Kösching: 2500 Kilometer sind geschafft
Foto: DK
Kösching

Auf ihrer Reise haben sie ein Jobangebot als Tauchlehrer auf Gozo angenommen. Dabei war die kleine Insel nordwestlich von Malta gar nicht für einen Zwischenstopp vorgesehen. Eigentlich wollten Monika Baumann und Christian Wagner von Halle aus über Kösching erst einmal gen Balkan fahren. "Pünktlich zum Start hat sich unsere Reiseroute geändert", schrieb Baumann aber in einer E-Mail an unsere Zeitung etwa zwei Wochen nach der Abfahrt. Für August und September habe sie ein "super Angebot als Tauchlehrer auf Gozo" erreicht. "Wracks, Höhlen, Felsformationen - alles was das Taucherherz begehrt." Deshalb habe sie der Weg nun durch Italien geführt. Anfang Oktober soll es per Fähre über das Adriatische Meer nach Kroatien, Albanien oder Griechenland gehen und dann weiter wie geplant.

Der Startschuss fiel Ende Juni in Halle. Nach einem letzten Abstecher in Kösching, "Monis Kinderstube", zog es die beiden Richtung Alpen. "Unsere Strecke durch Deutschland und Österreich führt uns an einigen Seen vorbei", berichten die beiden in ihrem Blog. Wörthsee, Ammersee, Starnberger See, Kochel- und Walchensee lagen auf ihrer Route. "Leider wurde aus den geplanten Apnoetauchgängen nichts, denn es schüttete mal wieder", erzählen Baumann und Wagner von zahlreichen Regentagen. "Ein Gutes hatte das Wetter dann doch für uns übrig: Wir haben festgestellt, dass beide Regenhosen undicht sind, und konnten Ersatz besorgen."

Als es durchs Inn- und Ötztal mit "fantastischer Kulisse" ging, stieg laut Baumann langsam der Respekt vor dem Grenzpass nach Italien am Timmelsjoch auf 2509 Metern Höhe. "Die Alpen erwarten uns", schrieben die Radfahrer Mitte Juli in ihrem Internettagebuch. "Sie verstecken sich schüchtern hinter Wolken, schwarzen Wolken." Zweieinhalb Tage später - mit zahlreichen Pausen und zwei Übernachtungen auf 1500 Metern sowie 2100 Metern - erreichten Baumann und Wagner auf ihren Fahrrädern mit 60 Kilogramm Gepäck den Grenzpass. "Wir waren mächtig stolz und verließen den Pass mit dem Gefühl, dass auch höhere Berge befahrbar sind", ist im Blog zu lesen. "Der erste Test ist damit bestanden. Das Material hält gut, unser Team auch."

Dieser Zusammenhalt erwies sich in Italien wohl bei einigen unvorhersehbaren Ereignissen als sehr wertvoll. Unglücke wie eingezogene Bankkarten am Lago di Caldonazzo, Schlafplätze an als Straßenstrich genutzten Stränden südlich von Salerno oder falsch gebuchte Zugfahrten für die Abruzzenüberquerung kommen nämlich selten allein, wie sie feststellen mussten: Als es über "traumhaft ausgebaute Radwege inmitten von Wein- und Apfelplantagen" ging, stürzte Baumann nach einer Vollbremsung wegen einer heruntergefallenen Kamera. "Im ersten Moment dachten wir, die Tour endet im italienischen Krankenhaus", berichten die beiden. "Aber Glück im Unglück: nur Schürfwunden, blaue Flecken, ein gezerrter Oberschenkel und ein leicht verstauchtes Handgelenk."

Nach vielen Tagen mit Zeltplätzen unter dem Sonnenuntergang, Fahrten bei über 40 Grad im Schatten oder Nieselregen, Abstechern zu einsamen Buchten auf Sizilien oder Schnorcheln vor dem Frühstück drängelte "ein klein wenig die Zeit bis zum Jobbeginn Anfang August in Gozo". Bis Baumann und Wagner die Fähre nach Malta erreichten, standen über 2000 Radkilometer auf dem Tacho. "Ein bisschen sind wir stolz, es überwiegt allerdings der Respekt vor den kommenden Reisezielen", gaben sie einen Tag später - Anfang August endlich auf Gozo angekommen - an.

Nach den persönlichen Höhepunkten der bisherigen Reise gefragt, antworten die beiden mit "vielen Kleinigkeiten" wie unendlich langen Stränden, malerischen Buchten, frisch gepflückten Feigen, anderen Radfahrern als zeitweise Begleiter, kalten Getränken an einem heißen Tag oder der Gastfreundschaft der Italiener. "Wir wurden zweimal zum Übernachten eingeladen, bekommen Obst und Wasser geschenkt", schrieben sie.

Jetzt genießen Baumann und Wagner erst einmal ihre Zeit auf Gozo, wo sie als Tauchlehrer bis Ende September das Nautic Team Gozo in Marsalforn unterstützen. "Uns geht es super", sagen die beiden . Zu arbeiten, wo andere Urlaub machen, sei wirklich toll. "Die Sonne scheint hier jeden Tag, aber frei haben wir nur am Sonntag. Diesen nutzen wir regelmäßig, um die Insel zu erkunden." Abgesehen davon heiße es "tauchen, tauchen, tauchen an vielen unterschiedlichen Plätzen mit vielen interessanten Menschen". Und auch, wenn sich Baumann beim Tauchflaschenschleppen kürzlich den Rücken verrenkt habe und deshalb momentan arbeitsunfähig sei - "Höchststrafe auf einer Insel wie Gozo" - freuen sich die beiden über das bisher Erreichte: "Der Start ist gelungen."

Viele Bilder und schriftliche Eindrücke halten Monika Baumann und Christian Wagner in ihrem Blog fest. Dieser ist im Internet unter www.204bar.jimdo.com zu finden.