Nicht nur eine Hochschule im Grünen, sondern auch eine grüne Hochschule möchte die KU sein.
Nicht nur eine Hochschule im Grünen, sondern auch eine grüne Hochschule möchte die KU sein. Im Rahmen ihrer ersten Nachhaltigkeitswoche lädt die Katholische Universität zu Vorträgen, Workshops, einem umweltfreundlichen Weihnachtsmarkt und Filmvorführungen ein.
Klenk/upd
Eichstätt
Warum die Transformation zu einer zukunftsfähigen Gesellschaft so schwierig ist, damit beschäftigt sich der Nachhaltigkeitsforscher Felix Ekardt in seinem aktuellen Buch "Wir können uns ändern". Im Rahmen der Nachhaltigkeitswoche an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt wird er einen Vortrag halten. Vorab sprach er mit unserer Zeitung über Klimaschutz und Wandel.

 

 

Herr Ekardt, Sie schreiben viel darüber, wie schwer es Menschen fällt, sich zu verändern. Warum ist das so wichtig, wenn man über mehr Nachhaltigkeit nachdenkt?

Felix Ekardt: Normale Bürger, Politiker, Manager, Wissenschaftler und Journalisten sind allesamt Menschen. Sie unterliegen im Grundsatz ähnlichen Motiven. Und Wandel oder seine Verhinderung ereignen sich immer im Wechselspiel verschiedener Akteure. Es ist deshalb sinnlos zu fragen, ob eher die Wähler und Konsumenten sich ändern müssen oder eher Politik und Unternehmen. Das eine geht jeweils nur, wenn auch das andere passiert. Und auf "den Kapitalismus" zu schimpfen, greift auch etwas kurz. Denn auch der wird von Menschen gemacht und durch Kauf- und Wahlentscheidungen am Leben gehalten.

 

Wie Wandel geht, kann man nicht nur aus einer Perspektive erklären, sagen Sie. Was muss man denn alles beachten, um zu verstehen, wie Menschen etwas anders machen können?

Ekardt: Menschen sind besonders durch Eigennutzenkalküle, Pfadabhängigkeiten, Gefühle und Normalitätsvorstellungen geprägt. Das tägliche Fleisch, die tägliche Autofahrt zur Arbeit und die jährlich zwei oder drei Urlaubsflüge machen meine Facebook-Freunde und Nachbarn doch auch alle. Ich bin es so gewohnt, finde es bequem, negative Folgen verdränge ich. Wobei, ich selbst bin Vegetarier, habe keinen Führerschein, und mein letzter Urlaubsflug ist Jahrzehnte her.

 

Eine Ihrer Thesen ist: Dass es mit dem Klimaschutz nicht vorangeht, liegt nicht an mangelndem Wissen oder mangelnder Bildung. Warum glauben Sie das?

Ekardt: Es ist kein bloßer Glaube, sondern lange bekannt, dass Faktenwissen und Werte allein Menschen einzeln und gemeinsam nur bedingt bewegen. Die genannten anderen Faktoren sind wichtiger. Deshalb haben Ökos mit ihren Fernreisen oft den größten ökologischen Fußabdruck, denn wer gebildet ist, ist oft auch wohlhabend.

 

Woran scheitert der Wandel zu mehr Nachhaltigkeit denn Ihrer Meinung nach bislang?

Ekardt: Wie gesagt an vielen Faktoren. Es gibt auch da keine einfachen Wahrheiten. Von denen handelt übrigens auch mein zweites Taschenbuch von 2017 - Kurzschluss: Wie einfache Wahrheiten die Demokratie untergraben. Es zeigt, dass keinesfalls nur Populisten, sondern wir alle zu Unterkomplexität neigen.

 

Macht mehr Nachhaltigkeit glücklich?

Ekardt: Immer mehr Produkte und Dienstleistungen kaufen macht meist nur sehr kurzfristig glücklich, wenn überhaupt. Speziell die Fernreise wird als vermeintlicher Sinnstifter grotesk überschätzt. Die Sinnfrage in einer postreligiösen Welt werden wir damit nicht los. Wir sterben trotzdem irgendwann.

