Liberalitas Bavariae
Eichstätt (kno) Sind „Hallo“ und „Tschüss“ zu flapsig und respektlos? In einer Passauer Schule ist man dieser Meinung. Sie wurde kurzerhand zur „Hallo- und Tschüss-freien Zone“ erklärt. Ein freundliches „Grüß Gott“ und „Auf Wiedersehen“ sei doch viel wohlklingender. An Eichstätter Schulen herrscht eher Unverständnis über diese Grußverordnung.
„Mir würde ein bayerischer Gruß natürlich besser gefallen“, sagt Hans-Peter Sandner, Leiter der Realschule Rebdorf. Allerdings sei ihm auch ein freundliches „Hallo“ lieber als gar kein Gruß. „Eine ordentliche Grußkultur liegt uns sehr am Herzen“, so Sandner. Eines gehe allerdings nicht: „Ich kann zu einem Schüler ja nicht ,Servus’ sagen.“ Andersherum ginge das selbstverständlich auch nicht.
Eine Verordnung wie in Passau könne er sich für die Mittelschule Eichstätt-Schottenau „auf gar keinen Fall vorstellen“, betont Konrektor Dr. Werner Schön auf Anfrage. Im Übrigen hält er die Diskussion für ziemlich überflüssig: „Wenn das eine einzige Schule in ganz Bayern macht, muss man ja nicht gleich Hurra schreien und auf diesen Zug aufspringen.“ In der Berufsschule werde das Thema durchaus differenziert betrachtet, betont deren Leiter Dr. Alfons Frey: Während es bei den Handwerksberufen vernachlässigbar sei, würden die Kaufleute in Knigge-Kursen schon auf korrekte Umgangsformen getrimmt. Und da seien „Hallo“ und „Tschüss“ nicht unbedingt vorteilhaft in der Begegnung mit Kunden. An der Schule selbst müsse die Distanz zwischen Schülern und Lehrern gewahrt bleiben, meint Frey, und da werde eben ein freundliches „Auf Wiedersehen“ erwartet.
„Tu felix Batavia (du glückliches Passau)“, stöhnt der Leiter des Willibald-Gymnasiums, Gerhard Miehling; „Wenn die in diesen schulisch heißen Zeiten keine anderen Probleme haben.“ Am WG gebe es selbstverständlich keine Vorgaben. „Wir freuen uns, wenn die Schüler grüßen“, gibt Miehling sich bescheiden. Und verabschiedet sich – wie einige andere übrigens auch – mit einem knackigen „Tschüss“.
Simon Hajek (13) und Antonia Kreutz (13), beide Schüler am GG, halten wenig von einem Verbot von „Hallo“ und „Tschüss“ wie in Passau. „Ich könnte das gar nicht anders“, sagt Antonia. Zwar spreche ihre Familie bayrisch, sie selbst aber nicht: „Es würde mir unglaublich schwerfallen, bayrisch zu grüßen. Ich stehe zu meiner Begrüßung. Würde ein Verbot kommen, würde ich trotzdem weiter Hallo und Tschüss sagen.“ Auch Simon hat sich bereits an die norddeutsche Variante gewöhnt: „Eigentlich sagen alle aus meinem Freundeskreis Hallo und Tschüss. Das ist überhaupt nicht respektlos gemeint, sondern völlig normal. Es wäre eine enorme Umstellung für mich, das zu ändern.“Marlene Knobloch (17) unterscheidet genau, bei wem sie welche Grußformel verwendet: „Bei Lehrern gehört es sich einfach, ,Grüß Gott’ und ,Auf Wiedersehen’ zu sagen.“ Zu Autoritätspersonen passen die traditionellen Grußformeln einfach besser, meint sie. „Aber eigentlich halte ich Hallo und Tschüss für eine neutrale Begrüßung.“
Patrick Beck (17, rechts) und Alexander Beierl (16) sehen das Thema unterschiedlich. Alexander könnte mit einem Verbot leben: „Ich fände das gar nicht schlecht. Sonst stirbt die bayrische Sprache irgendwann aus. Vielleicht ist ein Verbot übertrieben, aber die Pflege unserer Kultur ist mir wichtig.“ Patrick fände es überhaupt nicht gut, wenn ein Verbot wie in Passau auch in Eichstätt gelten würde: „Das wäre schon blöd. Ich sage zu Leuten, die ich sieze, Hallo und Tschüss. Zu meinen Freunden sage ich Servus. Ich achte darauf, dass ich dabei abwechsle, damit auch die bayrische Sprache oft genug zum Ausdruck kommt. Dazu braucht es aber kein Verbot“, meint der Schüler.
Jürgen Knopp
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