Krut: 400 Schweine verendet
Etwa 100 Meter lang ist die Halle des Schweinemastbetriebs von Georg Schmidt in Krut. 400 der dort gemästeten insgesamt 1500 Tiere sind nach einem Blitzeinschlag und dem Ausfall der Belüftungsanlage verendet - Fotos: hr
Krut
Für den Schweinemäster Georg Schmidt (47) aus Krut ist der Unfall nicht nur ein wirtschaftlicher Schaden in einer Größenordnung von etwa 70 000 Euro. „Als Landwirte hängen wir natürlich an den Tieren, die wir von Anfang an aufziehen, da trifft einen der Tod gleich derart vieler Schweine besonders hart“, sagte er gestern gegenüber unserer Zeitung.

Er selbst war in der Nacht des Unfalls nicht vor Ort, sondern bei den Eltern seiner Frau in Frankreich. „Eigentlich wollte ich Mitte der Woche wieder zurück sein, habe dann aber verlängert“, geht er selbstkritisch mit sich ins Gericht. Ob er das Unglück dann hätte verhindert werden können?

Nein, meint er schließlich. Denn ein Mitarbeiter seines Mastbetriebs habe, nachdem es im Laufe des Abends mehrere Blitzschläge gegeben hatte, immer wieder überprüft, ob die Technik in der Großanlage reibungslos funktioniere. Zuletzt war der Mann laut Schmidt gegen 22.30 Uhr in dem etwa 500 Meter außerhalb von Krut angesiedelten Mastbetrieb: alles war in Ordnung. Erst am nächsten Morgen, am Donnerstag, zeigte sich dann die Tragödie: Von den insgesamt etwa 1500 Tieren, die Mäster Schmidt – sein Betrieb ist der wohl größte in der Region – großzieht, waren 400 verendet.

Die große Hitze der vergangenen Tage und Nächte mit um die 30 Grad und den Ausfall der Belüftungsanlage nicht überlebt hatten vor allem die etwa ein halbes Jahr alten Tiere, die kurz vor der Schlachtreife standen. Die bringen so um die 100 Kilogramm auf die Waage und „verbrauchen natürlich wesentlich mehr Sauerstoff als jüngere Tiere oder Ferkel“, sagt der Leiter des Amtes für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten Ingolstadt, Dr. Josef Mayer. Deshalb sei es auch nicht außergewöhnlich, dass die jüngeren Tiere die Schwüle und den Luftausfall überstanden hätten.

Über die Todesursache gibt es offiziell keine Aussage. Die Veterinärabteilung des Landratsamtes Eichstätt sei erst am Freitag von dem Vorfall informiert worden und vor Ort gewesen, teilte die Pressestelle des Landratsamtes Eichstätt mit. Da allerdings seien die Kadaver bereits beseitigt gewesen. Ob die Tiere erstickt, an der Hitze oder unter Stresseinwirkung verendet seien, könne nicht mehr geklärt werden, hieß es gestern. Den Abtransport selbst miterleben musste Georg Schmidt „zum Glück“ nicht, wie er selbst sagt. Darum kümmerten sich der 17-jährige Sohn des Schweinemästers und vor allem die Männer der örtlichen Freiwilligen Feuerwehr.

Den Stromausfall nach einem Blitz hat für Schmidt absoluten Seltenheitswert. „Seit zehn Jahren betreibe ich jetzt die Schweinemast in dieser Größenordnung, und noch nie ist etwas Derartiges passiert“, hadert er. Und in dieser Nacht scheinen alle Widrigkeiten zusammengekommen zu sein. Normalerweise geht bei einem Ausfall des Betriebssystems die Alarmanlage an und verständigt den im Ort wohnenden Schmidt. Doch das Festnetztelefon und die Alarmierung waren nach dem Blitzschlag ebenfalls außer Kraft gesetzt, und die Rufweiterleitung auf das Handy war nicht möglich, da der Mäster sich an einem Ort befand, an dem kein Netz vorhanden war.

Georg Schmidt zählt mit seinem Mastbetrieb zu den größten Mästern in der Region und zu den großen in Bayern. Seine Tiere bekommt er durch die Haltung eigener Zuchtsauen. In dem riesigen Stall, der zwischen Krut und Attenzell ausgelagert ist, werden die Tiere vom Ferkel bis zum schlachtreifen Schwein gehalten. Wöchentlich gehen aus seinem Betrieb etwa 70 bis 80 Tiere überwiegend zu lokalen Abnehmern, wie er sagt. Der 47-Jährige bewirtschaftet den Bauernhof und die Schweinemast mit seiner Familie und erzeugt auch das Futter zum großen Teil auf eigenen Feldern.

Ob er für den wirtschaftlichen Schaden versichert sei? „Die Versicherung hat bereits abgewunken“, so Schmidt, „die 70 000 Euro werde ich wohl verkraften müssen.“ „Ich hoffe auf eine Kulanzregelung.“