Eichstätt: Zählen und messen
 
Eichstätt
Ausgerüstet mit Feldcomputer – natürlich wetterfest –, vielerlei Messinstrumenten und einem GPS-Gerät sind derzeit in ganz Oberbayern rund 20 speziell ausgebildete Förster und Waldarbeiter unterwegs, um Geländeaufnahmen für die Bundeswaldinventur 3 zu machen. Vor 25 Jahren wurden dafür eigens kleine Eisenstangen in den Boden getrieben – allein in Oberbayern an 1065 Stellen, bayernweit sind es sogar 7800.

Schon vor einigen Tagen haben Wilfried Pförtsch vom AELF Fürstenfeldbruck und Michael Kriesche vom AELF Ingolstadt mit der Arbeit in der Region begonnen. Rund sechs solcher Aufnahmepunkte können die beiden – wie übrigens alle ihre Kollegen – an einem Tag aufsuchen, vorausgesetzt, die Witterung passt. Mehrere Kilo Gepäck sind für das Zwei-Mann-Verfahren zu schultern.

Mithilfe eines GPS-Empfängers kann sich der Inventurtrupp im Wald orientieren und bekommt auf den kleinen Waldlaptop schon gleich die notwendigen Informationen geliefert – unter anderem die Erhebungsdaten der Bundeswaldinventur 2 aus dem Jahr 2001/02. „Je nachdem, wie lange wir einen Messpunkt suchen, dauert die Erfassungsarbeit innerhalb eines Messfeldes“, erklärt Pförtsch (siehe eigener Artikel). Dabei erfassen die Inventurtrupps detaillierte „Steckbriefe“ der Waldbestände, vermessen die Bäume und zählen die gegenüber der letzten Inventur geernteten Hölzer.

„Wir müssen die Qualität unserer Wälder aufrechterhalten“, betont Hans-Joachim Klemmt, der Leiter der Bundeswaldinventur in Bayern. Deswegen sei es notwendig, verlässliche Zahlen zu bekommen, wie sich der Holzbestand verändere. „Wir arbeiten bei der Bundeswaldinventur nicht nur im Staatswald, sondern auch in den Privatwäldern“, erklärt Hans-Joachim Klemmt. Dass diese Qualitätssicherung notwendig ist, betont auch Forstdirektor Michael Strixner vom AELF Ingolstadt. „Der Wald ist das großflächigste Ökosystem in Bayern.“ Die erfassten Daten seien für „forst-, wirtschafts- und umweltpolitische Entscheidungen“ bedeutsam, unterstreicht Strixner.

Gerade in Bayern, wo über 35 Prozent der Fläche bewaldet sind und das den höchsten Holzvorrat Europas vorweisen kann, müsse die Waldbewirtschaftung auf fundiertem Zahlenmaterial aufgebaut werden.

Wenngleich sich Klemmt und sein Kollege Michael Neubert von der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft mit Aussagen zurückhalten, über die bisher gewonnen Erkenntnisse generelle Aussagen zu treffen – „wir erfassen derzeit nur punktuell und können keine Gesamteinschätzung aufgrund dieses Materials geben“ – kann Klemmt eines mit Sicherheit sagen: „Bayern überzeugt mit sehr schönen Waldmischungen.“ Wie das allerdings genau aussieht, soll dieses Mal auch mitermittelt werden: Im Rahmen der Bundeswaldinventur wird auch ein Waldlebensraum-Monitoring durchgeführt.