Eichstätt: "Du wusstest immer, woher du kamst"
Ein Herz und eine Seele: Bürgermeister Josef Schmidramsl (rechts) würdigte die Verdienste Arnulf Neumeyers, seines Freundes seit Kindertagen, als Oberbürgermeister mit viel Herzblut.
Eichstätt
"Kein Pardon" kannte Bürgermeister Josef Schmidramsl, der nämlich gleich zu Anfang seiner Laudatio erwähnte, dass es der scheidende Oberbürgermeister eigentlich gar nicht so recht mag, im Mittelpunkt zu stehen, und er diesem Festakt erst nach einiger Bedenkzeit zugestimmt habe.

Rund 1000 Sitzungen habe Arnulf Neumeyer während seiner 18-jährigen Amtszeit im Rathaus geleitet, rechnete Schmidramsl vor: „Eine unvorstellbare Zahl und ein Beweis deines großen Fleißes.“ Insgesamt waren es 58 Stadträte, mit denen Neumeyer als OB zusammengearbeitet habe. Schmidramsl hatte noch weitere Zahlen parat: Die städtischen Haushalte während dieser 18 Jahre hatten ein Gesamtvolumen von 354 Millionen Euro – 78 Millionen davon wurden in die städtische Infrastruktur gesteckt: angefangen von den Baugebieten am Seidlkreuz und in Landershofen über den Neubau des Heilig-Geist-Spitals bis hin zur Erschließung der Spitalstadt. Gerade dieses Großprojekt „wird immer mit deinem Namen verbunden sein“.

Schmidramsl ließ den Schuldenstand nicht außen vor: Der sei von damals gut fünf auf jetzt 8,6 Millionen Euro gestiegen. Dies liege zum einen am Einbruch der Gewerbesteuer in den Jahren 2000 und 2001 und zum anderen daran, „dass in Eichstätt unter deiner OB-Regentschaft viel geschaffen wurde“.

Neumeyer sei innerhalb ganz kurzer Zeit ein sachlich und fachlich hoch kompetenter OB geworden, sagte Schmidramsl, „der wirklich rund um die Uhr für seine Stadt aktiv war“. Er habe sich in all den Jahren nie geschont: „Wie oft habe ich dir ins Gewissen geredet? Nein, du hast dich an deinen Schreibtisch gesetzt, manchmal auch geschleppt.“

Mit einem Wort sei Arnulf Neumeyer natürlich nicht zu charakterisieren, meinte Schmidramsl. Er sei „absolut kein Parteimensch“, kein Taktierer – und auch keiner, der eine Chance hätte, „einen Wettbewerb in feiner Diplomatie zu gewinnen“. Vielmehr sei er ein Vertreter der klaren Sprache, „auch wenn’s mal weh tut oder knirscht“. Schmidramsl lobte auch Neumeyers Bescheidenheit: „Du wusstest immer, woher du kamst – aus der Mitte der einfachen Leute.“

Arnulf Neumeyer sei aber auch „ein höchst empfindsamer, sensibler und dadurch sehr verletzlicher Mensch“, fuhr Schmidramsl fort, der ihn seit seiner Kindheit kennt. Da könne schon mal ein „Vulkan ausbrechen“, wenn Neumeyer sich ungerechtfertigt attackiert fühle. „Da fallen auch mal Worte, die du Stunden später bereust.“ Aber genau in diesen Situationen „zeigst du wieder wirkliche Größe, indem du dich entschuldigst“.

Die 18 Jahre unter Neumeyer hätten der Stadt gut getan, schloss Schmidramsl: „Ja, du hast viel bewegt – äußerlich im Stadtbild und auch innerlich in den Herzen der Menschen.“

Aus seinem Herzen keine Mördergrube machte das scheidende Stadtoberhaupt bei seiner letzten Ansprache: Er habe seine Arbeit mit Herzblut getan, ließ Neumeyer wissen. Einen Seitenhieb auf den nur zwei Stühle neben ihm sitzenden Andreas Steppberger konnte er sich nicht verkneifen: Dessen Aussage, das liegen gebliebene aufarbeiten zu wollen, habe ihn betroffen gemacht. Steppberger habe ihm damit Faulheit unterstellt. Aber: „Ich weiß, wie Arbeit schmeckt.“ Und: „Liegen geblieben ist nichts.“ Auch die „Unterstellungen“ im Rahmen der „Kugelberg-Affäre“ und zum Thema Storg-Treppe sprach Neumeyer nochmals an. Bis heute habe er keine Entschuldigung dafür erhalten. Das war’s aber schon mit dem Blick zurück im Zorn. Insgesamt seien es „18 wunderschöne Jahre“ gewesen, bekannte er. Dafür gab es stehenden Applaus, was Neumeyer mit „das ist fast schon zu viel hier“ quittierte.