In Affenthal produzierte das Team Szenen für den neuen Film.
Manuel Staggl
Eichstätt

"Eine Party im Wald: ein Rave, der eskaliert und in einer Schlägerei endet. Jemand stirbt - aber bloß keine Polizei. Ab sofort beschuldigt jeder jeden", so beschreibt Antonia Titze ihr neuestes Projekt. Bisher drehte sie sogenannte Fanfilme für ihren Youtube-Account "Toni Titze" und spann dafür die Geschichten von bekannten Filmen und Serien wie "Tribute von Panem" und "Game of Thrones" weiter. Außerdem produzierte sie auch den 40-minütigen Film "Stay". Inspiriert wurde sie von dem Song "New Americana" der amerikanischen Alternative-Sängerin Halsey. Ihr neues Projekt sei nun zu 100 Prozent ihr eigenes, erklärt die gebürtige Münchnerin stolz. Sie studiert im dritten Semester Journalistik an der Katholischen Universität Eichstätt.

Schon früh hat sich Titze für Filme interessiert. "Ich wollte immer Videos drehen, aber mir hat einfach das Team gefehlt", erzählt sie. Das sollte sich ändern: Mit Schulfreunden und Bekannten aus ihrem Freiwilligen Sozialen Jahr drehte sie in Germering "Tribute von Panem". Die erste professionelle Kamera, eine Panasonic Gh4, bekam sie zum bestandenen Abitur.

Den Erfolg ihres ersten Films erklärt sie sich durch die große Fanszene, die jedes noch so kleine Detail beliebter Fantasy-Reihen und Kostümfilme aufsaugt: "Bei ,Tribute von Panem' haben die Fans das Bedürfnis, noch tiefer in die Story einzutauchen. Die Produktion von diesem Film ging mit den einfachsten Mitteln." Sie möchte die Geschichten weiterdenken und auch Grenzen sprengen. Nur so könne sie Konflikte zwischen Charakteren vertiefen.

Ihre beiden letzten Filme, "Stay" und Game-of-Thrones"-Fanfilm "Frozen Rivers" wurden vom Studentischen Konvent der Universität gesponsert. Die Bedingung: Sie müssen in Eichstätt gedreht werden. Darüber ist Titze froh. Sie habe dadurch gemerkt, welche Drehmöglichkeiten das Altmühltal bietet. In ihren Filmen erweckt sie teils mittelalterliche Szenen am Frauenberg, dem Steinbruch und dem Figurenfeld zum Leben. Aber nicht nur in der Natur findet sie ihre Drehorte. Ein WG-Zimmer in Eichstätt habe sie mal für ein "Game-of-Thrones"-ähnliches Gelage umdekoriert.

Mittlerweile besteht ihr Filmteam aus etwa 18 Schauspielern, mit von der Partie sind auch ein paar ihrer Kommilitonen. Hinter der Kamera kommen noch Zuständige für die Produktion dazu: Ein Freund komponiert die Musik, die ihre Bewegtbilder untermalt. Eine andere Freundin erstellt aufwendige Intros, wie zum Beispiel das für den "Game-of-Thrones"-Film.

SYSTEM
Eichstätt

Die Hauptarbeit hat immer noch Titze: Sie selbst schreibt das englische Drehbuch und führt Regie. Das Skript ihres aktuellen Projekts enthält etwa 30 Szenen. Ihren letzten Film hat sie in zwei Wochen geschnitten, jeden Tag fünf Stunden lang. In einem Seminar an der Universität lernt sie in diesem Semester den genauen Umgang mit dem Schnittprogramm Adobe Premiere - damit schneidet sie auch privat. Aus ihren Fehlern lerne sie, kommentiert die Studentin ihre früheren Werke. Eines haben diese Filme alle gemeinsam: Tote. "Meine Eltern sagen öfter: ,Kind, kannst du nicht Filme machen, bei denen keiner stirbt?'", erzählt Titze. Aber sie mag diese Inszenierung einfach, sie sorge für noch mehr Spannung. Auch besonderen Wert legt sie auf starke weibliche Hauptrollen: "Ich finde das toll, wenn ich mich mit den Protagonistinnen identifizieren kann."

Trotz ihres hohen Arbeitsaufwands steht für Titze das Miteinander im Vordergrund. Die Filme seien für sie wie eine Zeitkapsel, in der sie die gemeinsamen Erlebnisse und Erinnerungen mit ihren Freunden festhalten kann. Sei es das Aufstehen um 4.30 Uhr, um den Eichstätter Sonnenaufgang mit der Kamera einzufangen, oder das gemeinsame Frieren im Schnee in mittelalterlichen Gewändern.

Spielfilme sollen für sie aber ein Hobby bleiben. Später möchte sie beim Fernsehen arbeiten, am liebsten bei der BBC.

Zwei Drehtage stehen für ihr aktuelles Werk noch aus. Dieses Mal wird aber in München gefilmt. Ein weiteres Projekt für dieses Jahr plant Titze auch schon: die Fortsetzung ihrer Hommage an die Fantasy-Reihe "Tribute von Panem". Drehort wird unter anderem wieder der Eichstätter Steinbruch sein.