Mittwoch, 23.05.2012 |

 

08.02.2012 19:44 Uhr | 592x gelesen
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Vorstände auf der Anklagebank


Ingolstadt/Eichstätt (reh) Ihre Eigenständigkeit hat die Volksbank Eichstätt längst verloren, da sie in finanzieller Schieflage mit der Raiffeisenbank Ingolstadt fusionieren musste. Doch jetzt holten die ehemaligen Vorstände vielleicht ein letztes Mal die alten Tage ein.


Die Vorstandsvorsitzenden Gert Nunius (bis Ende 2005) und Peter Knust (bis Ende 2007) sowie ein 39-jähriger Ex-Vorstandsassistent mussten sich jetzt in München vor Gericht verantworten. Ihnen wurde von der Staatsanwaltschaft München II, die auf Wirtschaftsdelikte spezialisiert ist, gemeinschaftliche Untreue beziehungsweise Beihilfe vorgeworfen. Die Anklagebehörde wollte die drei Bänker für eine vermeintliche Verfehlung aus dem Jahr 2004 drankriegen. Sie hatten, so der Vorwurf, der Volksbank einen Schaden von fast einer Million Euro aufgehalst, da sie einem Firmenkunden aus Abensberg lange Zeit tatenlos bei dessen zweifelhaften Finanzgebaren zugesehen hatten. Die Kreditlinie der angeschlagenen Firma war bei der Bank fast regelmäßig ausgeschöpft. Sie griff deshalb auf „Liquiditätshilfen“ der Beteiligungsfirma eines Mitgeschäftsführers zurück, indem per Lastschriftverfahren von dessen Konto abgebucht wurde. Doch es gab weder Lieferungen noch sonstige reale Leistungen dafür. Als der Gesellschafter den Lastschrifteinzug binnen der rechtlich erlaubten sechs Wochen widerrief, liefen bei der Bank die Schulden auf. Von Oktober bis Dezember 2004 fast eine Million Euro, die die Abensberger Firma nicht mehr zahlen konnte.

Der Prozess sollte vor längerer Zeit am Ingolstädter Amtsgericht ablaufen, doch der zuständige Schöffenrichter verwies das Verfahren wegen der Bedeutung nach München. Fünf Tage waren nun eingeplant. Doch der Prozess endete bereits am ersten Tag, da sich die Ankläger, Rechtsanwälte (mit den Angeklagten natürlich) und Gericht auf einen Deal einigten: Das Verfahren wurde für alle drei Herren gegen die Zahlung einer Geldauflage eingestellt. Nunius muss 13 000, Knust 11 000 und der ehemalige Bereichsleiter 5000 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung überweisen. Dann ist die unerfreuliche Episode der Bankenhistorie abgeschlossen. „Das ist aber keinesfalls mit einem Schuldeingeständnis gleichzusetzen. Das ist auch ausdrücklich so formuliert“, sagt Anwalt Jörg Gragert aus Ingolstadt, der den früheren Vorstandsassistenten vertrat.

Gegen die Einstellung des Verfahrens wehrte sich die Staatsanwaltschaft bis zuletzt. Kurz vor Prozessbeginn beglich allerdings die Beteiligungsfirma die letzten offenen Forderungen aus der Million. „Ein tatsächlicher Schaden ist der Bank also letztlich nicht entstanden, es ging nur noch um eine Vermögensgefährdung“, erklärt Gragert. Unter dieser Voraussetzung ließ sich die Anklageseite auf den Deal ein. Das Vertrackte: Die Bank hatte die ganze Geschichte selbst ins Rollen gebracht. Sie stellte seinerzeit Anzeige wegen des Verdachts der Geldwäsche gegen die beiden Firmenkunden. Doch die Ermittler drehten bald den Spieß um.

 


Von Christian Rehberger

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