Es ist eine schier unendliche Geschichte - und auch ein Beispiel für Schwierigkeiten bei der Planung von größeren Vorhaben. Ursprünglich waren die Windkraftanlagen diesseits und jenseits der oberbayerisch-mittelfränkischen Bezirksgrenze als einheitliches Projekt geplant, gesteuert über das Landratsamt in Weißenburg. Das klang nach moderner Verwaltungsvereinfachung. Daraus wurde dann aber nichts.

Inzwischen sind die beiden Vorhaben formal zwei getrennte Windparks, die je nach Lage vom Landratsamt in Weißenburg oder in Eichstätt zu prüfen sind. Der Grundeigentümer ist aber immer derselbe: Die Wälder sind Staatswald, zuständig ist der Forstbetrieb Kipfenberg der Bayerischen Staatsforsten. So oder so: Im Raitenbuch-Workerszeller Forst entsteht Bayerns größter Wald-Windpark.

Für die Windräder auf Raitenbucher Territorium ist vor drei Wochen vom Landratsamt in Weißenburg die "Zulassung des vorzeitigen Baubeginns" erteilt worden. Es geht dabei um zehn Windenergieanlagen des Typs Nordex N 131. Eine weitere Anlage in unmittelbarer Nachbarschaft kommt von den Stadtwerken Weißenburg hinzu. Auf Schernfelder Gemeindegebiet sollen fünf Anlagen entstehen, mit dem Namen Windpark Workerszeller Forst. Hier allerdings steht die Baufreigabe durchs Landratsamt Eichstätt noch aus.

Christoph Markl-Meider, der Leiter Unternehmenskommunikation von Ostwind mit Sitz in Regensburg, meinte auf Anfrage: "Wir rechnen bis zum Sommer mit der Genehmigung."

Im Workerszeller Forst werden im Unterschied zu Raitenbuch Enercon-Anlagen vom Typ E 115 errichtet werden. Unabhängig von den verschiedenen Genehmigungsverfahren werden alle 16 künftigen Windräder eine gemeinsame Netzanknüpfung auf Tittinger Gemeindegebiet erhalten - über ein eigenes Umspannwerk, das Ostwind errichtet. Für den Raitenbucher Windpark Reichertshüll laufen in diesen Tagen die notwendigen Rodungsmaßnahmen im Staatswald - immerhin insgesamt knapp fünf Hektar. Hier tut Eile not, denn die Bäume müssen gefällt sein, bevor die Vögel zu brüten anfangen. Pressesprecher Markl-Meider betont allerdings, dass die Eingriffe "relativ gering" seien. Im Staatswald gebe es grundsätzlich bereits "eine sehr gute Infrastruktur", die Wege seien breit ausgebaut. Zum Genehmigungsbescheid gehören umfangreiche Wiederaufforstungs- und Ersatzmaßnahmen. Alle Anlagen sollen 2017 in Betrieb gehen.

"Das ist wirklich ein Standort, der für so etwas prädestiniert ist", sagt der Schernfelder Bürgermeister Ludwig Mayinger. "Der ganze Wald ist Staatsforst, und die Bayerischen Staatsforsten hatten früh ein Interesse am Bau von Windkraftanlagen." Die Gemeinde Schernfeld wiederum habe die Chance ebenfalls ergriffen, ausreichend große Konzentrationsflächen für Windkraft hier mitten im Wald im Flächennutzungsplan vorzusehen - und sonst nirgends. "Die Windhöffigkeit passt, und der Standort passt." Es gebe nun keine "Verspargelung" der Landschaft. Ausdrücklich wünscht Mayinger, dass seine Bürger die Möglichkeit erhalten, sich finanziell an den Windkraftanlagen auf Gemeindegebiet zu beteiligen. Ostwind sichert zu, das für beide Projekte "in enger Abstimmung mit den Gemeinden zu prüfen. Das ist so besprochen."

Die beiden Windparks diesseits und jenseits der Bezirksgrenze scheinen also zu den seltenen Fällen zu gehören, bei denen es keinen Ärger gibt. Die letzten Nachrichten in Sachen Windkraft rund um Eichstätt hatten da ganz andere Schlagzeilen geliefert: Streitigkeiten zwischen den Gemeinden Walting und Pollenfeld, Windräder-Stress zwischen Einwohnern von Pollenfeld und der Genossenschaft Neue Energie Dollnstein. Der Schernfelder Bürgermeister, der in der Verwaltungsgemeinschaft Eichstätt Tür an Tür mit seinen Windkraft-geplagten Kollegen von Walting und Pollenfeld sitzt, hat da mit seinem Wald-Windpark eindeutig die besten Karten. Kommentieren will er das allerdings nicht: "Ich lasse mir da nichts entlocken."

Und der Raitenbucher Bürgermeister Josef Dengler denkt mit Grausen daran, was für sein Gemeindegebiet einst schon alles in Überlegung war: ein Windpark direkt neben dem Ortsteil Bechthal im Anlautertal zum Beispiel. "Für uns ist das eine große Erleichterung. Der Wald ist einfach das Ideale", sagt Dengler. Das Landschaftsbild werde geschont, die Bürger nicht belastet. Auch wenn es nun im Wald sehr lange gedauert habe, etwa wenn Wissenschaftler gemäß der äußerst strengen Naturschutzauflagen wochenlang nach dem Schwarzstorch fahndeten: "Ich habe nie daran gezweifelt."

Der Leiter des Forstbetriebs Kipfenberg, Walter Erl, zeigte sich auf Anfrage erleichtert, aber auch eine Spur genervt: "Wir wären glücklicher gewesen, wenn wir das alles zeitiger geschultert hätten", sagt er. "Es hat sieben Jahre gedauert, um diese artenschutzrechtliche Prüfung zu schaffen. Ständig mussten neue Arten abgehandelt werden" - Tiere, die noch irgendwie ins Visier der Natur- oder Vogelschützer geraten waren. Zuletzt: die Haselmaus. "Die Firma Ostwind war fast am Verzweifeln."

Doch jetzt ist zumindest auf der Weißenburger Landkreisseite alles wasserdicht. Erl: "Wir haben den größten Windpark weit und breit.