Ingolstadt: Feingefühl mit der Motorsäge
27 Teilnehmer stellten sich dem forstlichen Wettbewerb des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. - Foto: Bauer
Ingolstadt

Drei Frauen und 24 Männer traten in Schernfeld an, um im Rahmen ihrer Berufsausbildung ihr Wissen und Können zum Thema Forstwirtschaft unter Beweis zu stellen.

Präzises Schneiden und der richtige Umgang mit der Motorsäge, fachgerechte Pflanzung, nachhaltige Waldbewirtschaftung, Unfallverhütung und Ergonomie waren gefordert. Dabei setzte sich Beate Bruglachner aus Eschling bei Burgheim als Siegerin gegen alle Mitbewerber durch.

Der forstliche Wettbewerb in der Region 10 ist eine überbetriebliche Ausbildungsmaßnahme für ganz Oberbayern Nord, die das AELF Ingolstadt für die Azubis im zweiten und dritten Lehrjahr organisiert. Bei der Vorbereitung auf den Wettbewerb erhielten die Lehrlinge in Schernfeld in einem mehrtägigen Intensivkurs von Profis der Forstverwaltung um Forstwirtschaftsmeister Andreas Böhm theoretische und praktische Ergänzungen zum Unterricht der Berufsschule.

Die Prüflinge haben fünf Disziplinen zu meistern. Zunächst steht der Wissenstest an. Fragen aus der theoretischen Ausbildung in der Waldwirtschaft müssen beantworten sowie Sträucher, Bäume und Holzarten, Forstschädlinge und Fraßbilder erkannt werden. Unfallverhütungsvorschriften und die Einhaltung der Arbeitssicherheit bilden einen Schwerpunkt.

Nach der Theorie geht es hinaus in den Wald beim Schernfelder Walderlebniszentrum. An der Station "Fallkerbschneiden" wird innerhalb von vier Minuten die Technik der Baumfällung mit Fallkerb und anschließendem Fällschnitt geprüft. Dabei legen die Beobachter großes Augenmerk auf Treffgenauigkeit, korrekte Schnittführung, saubere Bruchleiste und Bruchstufe und Arbeitssicherheit.

Beim Präzisionsschnitt muss von einem liegenden Stamm innerhalb von 30 Sekunden eine drei bis acht Zentimeter dicke Stammscheibe senkrecht abgeschnitten werden, ohne in den Boden zu schneiden. Die Station "Kombinationsschnitt" verlangt von den land- und forstwirtschaftlichen Lehrlingen, dass sie von einem hoch gelegten Stamm mit zwei sich genau treffenden, senkrechten Schnitten bei ein- und auslaufender Kette eine Stammscheibe abtrennen. Dazu haben sie ebenfalls 30 Sekunden Zeit.

Um nachhaltige Forstwirtschaft zu betreiben, werden Bäume nicht nur gefällt, sondern auch wieder neue gepflanzt. Daher wird beim forstlichen Wettbewerb die fachgerechte Pflanzung getestet. Innerhalb von zehn Minuten sind zehn Bäumchen gerade, im durchschnittlichen Abstand von 1,50 Metern, ohne die Wurzel zu verletzen zu pflanzen. Dabei achten die Bewertungsrichter auf eine ergonomisch günstige Körperhaltung und den richtigen Geräteeinsatz.

Die Teilnehmerin und spätere Wettbewerbssiegerin Beate Bruglachner aus Eschling bei Burgheim, die ihre praktische Ausbildung bei Josef Pfaffel in Attenfeld/Bergheim absolviert, lobte: "Eine tolle Herausforderung, da kann man sein Können unter Beweis stellen."

Für Franz Frank aus Ried/Schrobenhausen, Ausbildungsbetrieb Michael Stöckl in Holzkirchen/Ehekirchen, lag der Anreiz des Wettbewerbs nicht nur darin, sich mit anderen zu messen: "Man lernt viel, wiederholt, vertieft sein Wissen, verbessert sein Können - und es hat Spaß gemacht." Marina Brunnhuber lernt bei Josef Heieis in Workerszell. Sie wird einmal den elterlichen Hof in Irsching/Vohburg, zu dem auch Wald gehört, übernehmen. Sie freute sich: "Nun kann ich meinen Papa noch mehr unterstützen."

Roland Beck, Bereichsleiter Forsten vom AELF, beobachtete gespannt die angehenden Lehrlinge bei der Arbeit im Wald. Er betonte die Wichtigkeit einer breiten Berufsausbildung. Wegen der großen Bedeutung des Waldes für viele landwirtschaftliche Betriebe in Bayern seien waldbauliche Inhalte wesentliche Bestandteile der Ausbildung der jungen Landwirtinnen und Landwirte. Beck weiter: "Berufliche Wettbewerbe sind fester Bestandteil der Ausbildung, um die Motivation und den Ehrgeiz in der Berufsausbildung zu erhöhen."