Eichstätt: "Hervorragende Inspirationsquelle"
Der Dortmunder Architekturprofessor Rolf Ahnesorg (rechts) kommt seit 1987 mit seinen Studierenden nach Eichstätt, um sie hier in einem architektonisch einzigartig dichtem Umfeld zu schulen. Diese Woche ist er wieder mit 70 Studierenden in der Stadt. Unterstützt wird er von drei Kollegen, darunter seine Frau Margit (links), hier an der „Alten Aula“, die Karl Frey zur heutigen Uni-Teilbilbiothek gestaltet hat. - Foto: chl
Eichstätt
In dieser Woche haben sich wieder gut 70 Zweitsemester der Dortmunder Fachhochschule mit ihren Zeichenblöcken an den verschiedensten Ecken der Innenstadt niedergelassen – in der Woche vor Pfingsten gehören diese Gäste mit ihren Campingstühlen schon zum Stadtbild. Über 1600 angehende Architekten hat Rolf Ahnesorg schon zu seinen Exkursionen nach Eichstätt mitgenommen, seit 1987 kommt er beinahe jedes Jahr mit einer neuen Gruppe hierher. „Schattner ist der Anlass und der Ausgangspunkt für meine Exkursionen.“

Dass der international bekannte Eichstätter Ehrenbürger und Diözesanbaumeister a. D., Karljosef Schattner, dieses Jahr am 10. April im Alter von 87 Jahren verstorben ist, berührt den Dortmunder. Schattner habe es geschafft, dass in einer eigentlich sehr kleinen Stadt wie Eichstätt Architektur zum Thema gemacht werde. „Ohne sein Wirken würden auch die barocken Gebäude hier nicht so strahlend leuchten“, sagt Ahnesorg.

Dass eine Kleinstadt einen Architektenwettbewerb zum Beispiel für ein Freibad ausschreibt, sei nicht selbstverständlich: „Schattner hat in der Stadt den Anstoß zu einem ästhetischen Anspruch gegeben, das ist sein Verdienst.“

Für Architekten aus aller Welt, und natürlich besonders für Architekturstudenten, biete Eichstätt mit seiner qualitativ hochwertigen Architektur eine „hervorragende und nachhaltige Inspirationsquelle, auch die Perfektion ist in dieser Dichte einmalig“, schwärmt Ahnesorg.

Hätte Schattner diesen Anspruch nicht so formuliert, wäre die Stadtentwicklung eine andere gewesen und der Boden wäre wohl kaum bereitet gewesen für die modernen Bauten von Karl Frey oder Günter Behnisch in der Stadt – dessen ist sich der Architekturprofessor sicher.

Seinen Studierenden bietet Ahnesorg deshalb nur zu gerne einen einwöchigen Arbeitsaufenthalt in Eichstätt an. Hier sollen die angehenden Architekten ihre Wahrnehmung und ihr ästhetisches Empfinden schulen und das Zusammenspiel von historischen Gebäuden und moderner Architektur erleben. Und das gelingt am Besten mit dem Zeichenstift. Professor Ahnesorg ist überzeugt: Das exakte Betrachten und Zeichnen besonderer Perspektiven und Details werde die Studierenden nachhaltig beeindrucken.

„Ein Architekt begnügt sich nicht mit der äußeren Erscheinung eines Raumes, sondern stellt, bei allem, was ihn interessiert, die Frage: Wie wird das gemacht“, erklärt Ahnesorg. Das will er seinen Studenten auch mit dieser Zeichen-Exkursion vermitteln. Die Kunst sei, das Bauwerk und seine räumlichen Bezüge auf das Wesentliche zu bringen.

Aus seinen vorherigen Exkursionen weiß Ahnesorg, dass diese Exkursionen seine Studierenden nachhaltig beeindrucken: „Viele kommen auch später immer wieder gerne hierher.“

Die Inspirationsquelle Eichstätt streut weit über die Landesgrenzen hinaus.