 

Die Fragen stellte Katrin Poese.

 

 

VORTRAG

Am Mittwoch, 13. Dezember, spricht Felix Ekardt zum Thema "Wir können uns ändern - Bedingungen individuellen und gesellschaftlichen Wandels zur Nachhaltigkeit". Der Vortrag beginnt um 18 Uhr im Raum 101 des Kollegiengebäudes A an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. Ekardt ist seit Anfang 2009 Gründer und Leiter der Forschungsstelle Nachhaltigkeit und Klimapolitik in Leipzig und Berlin. Ferner ist er seit 2002 Juraprofessor, erst an der Uni Bremen, dann an der Uni Rostock. Er forscht zu Ethik, Recht, Politik und Transformationsbedingungen der Nachhaltigkeit.
 

Programm

Eichstätt (upd) Unter dem Motto "Weniger ist mehr" findet die erste Nachhaltigkeitswoche der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt von Dienstag, 12. Dezember, bis Donnerstag, 14. Dezember, statt. Veranstalter sind das Nachhaltigkeits-Team der KU, der Studentische Konvent und zahlreiche studentische Hochschulgruppen.

Weihnachtsmarkt: Passend zur Jahreszeit steht die Aktionswoche auf dem Eichstätter Campus auch im Zeichen von nachhaltigem Handeln rund ums Fest: Im Foyer der Aula findet sich am Dienstag von 11 bis 14 Uhr sowie am Mittwoch und Donnerstag von 11 bis 15 Uhr ein Weihnachtsmarkt mit verschiedenen Info- und Verkaufsständen, an denen Lebkuchen, Honig von "Eichstätt summt!" oder Würzmischungen erhältlich sind. Außerdem können die Besucher ihre alten Handys spenden, damit die Geräte wiederverwendet oder recycelt werden. Pro Handy geht ein Euro als Spende an missio. Der Weihnachtsmarkt bietet auch einen Geschenke-Tauschbasar, bei dem man nicht benötigte Geschenke gegen andere tauschen kann, um Geldbeutel und Umwelt zu schonen.

Weihnachtswerkstatt: Am Mittwoch und Donnerstag von 14 bis 17 Uhr kann man im Studihaus unter Anleitung mit einfachen Mitteln und durch Recycling individuelle Geschenke herstellen - von Schmuck über Marmelade bis zu Peelings.

Filme: Zum Titel "Unser gemeinsames Haus" veranstaltet die Katholische Hochschulgemeinde und das Umweltreferat des Studentischen Konvents am Dienstag, 12. Dezember, ab 19 Uhr in der KHG (Kardinal-Preysing-Platz 3, Eichstätt) einen Kurzfilmabend. Zu sehen sind Beiträge zu den Themen Um- und Mitwelt, soziale (Un-)Gerechtigkeit, Klimawandel und Konsum. Sie werfen die Fragen auf: Was reicht uns zum Leben? Was ist zu viel? Was braucht es, damit die Erde überleben kann? "SDS.Die Linke" zeigt außerdem am Donnerstag, 14. Dezember, ab 14.30 Uhr im Studihaus den Film "Tomorrow - Die Welt ist voller Lösungen".

Workshops: Auf dem Programm stehen am Mittwoch, 13. Dezember, drei Workshops: DenkNachhaltig! e.V. veranstaltet ab 11.30 Uhr ein World-Café zur Bedeutung von Nachhaltigkeit aus der Perspektive von Politik, Wissenschaft, Wirtschaft, Gesellschaft und Kirche. Die Juso-Hochschulgruppe geht ab 14.15 Uhr im Raum 006 des Kollegiengebäudes E der Frage nach: "Soziale Nachhaltigkeit: Utopie oder erreichbares Ziel?". Um 15.45 Uhr beginnt ein Workshop mit der Nachhaltigkeits-Geographin Maria Döpke zu Wirkungen des Fairen Handels auf die Produzenten auf der südlichen Halbkugel.