eichstätter Jugendkantorei singt für Benedikt XVI.


Ein Schweizer Gardist nahm die 38 Sängerinnen und Sänger in Empfang, geleitete sie in die Palazzina Leone XIII., wo schließlich Punkt 17 Uhr der emeritierte Papst gestützt auf Erzbischof Georg Gänswein und einen Gehstock den kleinen Saal im Zentrum von Radio Vatikan betrat. Dort hatten sich neben einigen Priestern aus dem Vatikan auch der frühere Regens des Eichstätter Priesterseminars, Josef Gehr, und der Pressechef des Papstes, Frederico Lombardi, sowie Kardinal Giovanni Lajolo versammelt. Der 88-jährige Benedikt strahlte und machte einen sichtlich gut gelaunten Eindruck: „Herr Domkapellmeister, wie schön!“, rief er und ging freudig auf Christian Heiß zu. „Es ist uns eine große Freude und Ehre, für Sie und Ihren Bruder heute hier singen zu dürfen“, erwiderte Heiß.



Die Jugendkantorei ließ für den ehemaligen Pontifex einen Teil ihres Weihnachtskonzert-Programms erklingen: Neben Ausschnitten aus der „Ceremony of Carols“ von Benjamin Britten brachte sie etwa einen mehrstimmigen Satz von „Veni, Emanuel“ (Jan-Ake Hillerud) zu Gehör. Zum Ende stimmten die Eichstätter dann noch ein Satz von Georg Ratzinger zu „O du fröhliche“ an.

 

„Sie haben uns Weihnachten neu ins Herz gesungen“, lobte Benedikt XVI. nach dem Konzert. Lange applaudierten Joseph und Georg Ratzinger („Eine große Leistung haben Sie da vollbracht!“) der Jugendkantorei und auch Max Pöllner, der die Gruppe am Klavier begleitete, bevor der Papst sich für ein Gruppenfoto inmitten der Jugendkantorei begab.

Den Jugendlichen, die erst am Vorabend von ihrem großen Auftritt erfahren hatten, waren allesamt sichtlich nervös vor dem großen Moment. „Das war ein Privileg“, sagte Susanne Behringer (17) nach dem Konzert. So etwas gebe es nicht noch einmal. Johanna Haugg (17), die bei Zoltán Kodálys „Die Engel und die Hirten“ Solo singen musste, hatte unwahrscheinliches Herzklopfen, wie sie nachher zugab: „Ich hatte schon Angst, dass meine Stimme nicht mitmacht.“ Aber dann ist alles gut gegangen, es war „einfach cool“, meinte Valentin Schuld (13). „Das war eine großartige Geschichte – für mich wie für die Jugendlichen“, resümierte Domkapellmeister Christian Heiß. „Grüßen Sie mir Eichstätt!“, gab Papst Benedikt den Jugendlichen ausdrücklich mit auf den Weg, bevor er sich wieder auf den Weg zurück in sein „Monasterio“, wie das Kloster Mater Ecclesiae im Vatikan nur genannt wird, machte. Was bleibt, sind für die Jugendlichen, den Domkapellmeister sowie den Papst und seinen Bruder Erinnerungen an eine einmalige Stunde im Vatikan.