Kipfenberg: 2000 Jahre in 90 Minuten
Foto: Andreas Graf
Kipfenberg

Der Limeskönigin Claudia Partsch war es freilich vorbehalten, den bunten Reigen der Darbietungen zu eröffnen und die zahlreichen Besucher am Fuße der Burg zu begrüßen: "Der heutige Umzug ist der Höhepunkt des Limesfestes", sagte die aus Arnsberg stammende Regentin. Das Limesfest wolle die Vergangenheit des Ortes in die Gegenwart holen. Auch Kipfenbergs Bürgermeister Christian Wagner sprach Grußworte "an das Volk".

Eine knappe Stunde lang kamen dann Freunde von historischen Darbietungen voll auf ihre Kosten: Die Römer und Germanen waren die Ersten, die den Marktplatz stürmten. Doch anders als in alter Zeit standen die meist grimmig dreinschauenden Vertreter der Antike sich freundlich gegenüber. Und wäre es zum Kampf gekommen, wäre die Römer wohl mit ihren Anhängern deutlich in der Überzahl gewesen: Während die Vestalinnen, Römerinnen und Patrizierinnen allesamt auf Seiten der Lateinisch sprechenden Männer standen, mussten die Germanen ohne weiblichen Anhang auskommen. Im Zentrum der Darbietungen zur römischen Vorzeit stand eine Opferszene. Kreisheimatpfleger Karl Heinz Rieder stellte sich hier als römischer Priester zur Verfügung und erklärte den Ablauf: Ein Lamm sollte geschlachtet werden. Aus Gründen des Tierschutzes war man freilich auf ein gebackenes Lamm im Miniformat umgestiegen - und die Zuschauer hatten auch noch ihre Freude daran, denn nach der Opferszene verteilten die Vestalinnen das Gebäck.

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Ein Novum gab es dann im mittelalterlichen Block der Darstellungen zu sehen: Nach Jahren des "Single-Daseins" hatte Ritter Kropf (dargestellt von Anton Strobl) mit Konstanze Binder wieder eine Gattin Petrissa an seiner Seite. Bei Wein und vielen Früchten genossen die beiden gemeinsam mit den Edelleuten sichtlich die vielen Darbietungen ihrer Untertanen wie etwa den Tanz der Erntemädchen oder der Marktfrauen. Nachdem auch die Jäger noch eine Wildsau bei der edlen Gesellschaft abgelegt hatten, war der Schichtenunterschied nicht mehr zu leugnen.

Danach zogen die historischen Darsteller, die zahlreichen Blaskapellen, die Quadriga mit der Limeskönigin, die Markt-Geiß und die vielen aktuellen Gruppierungen wie Sportvereine oder Schützenvereine zum Festzelt. Dem Ort Kipfenberg ist es gelungen, knapp 2000 Jahre Geschichte auf die Länge eines Fußballspieles zu raffen - und das ganz friedlich.