Hofstetten: Eugens versunkene Naturerlebniswelt
Vor dem Schloss Hofstetten trafen sich die Gungoldinger Jagdhornbläser mit Horst Kreuzberger (4. von rechts), Albert Günther (4. von links) und Josef Schönwetter (7. von rechts). - Foto: Hager
Hofstetten

Nach einem musikalischen Gruß der Gungoldinger Jagdhornbläser begrüßten Albert Günther vom Historischen Verein Eichstätt und Josef Schönwetter vom Freundeskreis Leuchtenberg etwa 60 Gäste in der renovierten Remise im Schloss Hofstetten. Juri Leuschner als Gastgeber sprach dort zunächst über die Geschichte des Schlosses vom Mittelalter bis zur Leuchtenbergzeit. Nach einem weiteren Musikstück erläuterte Horst Kreuzberger die Bauvorhaben und Ideen von Herzog Eugen. Er errichtete das berühmte Leuchtenberg-Palais in München und Schloss Eugensberg am Bodensee. In seinem neuen Fürstentum Eichstätt aber ließ er den Herzoglichen Park aufbauen: einen großartigen Landschafts-, Wildtier- und Jagdpark mitten in Bayern.

Dazu wandelte er die ehedem fürstbischöflichen Forste auf den Höhen und in den Tälern im Süden seiner neuen Residenzstadt in eine romantische Naturerlebniswelt mit schattigen Alleen, eleganten Kutschensträßchen, lauschigen Pavillons und lichtdurchfluteten Waldwiesen um, auf denen untertags das Großwild äsen konnte.

Kreuzbergers These: Der Herzogliche Park war mehr als nur Mittel zum fürstlichen Jagdvergnügen. Vielmehr hatte Eugen drei Ideen, die er verwirklichte. Die erste war, den Forst in einen Park umzugestalten, in dem sich das tiefe Waldesdunkel auflöst in lichtdurchflutete Naturräume mit Einzelbäumen, Baumgruppen, vielbuchtigen Waldrändern und bunten Wiesen. Die zweite Idee war: Der Herzogliche Park sollte als Naturparadies heimische Wildtiere in Fülle beherbergen und besonders das Großwild auch erlebbar machen. Dafür ließ er die forstliche Bewirtschaftung der als Bauholz tauglichen Tannen, Fichten und Lärchen einstellen und förderte die "masttragenden" Eichen und Buchen, die beerentragenden Bäume sowie Wildobstbäume.

Zum Dritten verwirklichte er hier seine Ideen vom Jagen. In der abseitigen östlichen Ecke des Forstgebiets ließ Eugen auf 60 Tagwerk eine sogenannte Fasanerie mit Fasanen, Goldfasanen, Rebhühnern und Wachteln aufbauen. Weitab in den hoch gelegenen westlichen Wittmeswäldern ließ er auf knapp 1500 Tagwerk das robuste Schwarzwild bejagen. Im Zentrum lag der etwa 3700 Tagwerk große Rotwildbretpark.

Der Herzogliche Park hatte eine Gesamtgröße von etwa 5200 Tagwerk. Das Reservations- und Inventarisationsprotokoll von 1824 beschreibt die Einfriedung: "Um den ganzen Park steht ein Diel (Bretterzaun) mit 5 386 Säulen, 112 890 Palisaden, 16 715 Stangen, 15 441 Latten und in demselben befinden sich 36 Gattern und 18 Stiegel, Der ganze Umfang ist 101 084,5 Schuh." Letzteres entspricht etwa 30 Kilometern. Und weiter: "Das Hochwild im Parke besteht beiläufig in 82 Stück Hirschen, 167 Wildpret, 14 Damhirsche, 24 Damthieren und 168 Rehen." Dazu kamen im Frühjahr die Jungtiere.

Das Herzstück des Herzoglichen Parks war der Rotwildbretpark. Damit man von den Tieren unbemerkt diese Naturidylle bestaunen konnte, baute der Herzog am steilen Südhang einen runden, anmutigen Pavillon mit sieben umlaufenden Säulen, genannt August-Pavillon. Von diesem ganzen exponierten Punkt ist jedoch nichts mehr zu sehen, er ist im Loch des Steinbruches am Hauptbahnhof untergegangen.

Der Weg von der Residenzstadt Eichstätt zur Fasanerie führte nach dem Frauenberg durch einen wunderbar blühenden, duftenden und Obst tragenden Naturboulevard. Das Fasanenmeisterhaus lag außerhalb des verbretterten Palisadenzauns. Die Fasanerie war die Ouvertüre zum Herzoglichen Park, die wohl als Erstes aufgebaut und jagdlich genutzt wurde. Abschließend resümierte Kreuzberger: "Es waren großartige Ideen und die Ideen wurden großartig in die Natur umgesetzt. Leider ist so gut wie nichts geblieben."

Die Jagdhornbläser verabschiedeten die Gäste mit Jagdsignalen zum Rotwild, Damwild, Schwarzwild, Rehwild und Flugwild und einem Halali.