Mit gutem Beispiel voran für eine Stadtkultur im Zeichen der Inklusion: Alle dürfen mitmachen, Begabung ist nicht so wichtig. Dieses Prinzip sollten doch gerade Stadträte verinnerlicht haben. Und schließlich ist es ja ihnen zu verdanken, dass es die neuen Proberäume im Bahnhofskeller gibt. Großzügig haben sie 120 000 Euro dafür locker gemacht - warum soll ihnen das nicht selbst zugutekommen?

Moderne Unternehmen wie dieser amerikanische Herr Gugl machen es ja vor: Damit neue Ideen entstehen, müssen die Mitarbeiter sich wonnewattewohlfühlen. Also, wie wäre es damit: therapeutisches Trommeln, Gruppen-Improvisation (ja eh eine Königsdisziplin des Stadtrats), Singen mit Kreistänzen in den Fraktionen - bei der ÖDP ist das dann mehr ein Paartanz. All das fördert nämlich auch das Sozialverhalten, wie man weiß: den anderen zuhören, Rücksicht nehmen, nicht allein vorpreschen.

Aber da liegt halt auch das Problem. Ich kann mir lebhaft vorstellen, wie das läuft: Der OB drückt sich schüchtern herum und will höchstens ganz sachte trommeln. Der Schieren wittert seine Chance auf eine Gesangskarriere mit seinem sonoren Bass. Er träumt von großen Opernrollen, der mächtige Fürst Sarastro in der Zauberflöte vielleicht. Da ist der Willi Reinbold gleich dabei, der will der Vogelfänger sein. Die Albrecht möchte unbedingt die Carmen singen. Dann läuft's aber schon schief: Die Gottstein und die Schorer-Dremel streiten sich um die weibliche Hauptrolle, egal in welchem Stück. Der Lina Bert ist total gegen Oper, doch lieber was Heimatliches: Maultrommel! Die Frau Dr. Grund packt historische Instrumente aus dem Museumsdepot aus und setzt gleich zu einem Vortrag über die Geschichte an - und außerdem geistliche Werke, bitte! Der Pfaller Fred findet das alles doof, lieber Fangesänge üben, damit das im VfB-Stadion ab sofort besser klappt. Die Grünen-Fraktion hat sich ganz ausgeklinkt und zupft in einer Ecke auf Feenharfen herum. Doch das hört schon lang niemand mehr, denn der Janner hat die E-Gitarre ausgepackt und dreht richtig auf: Für seine Solo-Auftritte braucht's vorher keine Stadtratsmehrheit, das zieht er einfach allein durch.

Ich glaube, das mit der Band ist doch keine so gute Idee. Vielleicht stattdessen lieber eine Fußballmannschaft gründen - ist doch genauso Kultur. Damit würde sich der Nieberle dann auch wohlfühlen.

Pfüat Gott,

Ihr Schlossleutnant

Lorenz Krach