Eichstätt: Von Traumlandschaften bis "Gruselpsychos"
Die Ausstellung des Fotokünstlers Andreas Weidner besticht durch ihre Vielfältigkeit. Weidner zeigt neben seinen "Malereien" (paintings) und "Psychos" (Gesichtscollagen voller Schmerz, Verzweiflung und Wut) wunderbare Landschaftsaufnahmen voller Harmonie, Ruhe und Ästhetik. - Fotos: Kusche/Andreas Weidner
Eichstätt

Das berühmte Fotolehrbuch "Perspektive Fine-Art" mit einer Widmung Weidners in der linken, ein wunderbarer Fotokalender von 2001 in der rechten Hand - schon vor 15 Jahren kam Gastgeber Hubert P. Klotzeck zum ersten Mal in Kontakt mit der fotografischen Kunst des heute im schwäbischen Abstatt wirkenden Andreas Weidner: "Der Kalender hängt heute noch an einer gut sichtbaren Stelle, denn seine Fotografien haben mich nicht mehr losgelassen", erinnerte sich Klotzeck. Vor vier Jahren endlich habe er sich dann für die Teilnahme an einem der Workshops des Künstlers entschieden - und mit diesem erste Ideen für das "große Glück", nämlich ein Ausstellungsprojekt in Eichstätt, geschmiedet. Für ihn sei es ein großes Geschenk, den virtuosen Fotokünstler, der sich mehr als 20 Jahre ausschließlich mit der Schwarz-Weiß-Fotografie beschäftigt habe, tatsächlich in seiner Galerie begrüßen zu dürfen. Denn nicht nur gestalterisch, fotografisch und technisch seien die Arbeiten von Andreas Weidner von beeindruckender Qualität, sondern sie berührten, regten zur Diskussion an und bewiesen, dass ein Künstler sein Herz und seine Seele noch einmal deutlich weiter öffnen könne als gemeinhin üblich, so Klotzeck in seiner Vorstellung des Gastes.

Zusammen mit Andreas Weidner konnten sich die Vernissage-Gäste dann einen Eindruck von der enormen Vielschichtigkeit seiner Arbeiten machen. Im ersten Galerieraum seine fantastischen Landschaftsaufnahmen - Schwarz-Weiß-Kunstwerke aus Island, Südfrankreich, der Bretagne, von der Nordsee, deren Einzigartigkeit in ihrer Ruhe und ihrer Fokussierung eines Motivs liegt. Eine Eisscholle, ein Holzstück am leeren Strand, eine Felsformation rücken in den Vordergrund; alles andere, was stört oder unwichtig sein könnte, wird aus dem Bild verbannt. Mit großer Faszination bewunderten die Gäste auch die farblich sehr ansprechenden "Paintings" im zweiten Galerieraum, die, wie Weidner erläuterte, aus mindestens drei bis zu 15 am Rechner collagierten Fotografien entstünden, die mehrheitlich aus der Architektur stammten: "Wenn ich malen könnte, dann würde ich diese Bilder zeichnen", erklärte Weidner. Da er dies aber nicht könne, erarbeite er die "Malereien", die er auch "Variationen in fis-Moll" nenne, auf andere Art und Weise, nämlich am Computer.

Mit teilweise erschrockenen, teilweise entsetzten, in jedem Falle aber fragenden Blicken musste sich der Fotokünstler dann im dritten Raum auseinandersetzen - nicht unerwartet, wie er gleich schmunzelnd betonte: "Die "Psychos" mögen meine Kunden nicht, nur mein Therapeut", erklärte Weidner dem erstaunten Publikum lachend. Die Psychos - dies ist eine ganze Reihe von Fotoarbeiten, in deren Fokus jeweils durch verschiedene Mittel, wie eng aufgelegte Folie oder per Computer eingearbeitete Wunden oder Schnitte, ein verzerrtes Gesichtsporträt steht. Schmerz, Wut, Leid, Verzweiflung, Selbstzerstörung, fehlende Anerkennung - all diese Gefühle sprechen aus diesen Gesichtern, die die Gäste mitunter durchaus auch als "gruselig" und furchterregend empfanden. "Mit diesen Fotocollagen, die ich immer mit allen Arten von Musik erstelle, bin ich zum ersten Mal selbst authentisch geworden", erläuterte Weidner in sehr offener und persönlicher Weise. Sie brächten ihn in frühere Stimmungen, teilweise bis zurück in seine Kindheit, und ließen ihn verschiedene Verletzungen aufarbeiten: "Mir geht es sehr gut dabei!", beruhigte Weidner seine Gäste schmunzelnd.

Die Ausstellung ist noch bis zum 5. August jeweils Mittwoch und Freitag von 14 bis 18 Uhr, Samstag von 10 bis 13 Uhr sowie nach Vereinbarung unter Telefon (0151) 25 35 02 96 in der Galerie "Bildfläche" am Bahnhofplatz 20 zu sehen.