Eichstätt: Von Falschspielern und Pharisäern
Geld für soziale Zwecke übergaben CSU-Ortsvorsitzende Carmen Albrecht (links), Stellvertreterin Elisabeth Gabler-Hofrichter und Gabriele Lindemann (rechts) an Gerhard Miehling von Nachbar in Not (2. von links) und Dr. Sigurd Eisenkeil für die in der Entwicklungshilfe tätige Organisation Ärztecamp - Fotos: hr
Eichstätt
Etwa 100 Mitglieder – und damit deutlich mehr als zur letzten OB-Wahl-Veranstaltung mit Ingolstadts OB Alfred Lehmann am 19. März – waren gekommen, um den Vorschlag des Vorstands für die Delegierten für die Kreisvertreterversammlung zur Bundestags- und zur Landtagswahl einstimmig anzunehmen.

Im Mittelpunkt des Abends allerdings stand die Wahlnachlese. Und da war es mucksmäuschenstill im Saal, als Walter Eisenhart von einer „an Klarheit kaum zu überbietenden“ Niederlage und einer „bitteren Erkenntnis“ sprach, als er die 72 Prozent für seinen Mitbewerber Andreas Steppberger noch einmal kurz anführte. Manches, so Eisenhart, sei ihm in den inzwischen gut sieben Wochen nach der Stichwahl „klarer“ geworden, manches sei nach wie vor „unerklärlich“. Als „Wahlverlierer“ allerdings müsse er sich nicht schämen oder rechtfertigen. Er habe sich nichts vorzuwerfen: Der Wahlkampf sei professionell, mit großem Engagement und Herzblut und bis zuletzt fair geführt worden. Die Entscheidung jedenfalls, so Eisenhart, habe ihn nachdenklich, aber nicht verzagt gemacht. Und eines sei auch klar: Die Wähler hätten „das ganz Andere, Unbekannte“ gewollt.

Dass das Ergebnis aber auch auf die fehlende Unterstützung „der ganzen CSU“ zurückzuführen sei, daran ließ er keinen Zweifel. Er sei nach einem einstimmigen Vorstandsbeschluss und einer 95-prozentigen Zustimmung bei der Nominierungsversammlung angetreten. Aber: „Die eigenen Leute waren nicht geschlossen hinter mir“ und es habe trotz Versprechen und Schwüren „Falschspieler und Pharisäer auch in den eigenen Reihen“ gegeben. Von Parteimitgliedern, so Eisenhart, sei „zumindest ein annähernd berechenbares und parteisolidarisches Verhalten“ zu erwarten.

Wie aber sei es um den Zusammenhalt in der Partei bestellt, „wenn zahlreiche CSUler offen gegen ihren eigenen Partei Kandidaten reden und sich offen für einen anderen Bewerber aussprechen“? Eisenhart hinterfragte die Bereitschaft, gemeinsam für ein Wahlziel zu kämpfen und zu arbeiten, fragte nach gemeinschaftlichen Zielen und Visionen, für die es sich lohne, zu ringen und „seine Meinung offen und beherzt zu sagen und dafür einzustehen“. Und er stellte Fragen nach dem „Korps-Geist“, stellte den Zusammenhalt in den eigenen Reihen und die CSU als politische Gemeinschaft infrage.

„Neben diesen innerparteilichen Befindlichkeiten“ stellte Eisenhart einen eklatanten Wandel im politischen Verhalten der Gesamtgesellschaft fest mit dem Ergebnis, dass „Wahlen offensichtlich nicht mehr hauptsächlich mit dem Kopf“ entschieden würden, dass auch in Eichstätt politische Stimmungen nicht mehr berechenbar seien, und, dass bisherige Grundsätze wie „Für ein politisches Amt braucht man gewisse Voraussetzungen“ nicht mehr gelten würden.

Den Wahlsieger forderte er auf, jetzt eine „Gegenleistung“ zu erbringen. Schließlich seien die 72 Prozent eine gehörige Portion „Vertrauensvorschuss“, den es einzulösen gelte.

Die CSU-Fraktion im Stadtrat und auch er würden nach wie vor engagiert für die Stadt weiterarbeiten. An die Mitglieder appellierte er, die CSU für die Stadtratswahl im Jahr 2014 „stark“ zu machen. Ob er selbst 2014 erneut für den Stadtrat kandidieren werde, ließ er offen.

Demgegenüber äußerte Ortsvorsitzende Carmen Albrecht ihre Hoffnung auf eine „gemeinsame Zukunft mit Walter Eisenhart für die CSU und den Stadtrat“. Sie hatte zuvor auch „nachdenklich'“ das Wahlergebnis bilanziert und die Mitglieder aufgefordert, mehr als bisher aufeinander zu hören und miteinander zu reden. „Sprechen Sie mit mir und nicht mit anderen“, forderte sie zu einem fairen Umgang miteinander auf. Eisenhart dankte sie, wie auch die Kreisvorsitzende Tanja Schorer-Dremel, für seinen „bedingungslosen Einsatz“.