Kipfenberg: Kleine Kameraden gesucht
Nicht mehr nur die TV-Feuerwehrmannfigur Sam soll die Kinder für die Arbeit der Feuerwehren begeistern: Auch die aktiven Erwachsenen sollen Vorbild sein. Nun gründen sich im Landkreis immer mehr Kinderfeuerwehren - wie am kommenden Montag in Kipfenberg. - Fotos: Schneider
Kipfenberg

Was haben sie nicht alles schon probiert: Kommandant Christian Forster erinnert sich an eine Klingelputz-Aktion oder auch einen großen Tag der offenen Tür... "Die Resonanz war groß, aber es ist nichts hängengeblieben", sagt Kipfenbergs Vize-Kommandant Stefan Gerich: Die Feuerwehr braucht Nachwuchs. Schwarzmalen muss aktuell zwar noch keiner, immerhin hat Kipfenberg 54 Aktive und elf Jugendfeuerwehrler. Aber: 90 Prozent ihres Nachwuchses bekommt die Kipfenberger Feuerwehr derzeit direkt aus den eigenen Familien. "Wir haben vielleicht zwei oder drei, bei denen kein Angehöriger in der Wehr ist", sagt Gerich. "Aber wir müssen vorsorgen", mahnt Kreisbrandmeister Wolfgang Forster beim Pressegespräch im Gerätehaus.

Die Kipfenberger Feuerwehr geht jetzt einen Weg, den andere Vereine schon seit jeher beschreiten: eine frühe Einbindung der potenziellen späteren Aktiven. Es soll eine eigene Kinderfeuerwehr für Schüler zwischen acht und zwölf Jahren geben. Die Marktgemeinde im Altmühltal hat dann nach Lenting die zweite Kinderfeuerwehr. Auch in Kottingwörth ist bereits eine Gruppe angedacht.

"Wenn wir im Rahmen der Brandschutzerziehung in der dritten Klasse die Schüler auf Besuch im Haus haben, sind sie Feuer und Flamme", weiß Beate Sohmen zu berichten. Die Feuerwehrfrau wird die Kindergruppe leiten. Sie zieht aus diesen Begegnungen im Gerätehaus die bittere Erfahrung: "Bislang konnte man mit acht halt einfach nicht mitmachen und mit zwölf, wenn die Jugendfeuerwehr beginnt, sind die Kinder dann anderweitig beschäftigt." Sohmen ist selbst sozusagen Quereinsteigerin: Die dreifache Mutter hat sich vor 19 Jahren der Gruppe angeschlossen.

Diese Art der Nachwuchsarbeit muss aktuell in den Feuerwehrvereinen angesiedelt werden, erst mit zwölf Jahren besteht die Möglichkeit, in die "aktive Jugendfeuerwehr" zu wechseln, die dann auch von den Kommunen finanziell getragen werden. Die Bayerische Staatsregierung hat allerdings bereits eine Änderung des Feuerwehrgesetzes in den Landtag eingebracht, die das Mindestalter für die aktiven Feuerwehren von zwölf auf sechs Jahre senken soll. "Wir wollen Kinder und Jugendliche möglichst frühzeitig als unsere Retter von morgen begeistern", argumentiert hier Innenminister Joachim Herrmann (CSU).

So sieht das auch Gerhard Herzner, der stellvertretende Kreisjugendfeuerwehrwart: "Wir wollen versuchen, alle Kommandanten im Landkreis davon zu überzeugen, dass das eine wichtige Sache ist." Jede Feuerwehr, die eine Jugendgruppe hat, "braucht auch eine Kinderfeuerwehr", zeigt sich Herzner überzeugt.

Dabei wird natürlich nicht am schweren Gerät gearbeitet, wie Beate Sohmen erklärt. "Es soll um die Brandschutzerziehung gehen", reißt sie einen Aspekt an. Außerdem wolle sie die Kinder für das Ehrenamt sensibilisieren, ihnen zeigen, was Ehrenamt und Freiwilligkeit heißt, und das gegenseitige Vertrauen stärken: "Das braucht man nicht nur in der Feuerwehr, wo es um Teamarbeit geht, sondern auch im richtigen Leben." Alles aber unter dem Aspekt "Spaß und Überraschung": Man lasse sich "immer etwas einfallen, dass es nicht langweilig wird", verspricht Sohmen. Vielmehr solle einfach "in spielerischer Weise" mit dem vertraut gemacht werden, was die Feuerwehrarbeit später ausmacht. Versichert sind die Kinder übrigens über den Bayerischen Landesfeuerwehrverband. "Das ist alles geklärt", so die Verantwortlichen unisono. Nur eines wissen sie aktuell nicht: wie die Resonanz am Montag sein wird. "Wir lassen uns überraschen."

Zum Start der Kinderfeuerwehr sind Schüler zwischen acht und zwölf Jahren eingeladen: Treffpunkt ist am kommenden Montag, 24. April, um 17 Uhr am Feuerwehrgerätehaus an der Kindinger Straße 39. Die Treffen sind im 14-tägigen Turnus geplant, in den Ferien entfallen sie. Für Rückfragen steht Beate Sohmen zur Verfügung: Telefon (08465) 31 70, Telefax (08465) 17 21 56, E-Mail: sohmen.beate@online.de.