Der Festsaal des Alten Stadttheaters ist auch bei den Schulen als Konzertsaal beliebt: Gestern bauten zum Beispiel die Mädchen der Maria-Ward-Schule ihre Instrumente auf. Sie gestalten heute um 19 Uhr einen musischen Abend, bei dem der Saal wohl sicher gut gefüllt sein wird, wie sie vermuten. Lehrerin Monika Helmstreit bestätigt: "Wir sind Stammgäste und kommen immer wieder gerne, auch wegen des sehr guten und freundlichen Services." - Foto: chl
Eichstätt
Die Leiterin des Alten Stadttheaters legte dem Gremium ihren Jahresbericht 2009 vor und nahm dabei angesichts der permanenten Diskussion um das hohe Defizit des Hauses den Stadtrat in die Pflicht: Seit der Eröffnung vor 22 Jahren sei es bisher Konsens gewesen, "dass die Stadt dieses vielseitige Veranstaltungsgebäude dringend braucht". Wenn der Stadtrat heute jedoch mehrheitlich der Meinung sei, dass dieses Haus nicht mehr zeitgemäß wäre oder sich die Finanzlage derart drastisch geändert habe, dass es nicht mehr tragbar wäre, "dann sollte man die Überlegungen zu einer generellen Nutzungs- und Trägerschaftsänderung nicht ausschließen", so Fürsich. Bekanntlich steht unter anderem eine Privatisierung des Hauses im Raum.

Fürsich mahnte den Stadtrat aber zur Eile: "Wir bitten Sie, die Grundsatzdiskussion um unser Haus so bald wie möglich in Angriff zu nehmen." Sie verwies darauf, dass der Bereich der Tagungen noch ausgebaut werden müsste und könnte – wenn dem Haus nicht permanent öffentlich eine unsichere Zukunft bescheinigt würde: "Die Veranstalter planen langfristig, und sie sind verunsichert."

Insgesamt jedoch sei das Haus stark frequentiert: 2009 gab es 329 Veranstaltungen, im Jubiläumsjahr 2008 waren es 323 (siehe Infokasten). Der aktuelle Auszug der Ballettschule aus dem Holbeinsaal hinterlasse eine Lücke, jedoch gebe es bereits Nachfragen auf die frei gewordenen Termine, bemerkte Fürsich.

Sie betrachtete das Defizit des Hauses differenziert: Der Haushaltsansatz 2009 hatte bei Minus 304 200 Euro gelegen, tatsächlich lag das Rechnungsergebnis dann bei Minus 263 545 Euro. "Wir sparen schon, wo es geht", betonte Fürsich angesichts der Einsparung von über 40 000 Euro im Vergleich zum Ansatz. Allerdings bestünde der Asthe-Etat aus drei Bereichen: erstens Fixkosten für das Gebäude, zweitens Gastronomie und drittens Veranstaltung/Verwaltung, wobei sie aber nur auf Punkt drei selbst Einfluss habe. "Nach 22 Jahren fallen immer größere Reparaturen am Gebäude und Kosten im Unterhalt an." Ebenso "können wir nicht abschätzen, mit welchen Kosten wir in Zukunft für die Gastronomie rechnen müssen".

Der Umbau der Küche zum Pächterwechsel 2009 belastete den Asthe-Haushalt mit 40 200 Euro, "durch das Prüfen von weiteren Angeboten für neue Küchengeräte für die Gastronomie konnten wir hiervon noch rund 10 000 Euro einsparen", betonte Fürsich. 2009 habe es zudem keine Pachteinnahmen gegeben – durch die Cateringverträge davor hatte das Haus im Vorjahr 6785 Euro eingenommen. Außerdem hatte das Alte Stadttheater von Juli bis Dezember rund 5600 Euro Energiekosten für die Gastronomie zu zahlen, da den neuen Pächtern während des Umbaus weder Heiz- noch Stromkosten berechnet worden seien.

Außerdem verwies sie darauf, dass im Asthe-Defizit auch die städtischen Kulturfördermittel (2009: 22 000 Euro) sowie die Personalkosten zu Buche schlügen – in vergleichbaren anderen Städten mit ähnlichen Häusern würden die Personalkosten dagegen im Verwaltungsbereich im städtischen Haushalt und die Techniker im Bauhof angesiedelt – oder die Personalkosten seien mit dem Kulturamt verbunden. "Wir bemühen uns seit Jahren, das fehlende Kulturamt in unserer Stadt zu ersetzen." Das Alte Stadttheater – besetzt mit zwei Verwaltungsangestellten, zwei Technikern und zwei Reinigungsdamen – sei nicht nur mit der Verwaltung der städtischen Räume betraut. Unter vielem anderem "unterstützen wir die Kulturschaffenden in Eichstätt und versuchen, auch den städtischen Part der Kulturförderung abzudecken".

Der ehrenamtliche Kulturbeauftragte Günther Köppel lobte ebenso wie OB Arnulf Neumeyer das Engagement von Annette Fürsich und ihren Kollegen: "Die Kultur der Stadt ist bei Annette Fürsich in guten Händen", betonte Köppel. Manuela Knipp-Lillich (Grüne) dankte für den Bericht und verwies auf künftige Debatten: "Da geht es um grundsätzliche Haushaltsansätze. Man wird diskutieren müssen, ob die alle dem Alten Stadttheater zugerechnet werden müssen."