"Gedächtnis der Region" schaffen
Eichstätt (EK) Heute endet die erste Phase des Projekts fliesstext10.de: Erzählte Geschichte und Geschichten aus der Gegend, hochgeladen auf der Homepage, sollen die Region 10 verbinden helfen. Projektkoordinator für Eichstätt ist Florian Sochatzy; mit ihm sprach Redakteurin Eva Chloupek.

Der Eichstätter Projektkoordinator Florian Sochatzy ist gleich doppelt an Fliesstext10.de interessiert: Als Historiker und als Internet-affiner Filmemacher. - Foto: chl
Florian Sochatzy: Ich bin wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Uni für Theorie und Didaktik Geschichte und Filmemacher. Von daher habe ich gleich zwei gute Gründe, da mitzumachen.
Sie sind im Web 2.0 aktiv, wie schätzen Sie dieses Projekt ein? Ist es eines von vielen oder ist es einzigartig?
Sochatzy: Das Web 2.0 funktioniert ja immer so, dass Leute etwas zusammentragen. Bei Wikipedia funktioniert es auch nicht anders. Dem abstrakten Gebilde "Region 10" mit vielen Geschichten eine Geschichte geben, das habe ich aber so noch nirgends gesehen.
Jeder, der mitmachen will, ist noch bis heute aufgerufen, seine Geschichte in Text, Foto oder Film hochzuladen. War der Aufruf dazu erfolgreich?
Sochatzy: Ich war schon relativ erstaunt, dass wir schon 160 Beiträge bekommen haben, das ist mehr, als ich gedacht habe. Ich würde schon sagen: Es hat funktioniert.
Also sind Sie zufrieden?
Sochatzy: Ja, schon. Obwohl ich mit mehr Filmen gerechnet habe, da ist außer meinen eigenen wenig dabei. Und auch die Beteiligung von Schulen habe ich mir stärker vorgestellt. Aber insgesamt haben wir schon eine schöne Bandbreite beisammen.
Sie sind Historiker. Lässt sich das Fliesstext10.de-Projekt auch wissenschaftlich nutzen?
Sochatzy: Gute Frage. Ich denke schon. Ich mache nächstes Semester Seminare, die sich mit Gedächtnis beschäftigen. Was ist den Leuten wichtig, was treibt sie um? Ich könnte mir schon vorstellen, dass die Analyse der Beiträge eine Seminararbeit werden kann.
Zum Beispiel?
Sochatzy: Zum Beispiel die Vertriebenenfrage. Das ist bis heute ein Thema, das die Menschen bewegt.
Heute ist "Einsendeschluss", am 10. Oktober startet dann in der Region ein Festival dazu. Ist dann das Thema nächstes Jahr erledigt?
Sochatzy: Ich weiß es nicht. Aber ich wäre schon stark dafür, dass diese Seite weiter besteht. Wenn man die technischen Barrieren noch senkt – momentan ist es noch etwas kompliziert, da etwas hochzuladen, aber ich helfe gerne –, wäre das eine superschöne Sache, muss aber auch finanziert werden. Dann könnte sich im Laufe der Jahrzehnte ein kollektives Gedächtnis der Region entwickeln.
Wie geht es für Sie selber und ihren "Lichtpunkt-Film" weiter? Schon neue Projekte am Start? Was macht die Kunst?
Sochatzy: Filmmäßig hab ich neben gewerblichen Imagefilmen auch eine Dokumentation in Planung – erste Kontakte zu 3sat und ARTE sind schon geknüpft.
Sie und ihre Freundin Veronika Obermeier sind mit den Eichstätter Künstlerinnen Cendra Polsner und Pauline Füg und anderen Mitglied der "Eichstätter Schule". Tut sich da die junge Kunst zusammen, Stichwort Poetry Slam, Radient Audiovisual Arts, Großraumdichten?
Sochatzy: Der Name "Eichstätter Schule" ist eigentlich als Spaß gesagt worden. Aber jetzt ist das schon ernst gemeint, da passiert immer wieder etwas zusammen.
Vor allem im Internet. Sie sind allesamt junge Künstler, die es nach Eichstätt verschlagen hat. Ist Eichstätt ein gutes Pflaster für junge Kunst?
Sochatzy: Es ist immer wieder faszinieren, dass es in dieser kleinen Stadt so viele Leute gibt, die wirklich Profis in dem sind, was sie tun. Und wenn man hier wirklich etwas machen will, dann geht das auch, dann kriegt man überall problemlos Unterstützung. Wenn immer wieder gesagt wird, dass es hier nichts gebe, dann muss ich sagen: Das stimmt einfach nicht.
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