Eichstätt: Helfen mit Facebook
Der erste Scheck: Dominik Zagler (2. von links) und Daniel Zintl (2. von rechts) übergaben 500 Euro für die Johann-Nepomuk-von-Kurz-Schule an Schüler, Rektorin Gabriele Hopfengärtner (links) und Stellvertreter Harald Christmann - Foto: privat
Eichstätt
„Mensch, uns geht's doch richtig gut, wirklich richtig gut“, hatten sich Zagler und Zintl vorigen Sommer gedacht, als sie mit Familien und Freunden gemütlich beim Grillen in Eichstätt beieinander saßen und feststellten: All ihre Lieben sind gesund, im Job läuft's rund. Herz, was will man mehr?

Und mittendrin in dieser wohligen, zufriedenen Zwischenbilanz des Lebens kam das Gespräch dann irgendwie auf die Hungersnot in Somalia und das Elend in der Welt. „Und da haben wir uns gedacht, wir haben doch genug, wir können doch 'was abgeben.“ Es muss ja nicht für Somalia sein, auch in der Region gibt es genug soziale Einrichtungen, die Spenden gut gebrauchen können.

Reichtümer haben die beiden freilich nicht zu verschenken. Zagler ist in Ingolstadt als Lagerleiter beschäftigt, Zintl arbeitet als Leitender Angestellter in Ingolstadt, hat Frau und Kind und baut gerade ein Haus in Eichstätt-Landershofen. „Aber wenn viele Leute wenig geben, kommt doch auch eine Menge zusammen“. Die Idee selber ist nicht neu, damit hatte schon Karl-Heinz Böhm 1981 über „Wetten dass“ seine Äthiopienhilfe „Menschen für Menschen“ ins Leben gerufen.

Zintl und Zagler freilich fangen ein paar Nummern kleiner an: Ihr Projekt nennt sich „Hand in Hand“ und läuft über die Internet-Plattform Facebook.

Es funktioniert ganz simpel: Freunde und Freunde von Freunden – und davon haben Zagler und Zintl jede Menge – beantragen bei der Facebook-Gruppe „Hand in Hand“ ihre Mitgliedschaft. Wenn Zintl und Zagler ihr Einverständnis dazu geben, ist man dabei und bekommt die Daten für das Spendenkonto: Minimum sind drei Euro pro Monat, Maximum gibt es natürlich keines. „Wir hatten auch schon Leute, die 200 Euro gespendet haben.“

Die Mitglieder können dann auch Vorschläge machen, an wen die Spenden gehen sollen. Darüber wird dann abgestimmt und, wenn genug beisammen ist, das Geld ausgeschüttet. Die erste Runde ist jetzt gelaufen: Als erste hat am Freitag die Johann-Nepomuk-von-Kurz-Schule in Ingolstadt 500 Euro erhalten. 200 Euro gehen an das „Beebob“-Projekt in Kambutscha, und 100 Euro an das Tierheim Ingolstadt. Dann gab es noch spontan 100 Euro für die Typisierungsaktion für Luca in Stammham.

Jetzt startet die zweite Runde. Und dabei rechnen die beiden Initiatoren schon mit deutlich mehr Mitgliedern. Angefangen hatten sie mit einem knappen Dutzend, inzwischen sind es (Stand gestern) 52, überwiegend aus den Bereichen Eichstätt und Ingolstadt. „Da sind jetzt auch schon die ersten Leute dabei, die wir gar nicht mehr selber kennen.“ Und so soll es auch weitergehen: Je mehr die Facebook-Seite weiterverbreitet wird, desto mehr Spender werden sich finden.

Rechtlich gilt „Hand in Hand“ als eine Fördervereinigung, sie hat eine Satzung, „alles geht mit rechten Dingen und transparent zu“, darauf schaut auch ein befreundeter Eichstätter Anwalt. Die Kontobewegungen werden im Internet veröffentlicht, es fallen außer der Kontoführungsgebühr keine weiteren Verwaltungskosten an.

Die Facebook-Gruppe soll nach dem geglückten Start jetzt zügig wachsen. „Man verdaddelt so viel Zeit auf Facebook, da kann man auch mal 'was Sinnvolles tun“, sagt Zintl. Allerdings soll der Spaß nicht zu kurz kommen, denn „wir müssen uns ja nicht schuldig fühlen, weil es uns gut geht“. Er und Zagler hoffen jetzt darauf, dass viele Facebook-Nutzer Mitglied und damit „mit einem kleinen Beitrag Teil von etwas Großem werden“ wollen.

Die Facebook-Gruppe „Hand in Hand“ hat als Erkennungszeichen mehrere übereinander gelegte Hände und die Adresse http://www.facebook.com/groups/195687667164073.