Pfünz: Dem Himmel ganz nah
Mit den verschiedensten Teleskopen – ob Marke Eigenbau oder professionelles Equipment – beobachteten die Astronomiefreunde am Osterberg Sterne und Sonne. Organisator Uli Zehndbauer (rechts) ist recht angetan von dem Platz, auf dem man sich seit 1997 trifft. Nachts eröffnen sich spektakuläre Blicke, die Holger Altmann festgehalten hat: unten links auf den Elefantenrüssel-Nebel, rechts ein Perseide, aufgenommen am Donnerstagnacht gegen 3.20 Uhr. - Fotos: smo/Holger Altmann
Pfünz

„Da, in der Mitte, ja, genau, das ist ein kleiner Sonnenfleck.“ Michael Guggemos ist angetan. Er sitzt am Samstagnachmittag auf seinem kleinen Drehhocker und hat gerade sein Spiegelteleskop aufgebaut. Ein paar Wolken ziehen über den Himmel, lassen die Sonne aber nie ganz verschwinden. Die kleine regnerische Abkühlung vom Freitagabend ist vergessen. Einen Schattenplatz gibt es am Osterberg bei Pfünz nicht. Den will Guggemos aber jetzt auch gar nicht. Er will die Sonne beobachten. So wie er das mit dem Himmel insgesamt seit mehr als 15 Jahren tut. Und schuld ist das gut einen halben Meter lange Teleskop, das vor ihm steht.

Auf einem Dachboden hat er es entdeckt, erzählt der gebürtige Allgäuer. Völlig ramponiert. „Verwenden hätte man das nicht mehr können.“ Er hat sich eingelesen, das Instrument aufpoliert und „langsam die ersten Schritte gemacht“. Wie Pilzesuchen sei die Astronomie: „Du freust dich immer, wenn’st was findest“, sagt Guggemos im breitesten allgäuerisch. Abends, wenn er beobachtet, genießt er die Ruhe, die Stille, sagt er. „Fast meditativ.“ Das ist es auch, was es Jutta Klingenberg, die aus der Nähe von Pfaffenhofen kommt, an der Astronomie angetan hat: „Es ist entspannend.“ Noch etwas fasziniert Guggemos: „Du bist praktisch wie in einer Zeitmaschine“, sagt er und zeigt auf sein Teleskop. „Das, was ich da sehe, ist vielleicht vor drei Millionen Jahren passiert.“ Wie es heute aussieht, wisse kein Mensch. Sagt ’s und schaut wieder durch das Okular in Richtung Sonne.

Keine fünf Meter weiter sind auch Timm Kloses Augen in den Himmel gerichtet. Der 72-Jährige aus Gengenbach im Schwarzwald steht stolz neben seinem „Teleskop in Federleichtbauweise“, wie er es nennt. Keine 25 Kilo wiegt das rund zwei Meter hohe Teil. Klose zeigt auf die Ausstellungsstücke, die ein Anbieter vor der Selbstversorgerhütte aufgebaut hat. „In dieser Brennweite würde das normalerweise mindestens 80 Kilo wiegen.“ Er hat sich über die Jahre die Methode der Leichtbauweise angeeignet – und mehrere Teleskope so gebaut. Und überhaupt: Von der Sternenkunde fasziniert ist der gebürtige Münchner Klose schon seit seinem fünften Lebensjahr. Da hat ihm sein Vater den Jupiter gezeigt. Dann hat es ihn nicht mehr losgelassen. So, wie man eigentlich immer zur Astronomie kommt: Über Eltern, Freunde oder Bekannte – wie es auch Kerstin Fink aus der Nähe von Forchheim bestätigt. Für sie braucht’s nicht immer eine große technische Ausstattung: „Es reicht manchmal auch, einfach die Augen offen zu halten, Sternbilder zu sehen, Sternschnuppen zu beobachten.“

Das war übrigens am Osterberg auch möglich – wer es lang genug aushielt. Denn die Perseiden waren nur in der zweiten Nachthälfte zu sehen. Und am Donnerstag, als die Organisatoren schon am Osterberg waren, hat es auch noch nicht geregnet. Im Gegensatz zu Freitag- und Samstagabend, was Organisator Uli Zehndbauer von den Ingolstädter Astronomiefreunden bedauert. So reiste ein Teil der Gäste schon früh wieder ab. Und es kamen nahezu keine Besucher zu dem Treffen oberhalb von Pfünz, die beispielsweise Überflüge der Internationalen Raumstation hätten bestaunen können. Das Treffen findet übrigens mit kurzer Unterbrechung seit 1997 auf dem Osterberg bei Pfünz statt.

Auch wenn hier die „Lichtverschmutzung“ zunehme – der Osterberg biete für solche Treffen die richtige Infrastruktur. Das wissen offenbar auch die Gäste zu schätzen: Rund 70 Freunde der Sternenkunde waren dieses Mal gekommen – bis aus Frankfurt (Oder).