Eichstätt: Querschnittsfragen
Offiziell bestellt: Professor Dr. Martin Kirschner erhält von der Präsidentin der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, Gabriele Gien, die Ernennungsurkunde für die Heisenberg-Professur an der KU. Über die bundesweit erste Professur dieser Art in der katholischen Theologie freuen sich auch der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke und der Dekan der Theologischen Fakultät, Professor Dr. Jürgen Bärsch. - Foto: Klenk/upd
Eichstätt

Das ist eine Premiere, nicht nur an der KU, sondern in ganz Deutschland: Es ist die erste Heisenberg-Professur (siehe Stichwort) an der KU und gleichzeitig die bundesweit erste in der katholischen Theologie. Martin Kirschner (42) studierte Katholische Theologie und Politikwissenschaft in Trier und Tübingen. 2005 promovierte er bei Professor Peter Hünermann und wirkte als dessen wissenschaftlicher Mitarbeiter an einem Kommentar zum Zweiten Vatikanischen Konzil mit. Er habilitierte 2011 in Dogmatik zum Thema "Gott - größer als gedacht: Eine Studie zur theologischen Rationalität im Rückgang aus Anselm von Canterbury". Vergangenes Jahr wurde Kirschner mit zwei Forschungsvorhaben in das Heisenberg-Programm der DFG aufgenommen. Der vierfache Vater erhielt 2009 in Tübingen die Weihe zum ständigen Diakon. "Das Spannungsfeld von Theologie und gesellschaftlicher Realität, von Spiritualität, Familie, kirchlichem und politischem Engagement ist eine wichtige Basis für meine akademische Arbeit", sagt Kirschner. Die Widmung seiner Professur zu Transformationsprozessen spiegele massive Umbrüche wider, die die gesamte Gesellschaft umfassten und nicht nur auf die katholische Kirche beschränkt seien.

Diese Entwicklungen werfen zahlreiche Querschnittsfragen auf, die er in Kooperation mit Kollegen anderer Disziplinen innerhalb und außerhalb der Theologie ergründen will. Dabei geht es ihm sowohl um wissenschaftliche Fragestellungen und gesellschaftliche Problemlagen als auch darum, die Konflikte im religiösen Feld und "den Wandel der Sozialgestalt von Kirche" zu bearbeiten. Vor diesem Hintergrund wünsche er sich in der Kirche einen konstruktiven Dialog zwischen Theologie, Kirchenvolk und Amt mit mehr Mut und Konfliktfähigkeit, der sich den Außenperspektiven einer postsäkularen Zeit öffne. "In unserer Gesellschaft treten theologische Fragen mit Macht in den Vordergrund, ohne dass die Antworten darauf bereits vorhanden wären", so Kirschner. Als Beispiele nennt der 42-Jährige die zunehmende Polarisierung und politische Desintegration der europäischen Gesellschaften, die Herausforderung von Flucht und Migration, die kulturellen Konflikte innerhalb der Religionsgemeinschaften sowie die Herausforderung, theologische Aufklärung, religiöse Bildungsprozesse und interreligiösen Dialog angesichts eines Terrors im Namen Gottes voranzutreiben. Deshalb brauche es die Offenheit, den Mut und die Neugier füreinander, so dass religiöse und nichtreligiöse Menschen sowie Vertreter der verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen sich diesen Fragen stellen - mit dem Ziel des Dialogs und interdisziplinärer Kooperation.

Hierzu hat er bereits Forschungsvorhaben mit Unterstützung der DFG auf den Weg gebracht, die sich grundlegend mit einer Theologie der Namen Gottes und mit Möglichkeiten eines substantiellen interreligiösen Dialogs beschäftigen. Darüber hinaus will sich Kirschner mit Konflikten beschäftigen, die sich aus der Pluralität der Glaubensverständnisse und Glaubensstile ergeben. "Diese brechen innerhalb der Glaubensgemeinschaften und quer zu den Konfessionsgrenzen auf und berühren auch immer das Verhältnis zu Freiheit und Pluralismus", so Kirschner.