Eichstätt
"Integraler Bestandteil der Gesellschaft"

Katholische Universität begeht akademischen Feiertag mit Kardinal Marx und Minister Spaenle

05.12.2016 | Stand 02.12.2020, 18:57 Uhr

Foto: Marco Schneider

Eichstätt (EK) Locker und fröhlich ging es gestern zu beim akademischen Feiertag der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU). Vergessen die negativen Schlagzeilen, der Blick in allen Reden ging nach vorne. Im Mittelpunkt stand die Amtseinführung von Präsidentin Gabriele Gien - und eine besondere Ankündigung von Kardinal Reinhard Marx.

Da hat es selbst den Sekretär der deutschen Bischofskonferenz, Pater Hans Langendörfer, gerissen, als Kardinal Reinhard Marx gestern beim "Dies academicus" ankündigte: "Ich werde mich bemühen, die gesamte deutsche Bischofskonferenz mit einzubeziehen." Am Rande hatte Langendörfer gegenüber unserer Zeitung zuvor noch gesagt, seine - übrigens erstmalige - Anwesenheit beim "Dies" sei als "Zeichen der Verbundenheit" zu werten. Nun könnte offenbar mehr daraus werden. Marx bremste allerdings selbst gleich wieder: Er brauche die Einstimmigkeit aller deutschen Bischöfe. Da müsse man zeigen, dass etwas getan werde, welche Expertisen man habe. "Aber wenn etwas geschieht, dann wird die Neugierde auch von anderen groß." Und die hat er bei einigen Mitbrüdern nun offenbar festgestellt. "Der Rückenwind ist da", sagte Marx in seinem Festvortrag zur Amtseinführung der im Juni neu gewählten KU-Präsidentin Gabriele Gien. Zu der waren übrigens nicht nur die oberbayerische Vize-Regierungspräsidentin Maria Els und eine ganze Reihe an Rektoren anderer bayerischer Universitäten - auch das ein Zeichen, dass die KU wieder anders innerhalb der bayerischen und deutschen Hochschullandschaft wahrgenommen wird - gekommen, sondern auch der frühere Interimspräsident Andreas Lob-Hüdepohl.


Er sei ein "zufriedener Magnus Cancellarius, dessen Erwartungen aber nicht zu Ende sind", sagte Marx. Eine Universität sei ein "lebendiger Organismus, der nach vorne ausgerichtet ist und neugierig ist, was noch zu denken und auf den Weg zu bringen ist". Das neue Präsidium um Gien, die bereits vor ihrer für jetzt fünf Jahre geltenden Wahl übergangsweise mit der Hochschulleitung beauftragt war, habe Bereitschaft gezeigt, "etwas Neues in Gang zu bringen": Es sei voller Ideen und Pläne. Marx nannte innerhalb dieser zukunftsweisenden Projekte unter anderem die erst vergangene Woche offiziell besiegelte Kooperation mit den anderen K-Hochschulen in Bayern (wir berichteten). Auch im Blick auf die aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen solle die KU eine Rolle spielen: Es brauche heute mehr denn je eine Bildung, um sich dann in "verantwortlicher Freiheit das Gute entscheiden zu können". Ein liberaler Rechtsstaat könne nur darauf aufbauen.

Eine ähnliche scharfe Analyse dessen, was Universität heute leisten muss, hatte zuvor bereits der Sprecher des Studentischen Konvents, Fabio Jacob, in seinem Grußwort dargelegt: "Wir müssen uns für Rechte und Pflichten in einer Demokratie einsetzen und sie im täglichen Leben verteidigen." Deswegen dürfe man an einer Hochschule, vor allem nicht an einer katholischen, das gesellschaftliche Umfeld aus dem Blickfeld verlieren. "In einer Zeit, in der der innergesellschaftliche Diskurs zum Erliegen kommt" müsse es Aufgabe einer Universität sein, sich nicht nur in die Debatte einzuklinken, sondern auch Lösungen aufzuzeigen, so Jacob. "Die KU ist ein integraler Bestandteil der Gesellschaft." Bayerns Wissenschaftsminister Ludwig Spaenle nannte die KU einen "Solitär", der nicht nur "wachsen und reifen, sondern auch strahlen" dürfe. Denn, eine Interdisziplinarität, wie sie in Eichstätt gepflegt werde, fände man so schnell an keinem zweiten Standort, so der CSU-Politiker: "Auch das ist ein Alleinstellungsmerkmal, auf das man stolz sein kann."