Möckenlohe: "Römer" wollen an Fördertöpfe
 
Möckenlohe
Nun kletterte sie – als römische Dame gewandet – auf die Quadriga. Am Wochenende war wieder Römerfest bei der Villa Rustica und Niebler hatte die Schirmherrschaft übernommen. Es war kein reiner Selbstzweck, sondern der Verein „Römervilla Möckenlohe“ bemüht sich um europäische Fördergelder. Da war es ganz gut, dass die Europa-Abgeordnete sich selbst ein Bild machte.

Sie war nicht allein gekommen: In ihrer Begleitung befand sich Johanna Leissner von Fraunhofer Institut, das für europäische Fördergelder zuständig ist. Leider würden solche Projekte wie hier nicht in dem Ausmaß gefördert wie momentan Erneuerbare Energien, sagte Leissner. Doch einen Fördertopf gebe es, immerhin mit drei Millionen Euro bestückt, der für die Erforschung und den Erhalt von Kulturlandschaften im ländlichen Raum gedacht ist.

Es gebe sogar noch eine andere Möglichkeit: Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt, die größte Umweltstiftung in Europa, hat ein Förderprogramm für Modellobjekte aufgelegt, die sich mit Kulturgütern, dem Kulturerbe und mit Kulturlandschaften befassen. Auch das könnte für Möckenlohe zutreffen. „Ich bin total begeistert, wie sich Privatpersonen so für das Kulturerbe einsetzen“, sagte Leissner, „und auf diese Weise zeigen, wie es früher war.“ Zukunft könne man nicht gestalten, ohne die Vergangenheit zu kennen, betonte sie im Gespräch mit dem EICHSTÄTTER KURIER. Bis 16. Oktober müssen die Förderanträge bei der EU vorliegen. Was die Deutsche Bundesstiftung betrifft, ist es heuer zu spät. Da müsse man sich bis nächstes Jahr gedulden. Wenn Geld fließt, kann man es in Fortbildungsprogramme stecken oder damit Netzwerke zu anderen Ländern aufbauen beziehungsweise vertiefen. „Da tun sich viele Dinge auf, an die man sonst nicht denkt“, lautet die Erfahrung von Leissner.

Ähnlich begeistert zeigte sich Angelika Niebler, der zum ersten Mal in Möckenlohe war. „Das ist beeindruckend, dieses lebendige Museum zu erleben.“ Dann stieg sie auf die Quadriga, die von Michael Donabauer gesteuert wurde. Ein ansehnlicher Zug von Römern, Kelten, Handwerkern sowie von römischem Ackergerät setzte sich in Bewegung. Kommentiert wurden alle Gruppen von dem Archäologen Karl Heinz Rieder, der sich selbstverständlich ebenfalls in eine weiße Toga gehüllt hatte.

Michael Donaubauer, der die Gäste, darunter zahlreiche Politprominenz, begrüßte, freute sich, dass sich im 25. Jahr das Römerfest ungebrochener Beliebtheit erfreut. Das liegt wohl auch an den Gruppen, die das Fest bereichern.

Direkt vor der Villa Rustica hat die Keltengruppe Benlauni aus München ihr Lager aufgeschlagen. Etwas abseits hängt ein Topf über offenem Feuer. Etwas köchelt vor sich hin. Blütenblätter schwimmen im Sud und – etwas, das wie Spaghetti aussieht? Kannten die vielseitigen Kelten die italienische Nudelspezialität? Liselotte Frei muss schmunzeln. Im eisernen Topf werden Wollfäden gefärbt, in diesem Fall mit Kamille, die einen gelblichen Farbton liefert. Neben der Feuerstelle hat sie die Pflanzen arrangiert, die sich zum Färben eignen. Intensiv sind Kastanie und Walnuss. Da nimmt die Wolle die Farbe direkt an. Normalerweise müssen die Fäden aber mit Alaun und Weinstein vorher gebeizt werden. „Zwiebel liefert Orange, Weide hellbraun, die Stockrose violettblau bis grau, aber leider kein Rot. Liselotte Freis Gewand jedoch zeigt einen satten Rotton. Die liefert eine spezielle Wurzel, die gemahlen werden muss.

Günter Mainka aus Röttenbach im Landkreis Roth schwingt den Hammer. Er hat sich selbst eine komplette Schmiede gebaut und zeigt nun in Möckenlohe sein Können. Als gelerntem Kunstschlossermeister fällt ihm das nicht schwer. Ein Stück Metall liegt in der glühenden Holzkohle. Mit einem Blasebalg facht Mainka das Feuer an, dann holt er mit der Zange das Metall aus der Glut und bearbeitet es mit dem Hammer. Was es einmal werden soll, wird dem Betrachter schnell klar: Einige Werkstücke liegen fertig in Reih und Glied – keltische Ringknaufmesser. Sie dienten für den Alltagsgebrauch, nicht aber als Waffen. Dekorativ sind sie allemal. Und einmal mehr wird klar: Primitiv war das Leben vor 1900 Jahren jedenfalls nicht.