Eichstätt: "Mir loun unsan Dom in Eichstätt!"
Allerbeste Faschingsstimmung und viele originelle Kostüme - darunter auch die Bürgermeister Claudia Grund und Gerhard Nieberle (im großen Bild oben mit "Pille-Palais"-Medaillen-Träger Jörg Edelmann in der Mitte) gab es bei der zwölften Prunksitzung des Mut e.V. im voll besetzten "Gutmann"-Saal zu erleben. Mit dabei im vierstündigen Programm (unten, von links) Claudia Seltmann als Zenzi, Willi Eisenhart als Schlossleutnant Krach, Veronika Hallmeier und Sissi Wein als Sissi und Vroni und Melanie Arzenheimer als Prof. Dr. Amalia Störzenhofecker-Pasatelski. - Fotos: Kusche
Eichstätt

Das fantasievoll kostümierte Publikum war sofort Feuer und Flamme und ließ ungewohnte karnevalistische Refrains und \"Helau\"-Rufe ertönen: Von "Viva Colonia!" über das nun schon legendäre "Pille Palais!" bis zum "Rot und weiß - so schlägt das Eichstätter Herz!" Ordentlich eingeheizt wurde ihm durch die "Henkerskappell'n" um Schorsch Irmer. Mehr als vier Stunden zog sich die Sitzung hin - und war doch keinen Augenblick langweilig, denn ein Kalauer jagte den nächsten: Slapstick, Comedy, Blödelei, Tanz, Musik, Gesang, Lokalkolorit und bitterböses Kabarett. Breiter konnte das Spektrum einer Prunksitzung eigentlich nicht sein.

Diesmal eröffnete Melanie Arzenheimer in ihrer Paraderolle als Prof. Dr. Amalia Störzenhofecker-Pasatelski den Reigen der Büttenreden und hielt den Eichstättern in ihrer "Vorlesung" einen wissenschaftlich gestützten Spiegel physikalischer Gesetzmäßigkeiten vor: So sei das neue futuristische Dach des Eichstätter ZOB nichts anderes als ein neuer Beleg für ein EEF, ein gescheitertes "Experimentum Eystettensis fatalis". Denn jeder, der unter dem Dach Schutz suche, sei seitlich dem Wind und Regen ausgesetzt, sodass er dem Regen schließlich zuruft: "Mach mich doch nass, du A ...!" Weitere Ärgernisse wie die SSS, die "sinnlosen Sitzungsschleifen", die sich in Eichstätts Lokalpolitik über Jahre oder Jahrzehnte hinschleppten und jede Entscheidung im Keim erstickten, unterlegte die Professorin mit genüsslichen Anekdoten - sehr zur Erheiterung der beiden anwesenden Bürgermeister Claudia Grund und Gerhard Nieberle.

Fotostrecke: Prunksitzung Mut e.V.

 

Aus einer ganz anderen Richtung pirschte sich das Entertainer-Duo Joachim Grzega und Bea Klüsener an die Lachmuskeln des Publikums heran: Sie kamen dem Erfolg von Helene Fischers erotisch mit "H" angehauchten Vokalen auf die Spur (nach dem Modell "Hatemlos durch die Nacht") und setzten die neuen Erkenntnisse auch gleich in die Praxis um - sehr zum Vergnügen der johlenden Zuschauer.

Nach der Preisverleihung der "Medaillé de Pille Palais" an den Musikdozenten, Chorleiter von EI-Vox und Uni-Bigband-Chef Jörg Edelmann, der sich intensiv für den musikalischen Austausch zwischen Stadt und Universität eingesetzt hat, bot der eben Gewürdigte gleich selbst eine Kostprobe seines Könnens und präsentierte sein urkomisches "Lied vom Eierkocher". Eine wahre Attacke auf das Zwerchfell boten auch die beiden Fleischereifachverkäuferinnen Sissi und Vroni (alias Sissi Wein und Veronika Hallmeier), zwei gestandene Weibsbilder auf der Suche nach einem echten Mann, aber bitteschön keinem dünnen und blassen "Körndlfresser", sondern am liebsten einem strammen Metzger mit blutiger Schürze und Gummistiefeln.

\tNach der Pause überzeugte das Funkenmariechen Daniela Branner durch eine akrobatische Solo-Tanzeinlage, bevor die Eichstätter Faschingsgesellschaft der "Gutmann"-Bühne einen kurzen Besuch abstattete. Eine Solodarbietung von Schorsch Irmer ließ die Gäste immer wieder anstoßen, und anschließend trat mit der "Zenzi aus Landershofen" - fantastisch gespielt von Claudia Seltmann - ein echter "Brüller" auf: Treuherzig erzählte die intellektuell begrenzte, jedoch mit vielen weiblichen Rundungen und einer sehr direkten Sprache ausgestattete Bäuerin von ihren Irrungen und Wirrungen auf der Suche nach einem passenden Mann. Eine Zote folgte der nächsten (frei nach dem Motto: "Das Sportlichste an mir ist mein monatlicher Eisprung") und der erotische Bäuerinnentanz der "Perle von der Güllegrube" war kaum noch zu überbieten. Schlossleutnant Lorenz Krach in der Person von Willi Eisenhart sinnierte geistreich über das Bauwesen in Eichstätt: Die geplante Turnhalle für die Berufsschule störe seinen Blick auf die Stadt ebenso wie das "Aquarium" (die Mensa), die irgendein "hirnrissiger Diözesanbaumeister mitten in das historische Ensemble des Rebdorfer Klosters" gesetzt habe. Herrlich bissig gestalteten sich auch seine Anekdoten über die Entstehung der Spitalstadt, die nicht auf einen echten Architektenentwurf zurückgehe, sondern in Wirklichkeit auf einen ordinären Schuhkarton, den ein Schulbub bei einer Besichtigung des Rathauses zurückgelassen habe, der aber die Jury überzeugen konnte und von der Firma Meier sofort nachgebaut wurde.

Das fränkische Musik- und Kabarettisten-Duo "Kohler Brothers" aus Treuchtlingen erzählte viel "aus'm alldächlichen Lebn halt": Ob am Campingplatz in Nudisten-Kreisen, beim Abnehmen vor dem Kühlschrank oder im Lied über den schmerzreichen, kaum zu ertragenden "Männerschnupfen". Als einer der beiden Comedians gar mit der Zenzi aus Landershofen einen an Erotik kaum zu überbietenden Tanz hinlegte, hatte die Stimmung ihren absoluten Höhepunkt erreicht.